Kleve: Tagebuch aus dem Buschkrankenhaus im afrikanischen Benin

Kleve : Tagebuch aus dem Buschkrankenhaus im afrikanischen Benin

Die erste chirurgische Sprechstunde vorgestern Nachmittag wollte gar kein Ende nehmen. Gemeinsam mit dem Chefarzt der Centre Medical Gohomey, Dr. Gyshlain, sah das deutsche Ärzteteam um den Chirurgen Dr. Johannes Kohler mehr als 25 Patienten.

Gestern - nach einer Radio-Ankündigung im lokalen Radio - waren es noch viel mehr Menschen, die ins Centre Medical Gohomey kamen, weil die Jovo-Ärzte (die weißen Ärzte) da sind. Wegen der Aids-Sprechstunde gestern war schon die Vormittagssprechstunde zum Bersten voll.

Die erste gynäkologische Sprechstunde in Benin. Foto: privat

Dr. Gyshlain arbeitet momentan allein im Zentrum. Ab dem 24. März jedoch erhält er wieder Verstärkung durch einen jungen beninischen Kollegen.

Auffallend war, wie sehr die Menschen der Region dankbar und froh sind, nun endlich eine Chirurgie und eine Röntgen-Möglichkeit zu haben, berichten die Ärzte.

Gestern Vormittag gab es eine Sonographie-Sprechstunde, die Dr. Angelika Mosch und Dr. Elke Kleuren-Schryvers nach Inbetriebnahme des neuen Ultraschallgerätes durchführten.

Währenddessen gingen die Installationsarbeiten im Röntgenraum und am OP-Container mit unverminderter Dynamik voran. Dr. Wolfgang Paul, der Anästhesist, arbeitet mit Hochdruck an seinen Apparaturen für die Narkosen. Der Techniker der Röntgenfirma warteten noch auf die endgültige Fertigstellung des Röntgenraums. Die erfolgte gestern Nachmittag. Dann beginnt seine Montage in Begleitung des technischen Teams und der radiologisch-technischen Assistentin, Walburga Koep sowie Dr. Angelika Mosch. Der ehemalige Material-Container wird zum Magazin für den OP umgerüstet.

"Das Miteinander im Team ist sehr beeindruckend, jeder hilft jedem, wo er kann. Es wird schon acht Stunden hart gearbeitet unter tropischen Bedingungen, aber es wird wirklich auch viel gelacht und gescherzt", sagte Beate Kohler, die beim Organisieren hilft, unterstützt, wo sie kann, und das Team bei Laune hält. Am Abend war ein spannendes Kontrastprogramm geplant: das Team besuchte - verstärkt um einen Gynäkologen und eine Hebamme sowie eine Journalistin, die gestern in Gohomey eintrafen - den traditionellen Heiler, Monsieur Rigobert, in der Nachbarschaft des Projektes. Dort trafen die Jahrhunderte alte traditionelle Medizin Westafrikas und die technisierte europäische Medizin aufeinander. Respektvoller interkultureller Dialog und das aufmerksame erste Kennenlernen der Traditionen Westafrikas, meinten die deutschen Ärzte.

(RP)