Kleve: "Tanzalarm": Schweizerhaus insolvent

Kleve : "Tanzalarm": Schweizerhaus insolvent

Gestern um 14 Uhr versammelte sich die Belegschaft des Parkhotels Schweizerhaus im großen Saal. Hier, wo jahrzehntelang kaum jemand Gefahr lief lange allein zu bleiben, scheint die Party dem Ende entgegenzusteuern. In einer Betriebsversammlung wurde den noch übrig gebliebenen Mitarbeitern eröffnet, dass die Betreibergesellschaft des Parkhotels Schweizerhaus gestern den Insolvenzantrag gestellt hat. Betroffen sind davon 45 Festangestellte und 30 Aushilfen. Einigen Mitarbeitern war offenbar bewusst, dass es um das traditionsreiche Haus nicht sonderlich gut bestellt ist. Schon vor der Versammlung hieß es von einem Angestellten: "Hier ist bald Sense."

Die Gründe, die zu dem Absturz des Hauses führten, sind laut Erwin Steinkogler, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, die enormen Buchungsrückgänge. Wurde man während der Kegelsaison vor einigen Jahren noch von den Massen über die Tanzfläche geschoben, musste man die Kegelbrüder- und -schwestern zuletzt dort suchen. "Die Klubsaison hat bei uns quasi nicht stattgefunden", sagte Steinkogler. Die Reservierungen seien stark eingebrochen. So lagen im Februar 2008 Buchungen im Wert von 350 000 Euro vor. In diesem Jahr sei die Zahl auf 50 000 Euro zurückgegangen. Doch heißt es auch, dass mitverantwortlich für den Niedergang des Schweizerhauses ein Investitionsstau sei, den es dort gebe. In der Tat überfällt einen im Parkhotel der geballte Charme der 80er-Jahre an jeder Ecke. Lila geraffte Vorhänge dazu plärrt Lionel Richie "Say you, say me…"

Erwin Steinkogler räumt dem Haus keine große Überlebenschance ein: "Wie soll ein Insolvenzverwalter das Haus voll bekommen, wenn wir das nicht schaffen? Es ist nicht vorstellbar, dass dies funktioniert."

Zwei Monate ist das Gehalt der Mitarbeiter durch das Insolvenzausfallgeld gesichert. Der Betrieb im Schweizerhaus wird zunächst wie gewohnt weiterlaufen. Erwin Steinkogler geht jedoch davon aus, dass in ein paar Monaten ein Stück Klever Geschichte beendet sein wird.

Bereits nach Karneval wurde zehn Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt. "Wir hatten einen Plan, wie wir das Haus hätten weiterführen können", sagt Steinkogler, der dann jedoch, als er die ersten vom Arbeitsgericht festgelegten Abfindungszahlungen erhielt, diesen Plan wieder in der Schublade verschwinden ließ: "Die hohen Abfindungen waren ein Hauptgrund für uns, den Insolvenzantrag zu stellen." Dabei hätte man durchaus ausrechnen können, was ein gekündigter Mitarbeiter in Deutschland in etwa zu erwarten hat.

(RP)