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Tag der Deutschen Einheit: Niederlande will keine Feiertags-Gäste aus Deutschland

Feiertagsbesuch in Holland : Deutsche Gäste? Nein, danke!

Große Teile der Niederlande sind seit Freitagabend Risikogebiet, darunter auch Nimwegen. Bleibt der Ansturm der Gäste am Feiertag aus? Niederländische Bürgermeister appellieren, zu Hause zu bleiben.

Corona hat die Niederlande wieder fest im Griff. Die Pandemie scheint das Königreich dieser Tage sogar noch schwerer zu treffen als während der ersten Welle im Frühjahr. So infizierten sich im Monat September mehr als 50.000 Menschen mit dem Virus. Zum Vergleich: Im April waren es 26.000 Fälle. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte verschärfte daher Anfang der Woche die Maßnahmen. Sportveranstaltungen müssen vorerst ohne Publikum stattfinden, Cafés und Restaurants müssen um 22 Uhr schließen. Am Freitagnachmittag reagierte auch das Auswärtige Amt: Mit der Ausnahme der zwei Provinzen Limburg und Zeeland gilt nun die gesamte Niederlande als Risikogebiet - und damit auch die Provinz Gelderland, zu der etwa die Städte Arnheim oder Nimwegen zählen.

Die Bundesbehörde fällte die Entscheidung wenige Stunden vor dem Tag der Deutschen Einheit. Ohnehin schien die Niederlande bereits in heller Aufregung zu sein. Der Bürgermeister von Venlo, Antoin Scholten bittet die Deutschen, fernzubleiben. Und das, obwohl Venlo in der Provinz Limburg weiterhin nicht zum Risikogebiet zählt. „Gerade mit Blick auf die kommende Woche rufen wir Sie dazu auf, zurückhaltend mit einem Besuch in unserer Stadt zu sein“, sagt er. Sollten Gäste dennoch die Reise in die Grenzstadt antreten, müssten diese damit rechnen, dass Einkaufsstraßen und Einkaufszentren kurzfristig geschlossen werden. Gleiches gelte für Parkgaragen. „Wir schließen, wenn wir meinen, dass es zu voll wird“, teilt er mit.

Einen solchen Aufruf gibt es aus dem Rathaus in Nimwegen nicht, wo an Feiertagen normalerweise tausende Deutsche erwartet werden. Dort schnellten die Corona-Fälle zuletzt in die Höhe. In Studenten-Cafés war es zu Ansteckungen gekommen. Daher hatte Bürgermeister Hubert Bruls noch vor der Politik in Den Haag strengere Maßnahmen verabschiedet. Nun ist klar: Wer nach Nimwegen reist, muss sich als Reiserückkehrer beim Gesundheitsamt melden und einen Corona-Test machen. Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, müssen sich Grenzgänger in häusliche Quarantäne begeben. Eine Ausnahme gilt nur für Berufspendler.

Ähnlich wie Venlos Bürgermeister äußerten sich die Amtskollegen in anderen grenznahen Städten. Der Bürgermeister von Winterswijk, Joris Bengevoord, ruft seit Tagen dazu auf, am Samstag in Deutschland zu bleiben. Er könne die Grenze nicht schließen, aber entmutigen wolle er Deutsche. Auch die niederländische Großstadt Enschede appelliert an deutsche Tagestouristen: „Wenn ihr nicht da sein müsst, haltet euch am Samstag vom Stadtzentrum fern.“

Die Politik befürchtet, dass Deutsche am Feiertag nicht nur deshalb einreisen, weil die Geschäfte im Heimatland geschlossen sind. Auch soll ein Besuch im Ausland deshalb attraktiv sein, weil dort die Mundschutzpflicht nicht gilt. Seit Mittwoch wird diese in öffentlichen Räumen „dringend empfohlen“. Besonders schmerzhaft seien die Aufrufe der Bürgermeister für die Tourismus- und Gastronomiebranche in den Niederlanden. Das meint zumindest Jan Brouwers vom Stadtmarketing Venlo. „Für einige Unternehmer wird das ganz bitter. Die deutschen Gäste, viele davon aus dem Kreis Kleve, sind extrem wichtig. Gerade am Tag der Deutschen Einheit kommen traditionell viele Gäste“, sagt Brouwers. In der 100.000-Einwohner-Stadt spitzte sich die Corona-Situation zuletzt zu. Im Zeitraum zwischen dem 16. und 29. September wurden 138 neue Infektionen gemeldet. Auf einer Karte des niederländischen RIVM, vergleichbar mit dem deutschen Robert-Koch-Institut, erscheint Venlo in roter Signalfarbe besonders betroffener Städte – genauso wie Oss, Zevenaar oder Berg en Dal. In Berg en Dal gab es zuletzt sogar drei Corona-Todesfälle.

„Eigentlich hatte ich das Gefühl, dass die Entwicklung rund um deutsche Gäste in den vergangenen Wochen ganz gut war“, sagt Jan Brouwers. Die Deutschen seien nicht mehr geballt am Wochenende in die Stadt gefahren, sondern hätten sich über die gesamte Woche verteilt. „Die Venloer wissen, dass sie am 3. Oktober besser nicht in die Innenstadt kommen, da die Deutschen dann da sind“, sagt er weiter. Nun aber müsse man sich der Pandemie anpassen. Im nächsten Jahr seien die Nachbarn dann wieder willkommen.