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Niederrhein: Studientag in Münster beschäftigt sich mit Karl Leisner

Niederrhein : Studientag in Münster beschäftigt sich mit Karl Leisner

Zum Abschluss des Jubiläumszyklus zum 70. Jahrestag der Priesterweihe Karl Leisners und des Gedenkens an seinen 100. Geburtstag fand im Franz-Hitze-Haus in Münster ein Studientag zum Thema "Priester in Dachau - Kirche im Widerstand am Beispiel von Karl Leisner (1915-1945)" statt.

Zur Einstimmung versammelten sich am Vorabend mehr als 30 Interessierte im Dom zu Münster, wo Domkustos Dr. Udo Grote die Kreuzwegstationen des Bildhauers Bert Gerresheim (Düsseldorf) als "Weg der Hoffnung" erläuterte. Prof. Dr. Wilfried Hansmann (Bonn) sprach die fünfte Station an, in der, durch seine Brille kenntlich, der 1996 selig gesprochene Märtyrer vom Niederrhein als Simon von Cyrene dem Herrn das Kreuz tragen hilft. Danach hielt Dompropst Kurt Schulte eine Andacht im Gedenken an den Seligen Karl Leisner. Die Vizepräsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises, Monika Kaiser-Haas, hatte mit dem Geistlichen Rektor der Akademie Franz-Hitze-Haus, Pfarrer Dr. Martin Thiele, die Tagung organisiert. Prof. Dr. Thomas Großbölting sprach über die katholische Kirche und den Katholizismus im Nationalsozialismus und zeigte dabei die Grenzen und Ausprägungen religiös motivierter Widersetzlichkeit auf.

Dabei stand weniger die Person Leisners, sondern die Kirche als Institution wie auch der Katholizismus als Gemeinschaft der Gläubigen im Mittelpunkt. "Die Kirche selbst hat sich nicht immer gegen den Nationalsozialismus positioniert, sondern eine durchaus ambivalente und in vielem typisch katholische Position gegenüber dem Regime eingenommen", stellte der Referent fest. Leisner habe eine regimekritische Öffentlichkeit geschaffen in einem System, welches dieses nicht zulassen wollte. "Damit ist auch die Wirksamkeit seiner Taten hoch einzuschätzen."

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Nach dem erschütternden Film "Der neunte Tag" begab sich Dr. Christoph Kösters, Bonn, auf eine historisch-biographische Annäherung an die Person Karl Leisners. Dabei beleuchtete er Leisner als einen Exponenten der katholischen Jugendbewegung mit den alltäglichen Schikanen und Einschüchterungen, die er erleben musste, seine Entscheidung zum Priestertum und seine Leidenszeit im KZ. "Ich möchte vorschlagen, nicht von religiösem Widerstand, sondern von spiritueller Resistenz zu sprechen", fasste Kösters seine Annäherung an ein Märtyrerzeugnis zusammen. Vor der Eucharistiefeier mit Pfarrer Dr. Martin Thiele brachte Prof. Dr. Wilfried Hansmann mit Lichtbildern Karl Leisner in Bildnissen des Bildhauers Bert Gerresheim und sein Erinnerungsmal vor der Stifts- und Propsteikirche in Kleve den 42 Zuhörern näher. In seinem Vortrag wurden Beispiele für die Gleichsetzung Karl Leisners mit Simon von Cyrene in Gerresheims Kreuzwegen gezeigt, das "Portal der Versöhnung" und die "Kevelaerer Apokalypse" erklärt und schließlich die Stationen der Entstehung des Erinnerungsmals in Kleve vor Augen gestellt. "Mit jedem Schritt seiner Erkundung ging der Künstler gedanklich auf den leidenden Christus zu, dem Karl Leisner sich im Glauben bis hin zu Tod und Auferstehung verbunden wusste", sagte Prof. Wilfried Hansmann.

(RP)