1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Studie: Im Kreis Kleve fehlen günstige Wohnungen

Studie : Im Kreis fehlen günstige Wohnungen

Das Institut Inwis hat im Auftrag des Kreises Kleve den Wohnungsmarkt in der Region untersucht. Die Experten fordern, dass mehr kleine und preiswerte Wohnungen gebaut werden. In Kleve ist der Bedarf am größten.

Aller Orten hört man Klagen über mangelnden Wohnraum. Der Kreistag wollte es genau wissen und beauftragte ein Institut mit der Erstellung einer Wohnungsmarktstudie für den Kreis Kleve. Im Kreistag trugen nun Torsten Bölting und Marcel Peiß vom Institut InWis die Ergebnisse ihrer Untersuchung vor. Diese sind eher ernüchternd.

Die Experten haben festgestellt, dass die Bevölkerung im Kreis Kleve stetig wächst. Von 2012 bis 2016 ist die Einwohnerzahl in allen 16 Kommunen zusammen um 2,8 Prozent gestiegen; für 201 bis 2030 prognostiziert InWis, basierend auf den Daten von IT.NRW, ein Wachstum von weiteren 2,7 Prozent.Bisher waren die Kommunen mit besonders starkem Wachstum Kranenburg und Kleve. Für Kranenburg und Weeze sagt das Institut auch bis 2030 einen weiteren starken Anstieg der Einwohner voraus. In Rees, Uedem und Kerken ist laut InWis hingegen mit einem Rückgang der Bevölkerung zu rechnen.

Vor allem ältere Menschen wird es in Zukunft immer mehr geben. Nach den Berechnungen des Instituts steigt die Anzahl der 65 bis 75-jährigen innerhalb von 14 Jahren um 53,8 Prozent. Marcel Peiß: „Das ist ein Hinweis auf einen hohen Bedarf nach seniorengerechten und preisgünstigen Wohnungen.“ Auch der Anteil der Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) ist laut Studie von 2013 bis 2017 in fast allen Kommunen (außer in Weeze und Issum) gestiegen.Das lasse den gleichen Schluss zu.

InWis hat sich auch angeschaut, welche Wohnlagen auf einem führenden Internetportal am meisten nachgefragt wurden. Demnach gab es in Goch, Kevelaer und  Geldern die meisten Klicks bei Mietwohnungen.Die kreisweit meisten Angebote gab es in Kleve (1150), Geldern (400) und Straelen (250), weniger als 100 in Bedburg-Hau, Kranenburg, Rheurdt, Uedem, Wachtendonk und Weeze. Hohes Interesse besteht vor allem an kleinen und/oder preisgünstigen Wohnungen. Bei Wohneinheiten ab Baujahr 2015 liegen die durchschnittlichen kommunalen Angebotspreise im Kreis Kleve bei 8,20 Euro pro Quadratmeter. Kleine Wohnungen haben Angebotspreise bis zu 13 Euro je Quadratmeter.

Für Eigentumswohnungen gibt es im Kreis Kleve einer eher kleinen Markt. Der durchschnittliche Angebotspreis liegt kreisweit bei 1695 Euro pro Quadratmeter, in Kalkar, Straelen und Issum bei mehr als 2000 Euro. Ein sehr niedriges Niveau bescheinigt InWis dem öffentlich geförderten Geschosswohnungsbau. Von 2008 bis 2017 hat es etwa in Rheurdt und und Wachtendonk keine einzige Baubewilligung und keinen fertig gestellten Geschosswohnungen gegeben. In Kalkar, Kerken und Weeze wurden im gleichen Zeitraum zwar Bewilligungen erteilt, aber ebenfalls keine Bauten errichtet. InWis rechnet damit, dass der öffentlich geförderte Mietwohnungsbestand bis 2030 stark zurückgeht, falls es keine neuen Förderungen gibt: Der Hintergrund: Nach 20 Jahren fallen Wohnungen aus der Förderung heraus. Diese Wohnungen werden in der Regel dann saniert und kommen dann zu hohen Preisen  auf den Markt. Der vom Institut errechnete Rückgang beträgt in Kleve 20,3 Prozent, in Wachtendonk und Weeze rund 65 Prozent und in Uedem 70,6 Prozent.Der Bedarf an öffentlich geförderten Wohnraum werde im gleichen Zeitraum hingegen stark steigen, so die Experten.

Auf dem ehemaligen Kasernengelände in Emmerich entstehen auch Wohnungen. Doch an Baugebieten mangelt es der Stadt insgesamt. Foto: Markus van Offern (mvo)

Insgesamt sieht InWis bis 2030 einen Gesamtbedarf von rund 20.400 Wohneinheiten, davon am wenigsten in Uedem, Kerken und Issum, am meisten in Straelen, Weeze, Emmerich am Rhein und (mit Abstand) in Kleve. Weil es laut dem Institut nur wenige Akteure, die öffentlich geförderte Mietwohnungen errichten, gibt, fordert InWis, dass die Wohnungsbaugesellschaft des Kreises Kleve (KKB) ihr Tätigkeit ausweitet. Auch alle Kommunen sollten nach Ansicht des Forschungsinstituts den Wohnungsneubau forcieren und dabei den Schwerpunkt auf den Geschosswohnungsbau legen.