Tiergarten Kleve : Zwergotter sind echte Energiefresser

Acht Exemplare der bedrohten Tierart leben augenblicklich im Klever Tiergarten. Die Alleinstellungsmerkmale: dichtes Fell und guter Stoffwechsel.

Die Zwergotter wirken mit ihren aufmerksamen Augen und ihrem dichten Fell besonders süß. Doch es ist Vorsicht geboten. „Wenn man ins Gehege geht, können sie sehr aggressiv werden. Sie haben scharfe Zähne, mit denen sie Muscheln knacken können. Da sollte man schon achtsam sein“, sagt Martin Polotzek, Leiter des Tiergarten Kleve. Acht Exemplare leben im Familienzoo, im November gab es sogar noch Nachwuchs. Im Rahmen der Arterhaltung sei das ein wichtiges Zeichen: Immerhin stehen die Zwergotter, die aus Südostasien stammen, auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. 

Die Tiere, deren Fell an der Oberfläche dunkelbraun gefärbt ist, während der Bauch deutlich heller ist, brauchen reichlich Nahrung. „Otter haben einen ausgezeichneten Stoffwechsel und ernähren sich bei uns vor allem von Muscheln, kleinen Krebsen oder Schnecken. Bei Führungen erkläre ich, dass die Zwergotter so viel Nahrung brauchen, als würden wir Menschen jeden Tag 15 Schnitzel essen. Die Dimensionen sind beeindruckend“, so Polotzek, der eine Schwäche für die agilen Raubtiere hat. 

  • Präsentierten den Masterplan für den Tiergarten:
    Kleve : Tiergarten macht sich fit für die Zukunft
  • Kleves Bürgermeister Wolfgang Gebing (r.) und
    Festakt : 50 Jahre Städtepartnerschaft Ronse-Kleve
  • Roland Katzy und seine Frau Sonja
    Auszeichnung : Bundesverdienstkreuz für Roland Katzy

Etwas befremdlicher wirkt es da schon, wenn die Tierpfleger kleine Küken ins Gehege legen. „Bemerkenswerterweise haben Kinder damit überhaupt kein Problem, wenn man ihnen das frühzeitig erklärt. Ich frage dann immer, wer gerne Chicken Nuggets isst. Dann zeigen fast alle auf. Kinder verstehen, dass es für Otter genauso selbstverständlich ist, Küken oder Meerschweinchen zu fressen“, so der Tiergarten-Leiter. Deutlich schwerer würden sich damit meist die Eltern tun. 

Fische essen die Zwergotter, die bis zu sechs Kilogramm schwer werden, im Zweifel nicht. Der Grund liegt auf der Hand. „Das hat mit den Pfoten zu tun. Die Krallen sind recht kurz, sie reichen nicht über die Fingerkuppen hinaus. So können sie Fische kaum fangen, weil die zu glitschig sind. An Land sind Otter deutlich geschickter“, sagt Polotzek, der am Donnerstag seinen Masterplan für die langfristige Entwicklung des Zoos vorgestellt hat. Mehr Nähe zum Tier, ein intensiverer Schutz für gefährdete Arten und mehr Kapazitäten für die Forschung – die Pläne für die nächsten 15 bis 20 Jahre sind äußerst ambitioniert und Millionen-teuer. Einen festen Platz im Zoo sollen auch weiter die Zwergotter haben. „Die Zwergotter haben Tasthaare an Schnauze und Ellenbogen und außerdem sehr kurze Schwimmhäute. Damit sind die Finger sehr beweglich, und an Land können sie sehr gut tasten. Ins Wasser verschlägt es Otter daher beinahe nur, wenn Gefahr droht“, so der Klever Tiergarten-Chef.

Im November 2021 haben die Tiere in der Kreisstadt sogar noch Nachwuchs zur Welt gebracht – und damit landesweit Schlagzeilen gemacht. Zwei männliche und drei weibliche Otter erblickten das Licht der Welt. „Die Zwergotter kommen als Nesthocker zur Welt, sie sind dann blind und taub. Etwas Süßeres kann man sich kaum vorstellen“, so Martin Polotzek. Und auch das Fell der Otter sei sehr besonders. „Die Zwergotter haben das dichteste Fell im Säugetierreich. Auf einen Quadratzentimeter Haut kommen 50.000 bis 100.000 Haare. Wenn man die Zwergotter dann mal rasiert, etwa um Blut abzunehmen, hat man einen unglaublich weichen Teppich in der Hand“, so der junge Tiermediziner.