Kleve: Tatort Buchhandlung: Hintzen im Krimi

Kleve: Tatort Buchhandlung: Hintzen im Krimi

Zum Jubiläum des Grafit-Verlages erschien eine Sammlung mit 15 Krimi-Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren . Eine davon spielt in Kleve. Ein Buch über gefährliche Bücher, übers Schreiben und Lesen, über Buchhandlungen.

Einen Mord hat es nicht geben, eher Folter - aber die auch nicht tödlich. Der Tatort: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Buchhandlung Hintzen in Kleve. Nicht ganz unverdächtig: Sigrun Hintzen.

"Sigrun stand auf halber Höhe der Treppe, als er hereinkam. Sie nickte ihm zwar kurz zu, machte aber auf dem Absatz kehrt und verschwand nach unten ins Antiquariat. Das war deutlich", heißt es in der Kurzgeschichte der Ruhrgebiets-Autoren Christiane Bogenstahl und Reinhard Junge im druckfrischen Krimi-Sammelband "Lies oder stirb", der zum Silberjubiläum des auf Krimis spezialisierten Grafit-Verlags erschienen ist. Und dann tauchen auch noch weitere Indizien aus dem Fall plötzlich in der Buchhandlung auf: wie jener neue Horrorband mit dem roten Lesebändchen hinter dem Uralt-Röhrenmonitor.

Das Autorengespann Bogenstahl/Junge war Anfang des Jahres in Kleve, um seine Geschichte zu recherchieren. Die Themen waren frei. Allein - es sollte etwas "Mörderisches aus dem Bücherregal" werden - so die Vorgabe des Verlags. Es sollte von Büchern, Schreiben, von Lesen und Buchhandlungen handeln. Lauter gefährliche Geschichten also. Junge wollte die Wege abpassen, die sein gequälter Protagonist zurücklegen muss, besuchte die Kneipen, die er besuchen wird, war im Café Samocca wie im inzwischen geschlossenen "Haus Royen". Er weiß, dass die Buchhandlung Hintzen zwei Türen hat und dass man nicht nur im "Keller" erzählen kann. Er kennt "Kleves bibliografisches Urgestein" - Eckard Erdmann.

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Der Band "Lies oder stirb. Mörderisches aus dem Bücherregal" enthält 15 Kurz-Krimis von den wichtigsten Autoren des Verlags auf 185 Seiten, es folgen die Biografien der Autoren. Grafit war auch der Verlag, in dem Leenders/Bay/Leenders ihre ersten auflagenstarken Kriminalromane herausgaben. Die Verbindungen von Grafit nach Kleve und vor allem auch zur Buchhandlung Hintzen sind also lange gewachsen, fast so alt, wie der Verlag. Das war aber nicht der Auslöser für die Geschichte im Sammelband zum Verlags-Jubiläum: "Wir hatten ein Schaufenster für 25 Jahre Grafit-Verlag gestaltet", sagt Sigrun Hintzen. Zusammen mit zwei weiteren Buchhandlungen gewann Hintzen damit den Preis zum besten Fenster. Das Preisgeld: Eben jene Kurzgeschichte. Schließlich wurde gelost - das Los fiel auf Hintzen.

Der Kurz-Krimi von Bogenstahl/Junge, beide seit langem bei Grafit, ist deftig. Auch wenn die beiden Autoren Rücksicht auf den Niederrhein genommen haben, wie Sigrun Hintzen erzählt. Es geht um die Geschichte eines Mannes, den seine "Weibergeschichten" einholen: Er wird leiden müssen. Eine der drei Frauen, die ihm zusetzen ist blond, mehr weiß er nicht. Sie sagt, dass "wir immer das glauben, vor dem wir am meisten Angst haben". Und grinst.

(RP)
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