Kleve: Suche nach dem guten Schlaf

Kleve : Suche nach dem guten Schlaf

RP-Aktion „Schlafstörungen“ mit Dr. Christoph Baumsteiger und Dr. Paul Behler in der Redaktion Kleve: Viele Menschen kämpfen auch im Kreis Kleve mit Schlafproblemen, wie die vielen Anrufe zeigten.

Es ist eine Mär, dass jeder jede Nacht gut schlafen muss – aber schlafen können muss man schon. Und wenn das nicht geht, ist guter Rat teuer. Das merkten die beiden Spezialisten in Sachen guter Schlaf bei der RP-Telefonaktion „Schlafstörungen“ – das Telefon gab in dieser Stunde keine Ruh’: Dr. Christoph Baumsteiger ist Chef der Föhrenbachklinik in Bedburg-Hau, die als Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie nicht nur auf Schlaganfälle spezialisiert ist, sondern auch bei neurologisch bedingten Schlafproblemen helfen kann. Dr. Paul Behler, Chefarzt beim Gocher Krankenhaus, hat ein Schlaflabor in seinem Haus, in dem Atembewegungen am Bauch, Brustkorb, Fluss an Mund und Nase, Schnarchen, Körperlage, Puls, Sauerstoffgehalt des Blutes gemessen werden kann. Beide standen am RP-Telefon Rede und Antwort.

„Schlechter Schlaf hat auswirkungen auf den Tag, ein schlechter Tag aber auch Auswirkungen auf die Nacht“, sagt Baumsteiger. Sprich: Stress im Beruf oder im Privatleben können zu Schlafproblemen führen, aber genauso auch, so Baumsteiger weiter, neurologische oder internistische Erkrankungen. Deshalb ist es wichtig, zu ergründen, warum der Schlaf gestört ist, ergänzt Behler. Beispielsweise durch äußere Einflüsse wie Krach oder Licht, oder durch das Schnarchen des Partners. Aber auch eigenes Schnarchen weckt. „Wir müssen zwischen sozial-störendes Schnarchen unterscheiden und dem, das mit Atempausen einhergeht“, so die Ärzte. Denn gerade letzteres kann sehr gefährlich sein.

„Diese Aufwachreaktionen können bis zu Schlaganfall oder Herzinfarkt führen“, erklärt Baumnsteiger. Durch die Atemaussetzer entsteht ein Sauerstoffmangel, der wiederum zu einem deutlichen Adrenalin-Ausstoß führt. Das Ganze kann sogar bis zu 40-mal in der Stunde passieren. „Betroffen sind vor allem Menschen mit Bluthochdruck. Übergewicht, Zucker“, sagen die Ärzte. Zu diesem Problem riefen die meisten RP-Leser an. Andere kämpften mit Schichtumstellung, und einer hatte ein „Restless-Legs-Problem“, wenn nachts die Beine nicht stillstehen wollen. „Hier kann es ganz unterschiedliche Ursachen haben“, sagt Baumsteiger. Aber auch die Tagesabläufe können schuld für schlechten Schlaf sein: „Im Grunde sind wir Mittelmeermenschen – wir müssten später ins Bett gehen und später aufstehen“, erklärt Behler.

Später schlafen gehen

In Skandinavien und USA habe man dies schon erkannt und habe Gleitzeiten eingerichtet. Hier ist das anders: So klagte eine 20-jährige Schülerin, dass sie während der Ferien ausgeschlafen ist, sonst aber nicht ein- und durchschlafen kann. „Das ist ein Zeichen dafür, dass sie wie viele andere, vor allem junge Menschen, ihr Schlafhormon erst sehr spät ausschüttet. Gerade Jugendliche schlafen deshalb oft erst gegen Mitternacht“, sagt Behler.

(RP)