Tim Bendzko singt bei Courage Festival 2018

Kreis Kleve : Bendzko singt, Deutschland gewinnt

Das Courage-Festival bot eine Alternative zum Fußball. Mit 8000 Besuchern war es ausverkauft. Mike Singer wurde zum Star des Abends, auch für die älteren Besucher. Rapperin Amanda fegte als Gute-Laune-Frau über die Bühne.

Während Tim Bendzko „mir fehlen die Worte“ ins Mikrofon singt, fällt für Deutschland das entscheidende Tor beim WM-Spiel gegen Schweden. Und auf dem Platz vor Schloss Moyland, das sich während des Courage-Festivals in eine Picknickdecken-Landschaft verwandelt hat, bricht kollektiver Jubel aus.

In diesem Jahr fiel die Entscheidung nicht einfach: Fußball gucken oder mit der Familie in gemütlicher Atmosphäre Tim Bendzko und Mike Singer zuhören. Mit 8000 verkauften Tickets war das Courage-Festival ausverkauft. Auch zur besten Fußball-Zeit war der Platz nicht leergefegt. Der Veranstalter, der Kreis Kleve, setzte konsequent Musik auf Platz 1 an diesem Abend. Auch auf den beiden Großbildleinwänden lief nicht das Spiel, sondern die Künstler waren zu sehen. Wer noch näher dran wollte, der musste schon unter 1,60 Meter sein. 2000 Tickets gab es dafür, früh da sein lohnte sich also. Tatsächlich war die Wiese schon um 15 Uhr mit bunten Decken gepflastert und viele Kinder trugen das heiß begehrte pinke Band am Arm, das den Einlass in den 1,60 Meter-Bereich erlaubte.

Einer, der sein Publikum absolut im Griff hatte, war Mike Singer. Die hochgehaltenen Plakate machten schnell deutlich, er war der Star der Herzen. „Ihr seid die Allerbesten“, rief er in die Menge, die noch mehr jubelte. Jede Liebesbekundung („Wow, ihr seid wirklich crazy“), bekam er doppelt und dreifach zurück, Schreikaskaden eingeschlossen. Für die etwas Älteren: Es erinnerte an die Begeisterung, die den Beatles entgegenschlug oder vielleicht noch dem Sänger von A-ha. Gut, es fiel niemand in Ohnmacht, aber nach dem Auftritt machte Moderatorin Jess in der Menge auch ein weinendes Mädchen aus. „Du weinst, weil du dich so freust, oder?“, sagte sie verständnisvoll. Und ganz ehrlich, Mike Singer packte stimmungsmäßig auch die Älteren.

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Vielleicht lag es daran, dass er sich nicht als Konkurrenz zum Fußballabend sah. Er und seine Band trugen Deutschland-Trikots. „Wir schaffen das heute, wir kommen ins Finale“, sagte er optimistisch. Während des Anstoßes stand er noch auf der Bühne. Nicht jeder griff eilig zum Handy, um das Spiel zu verfolgen. Es wurde weiter fleißig mitgesungen, vor allem im 1,60er-Bereich. Da wurde das von Sänger Bausa gecoverte Lied „Was Du Liebe nennst“ zum Selbstläufer. Richtig romantisch wurde es bei „Flashbacks“. Singer forderte alle auf, die Handylichter anzuschalten und setzte sich an den Bühnenrand. So viel Stimmung und gefühlte Einheit erreichte Tim Bendzko an diesem Abend nicht.

Vielleicht lag es an der Liedreihenfolge, er startete mit dem wenig bekannten „Die Geier kreisen schon“, bevor er zu den mitsing-sicheren Liedern „Keine Maschine“ und „Sag einfach Ja“ kam. Das war dann auch das Abschlusslied, zu dem einige im WM-Freudentaumel tanzten. Viele hatten sich aber auch schon vor 22 Uhr ihre Picknickdecken geschnappt und zusammengepackt. Dafür hatten die ersten Mike-Singer-Fans schon um sieben Uhr morgens auf den Einlass gewartet, sagte die Pressesprecherin des Kreises Kleve, Ruth Keuken. Um 14.30 Uhr wurde der Einlass geöffnet, um 17 Uhr startete das Programm, das sich um das Motto „Für Toleranz und gegen Gewalt“ gestaltete.

Die Veranstaltung eröffnete, wie schon seit Jahren erfolgreich, die Tanzgruppe Akwaaba. Mit Phoenix Beatz trat ein Weezer auf, der zu seiner Musik seine Lebensgeschichte erzählte. „Ich wurde 1995 mit der Erbkrankheit Mukoviszidose geboren, die sich hauptsächlich auf die Lunge auswirkt und sie zerstört“, erklärte er den Hintergrund zu seinen Texten und warum das Musik machen für ihn mehr ist als ein Hobby. „Super“, sagt er über den Auftritt vor 8000 Leuten, auch wenn er beim ersten Lied mit Tonproblemen kämpfen musste. Er wurde aber nicht müde, Autogramme zu geben und hätte sich gewünscht, dass sich noch mehr Künstler von der Bühne unter das Publikum mischen.

Einen echt starken Auftritt legte Gute-Laune-Frau Amanda hin. Die Rapperin machte schnell klar: „Das Motto ist: Für Toleranz und gegen Gewalt. Dat find’ ich jut, dafür steh’ ich mit meinem Namen.“

Rap war auch das Ausdrucksmittel von Fargo, der das Publikum erst einmal mit einer „Ooh, Ooh, Ooh“-Einlage zum Mitsingen animierte. Den Nerv ihrer Zuhörer traf Enyadres, die zum Gute-Laune-Beat über Liebe und Freundschaft sang, eben jene Themen, die im Alter ihres Zielpublikums eine Rolle spielen.

Schloss Moyland Courage Festival 2018 - PZ. Foto: Markus van Offern (mvo)
Schloss Moyland Courage Festival 2018 - PBW. Foto: Markus van Offern (mvo)

Am Ende wurde alles gut. Deutschland gewann. Und wer gerne Fußball schauen wollte, der konnte sich in das volle Museumscafé von Schloss Moyland quetschen und den Fußballfans über die Schulter schauen.

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