Preise beim Nachbarn gesenkt Tanken in Niederlanden günstiger – jetzt kommen die Deutschen

Niederlande · Am Freitag haben die Niederlande die Abgaben auf Sprit wie angekündigt um 21 Prozent gesenkt. So ist der Diesel bei den Nachbarn nun günstiger als in Deutschland. Grenznahe Tankstellen profitieren bereits jetzt.

 An der niederländisch-deutschen Grenze werben Tankstellenbetreiber mit niedrigen Preisen um Kunden aus dem Nachbarland, wie hier in Venlo.

An der niederländisch-deutschen Grenze werben Tankstellenbetreiber mit niedrigen Preisen um Kunden aus dem Nachbarland, wie hier in Venlo.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Bei Paul Fransman brummt das Geschäft. Der Niederländer führt seit Jahren die Texaco-Tankstelle in Ven-Zelderheide, direkt hinter der Grenze bei Goch und Weeze. „Ich darf nicht meckern. Schon seit drei Wochen läuft es bei mir deutlich besser, seit Freitag gibt es noch einmal einen Schub“, sagt Fransman. Hintergrund ist, dass die Niederlande die Abgaben auf Sprit wie im März angekündigt um 21 Prozent gesenkt hat. So wird der Liter Benzin um etwa 17 Cent, der Liter Diesel um etwa 11 Cent günstiger. So will die niederländische Regierung in Den Haag den enormen Preissteigerungen der vergangenen Wochen entgegenwirken.

„Es kommen aktuell 80 bis 90 Prozent mehr Deutsche als noch vor Wochen oder Monaten. Beim Diesel und beim Gas sind wir deutlich günstiger, beim Benzin weiterhin nicht. Aber den Zuwachs merken wir deutlich“, sagt Paul Fransman. Am Montagvormittag kostete der Liter Diesel im Dorf Ven-Zelderheide, das zur Gemeinde Gennep gehört, 1,92 Euro. Im Herzen von Gennep lag der Preis knapp über zwei Euro. In der Grenzstadt Groesbeek zahlte man 1,97 bis 2,03 Euro für einen Liter. Den besten Preis bot allerdings die Esso-Tankstelle in Siebengewald mit 1,89 Euro für den Diesel.

„Wir genießen nun einfach einmal diese Preissituation. Natürlich profitieren wir von dem Nachlass bei den Steuern. Aber man weiß nicht, wie es bald in Deutschland weitergeht. Vielleicht passiert dort auch etwas mit den Steuern“, sagt Paul Fransman. Super E10 kostete im Nachbarland unterdessen 2,05 bis 2,10 Euro, in Deutschland zahlte man knapp zwei Euro – einen Kostenvorteil gibt es nicht.

Eine Mitarbeiterin einer großen Tankstelle in Groesbeek registriert den Effekt noch nicht. „Noch sind die Preisunterschiede nicht dramatisch. Daher werden nur die Tankstellen profitieren, die sich direkt hinter der Grenze befinden. Da sind wir in Groesbeek wahrscheinlich schon zu weit entfernt. Die Deutschen können ja auch rechnen, dass es ordentlich Sprit kostet, in die Niederlande zu fahren. Dann reichen zehn Cent Unterschied nicht“, sagt sie.

Der ADAC rät derweil davon ab, zum Tanken ins Nachbarland zu fahren. Das würde sich nicht lohnen, heißt es vom größten deutschen Automobil-Club. Sogar Menschen, die in Grenznähe wohnen, würden von der Ersparnis wohl nicht allzu viel übrig halten. „Und man verbraucht ja auch Sprit, Zeit und CO2-Emissionen, um überhaupt dorthin zu kommen“, erklärt der ADAC.

Für die Tankstellen im Königreich aber dürfte die aktuelle Hochphase außerordentlich wohltuend sein. Immerhin sind in der Grenzregion in den vergangenen Jahren zahlreiche Tankstellen verschwunden. Dem erbitterten Preiskampf gegen die deutschen Kollegen waren viele Tankwarte in Holland nicht gewachsen, sie mussten aufgeben. Über Jahre hinweg fuhren Niederländer in Scharen in Richtung Deutschland, um günstiger an Sprit zu kommen.

Felix Walraven von der Esso-Tankstelle an der Tiergartenstraße in Kleve bestätigt, dass aktuell wohl etwas weniger Kunden kommen. Und all jene, die die Zapfsäulen ansteuern, tanken nur selten voll. „Ich gehe davon aus, dass die Tankstellen in direkter Grenznähe den Effekt noch stärker bemerken“, sagt Walraven.

Das ganze Ausmaß dürfte sich aber mutmaßlich erst in einigen Wochen abschätzen lassen. Der Klever verkaufte den Liter Diesel am Montagvormittag für zwei Euro. Den günstigsten Preis boten um 11 Uhr die Jet-Tankstellen am Klever Ring sowie an der Kalkarer Straße: 1,99 Euro. Auch bei star an der Bedburger Weide in Bedburg-Hau blieb man gerade unter der magischen Zwei-Euro-Marke.

„Es gab in der Vergangenheit aber auch immer wieder solche Phasen. Früher war der Diesel in den Niederlanden billig, danach hatten wir lange Zeit einen Preisvorteil. Die Grenznähe war immer besonders. Wir müssen nun schauen, dass dies kein Dauerzustand wird“, sagt der Tankwart im Gespräch mit unserer Redaktion. Problematisch sei nicht nur, dass Kunden weniger tanken. Schließlich werden dann auch belegte Brötchen, Zeitungen, Schokoriegel und Zigaretten im Tankshop seltener verkauft – und das sei durchaus schmerzhaft, so Felix Walraven.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort