Theater im Fluss mit Stück von Thornton Wilder

Theater : Theater im Fluss mit „Wir sind noch einmal davongekommen“

Theater im Flüss mit einem Stück von Thornton Wilder.

Man kann Yvonne Campbell Körner und Harald Kleinecke nur bewundern: Drei Premieren mit verschiedenen Jugendgruppen haben die beiden unermüdlichen Theatermacher in den letzten zwei Monaten auf die Beine gestellt. Hinzu kommen eine Produktion der ganz jungen Märchen- und der Erwachsenentruppe, Schülerprojekte, Kooperationen und mehr. Und das in einer Zeit, wo sich das Theater im Fluss ernsthafte Sorgen um seinen Standort machen muss – das lebendige Kulturzentrum an der Ackerstraße steht kurz vor dem Verkauf, die Verhandlungen mit dem Investor laufen noch.

Mit großer Verve und gespickt mit hochaktuellen Bezügen brachten die Jugendlichen nun unter Kleineckes Regie das Theaterstück „Wir sind noch einmal davongekommen“ von Thornton Wilder auf die Bühne. Der amerikanische Dramatiker und Pulitzer-Preisträger schrieb es während des Zweiten Weltkriegs, er verwebt darin seine von Not und Zerstörung geprägte Gegenwart mit vorgeschichtlichen Zeitaltern – die drei Akte lauten Eiszeit, Sintflut und Krieg. Immer steht jedoch dieselbe „typisch amerikanische Familie“ im Mittelpunkt: der fortschrittsgläubige Mr. Antrobus, den Kopf voll immer neuer bahnbrechender Erfindungen, seine Frau und seine zwei Kinder, allesamt mit einer handfesten Persönlichkeitsstörung ausgestattet. Eine Schlüsselrolle spielt das Dienstmädchen Sabina (Selina Koenen, Annika Ramcke, Sofie Ruddat), die kompetenter und hellsichtiger ist als alle übrigen und ihre eigenen Pläne verfolgt. Ein recht kruder Stoff mit abstrusen Zügen, nicht immer ganz schlüssig und überladen mit biblischen, antiken oder anderweitig bedeutungsschweren Zitaten. Und doch war es großartig zu beobachten, wie gekonnt sich Kleinecke und seine Truppe das sperrige Gewand auf den Leib schneiderten.

Die fast schon brechtschen Verfremdungs- und Desillusionierungsmomente stammten zwar von Wilder selbst – der das bizarre Szenario wiederholt als Theaterprobe kenntlich macht –, wurden aber von den Schauspielern ins Hier und Heute verlegt, was teils witzig, teils aber auch beklemmend ernst wirkte: von ganz globalen Problemen wie den Plastikinseln im Meer und den verzweifelt an der Tür klopfenden Flüchtlingen bis hin zu einem konkreten (und charmant in die Handlung eingeflochtenen) Aufruf an die Klever Lokalpolitik, das Panniergelände an der Ackerstraße als Kulturzentrum zu erhalten. Inständig wünscht man den Künstlern Planungssicherheit und eine feste Heimat, damit sie ihre Arbeit weiter in dieser Qualität und Vielfalt fortsetzen können.

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