Streit um Schadstoff-Gutachten

Kleve : Streit um Schadstoff-Gutachten

Jetzt teilte die Stadt Kleve das Ergebnis der zweiten Messung an der Grundschule An den Linden mit. Demnach werden alle Richtwerte unterschritten. Elternsprecher erkennen das Gutachten nicht an. Kritik kommt auch von der FDP.

Um die an der Grundschule an den Linden gefundenen Schadstoffe, die in hoher Konzentration krebserregend sein können, ist ein Streit entbrannt. Am Dienstag teilte die Stadt das Ergebnis der jüngsten Messung an der Schule mit. Demnach werde alle Richtwerte, die so genannten Vorsorgewerte, unterschritten. Stef Muchenisch und Max Knippert, die Elternsprecher der Grundschule, zweifeln das Gutachten jedoch an und werfen der Verwaltung vor, dass sie „den Ernst der Lage“ nicht anerkennen würde. Unterstützung für die Elternsprecher kommt von der FDP-Ratsfraktion.

Der Hintergrund: Anfang Januar, hatte ein Lehrer über Geruchsbelastungen in einem Klassenraum geklagt. Die Stadt Kleve als Schulträgerin schaltete eine Fachfirma ein. In dem untersuchten Klassenraum stieß der Gutachter am 18. April auf einen Parkettkleber, der so genannte Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffverbindungen (PAK) an die Raumluft abgibt, wenn er freigesetzt wird. Genau das war wohl bei den vorangegangenen Sanierungsmaßnahmen passiert. Der Gutachter ermittelte einen Messwert von 18 Milligramm pro Kilo. Nach der ersten Messung erläuterte der Technische Beigeordnete Jürgen Rauer, dass es ab 10 Milligramm pro Kilo „bei Einzelnen zu Unwohlsein kommen“ könne. Dann gebe es noch einen zweiten Grenzwert von 30 Milligramm pro Kilo, bei dem akute Gesundheitsgefahren drohen und ein erhöhtes Krebsrisiko bestehe. Bei der in dem Klassenraum festgestellten Konzentration gebe es keine unmittelbare Gesundheitsgefahr, so Rauer damals. Dennoch beauftragte die Stadt ein weiteres Gutachten mit Nachmessungen.

Dessen Ergebnis übermittelte die Stadt am Dienstag so: „Das beauftragte Sachverständigenbüro Mokroß aus Haan-Gruiten hat in seinem zweiten Gutachten zur Untersuchung der Innenraumluft PAK in drei Räumen der Grundschule festgestellt, dass alle Richtwerte (Vorsorgewerte) unterschritten werden. Es besteht hinsichtlich flüchtiger PAK kein Handlungsbedarf.“ Vorausgegangene Maßnahmen wie Lüftung, Reinigung und eine zusätzliche Versiegelung des Parketts seien erfolgreich gewesen. Gleichwohl wolle die die Verwaltung noch weitergehende Maßnahmen prüfen.

Die Elternsprecher Stef Muchenisch und Max Knippert wollen sich damit nicht zufrieden geben. In einem offenen Brief kritisieren sie Bürgermeisterin Sonja Northing. „Vor den Osterferien haben Stef Muschenich und ich als Elternvertreter ,Sofortmaßnahmen’ – bis zur restlosen Entfernung aller PAK Quellen – gefordert, die noch immer nicht umgesetzt wurden. Das ist jetzt drei Wochen her. Mit Verlaub, Frau Northing, diese Maßnahmen umzusetzen bzw. anzuordnen, müsste durch wenige Telefonate praktisch in Echtzeit möglich sein!“, schreibt Knippert. Die geforderten Sofortmaßnahmen seien „maximales Lüften“ rund um die Uhr, tägliches Wischen aller Oberflächen in den betroffenen Räumen und Aufstellen von Raumluftfiltern in allen Räumen mit altem Parkettboden.

Knippert schreibt weiter: „Ich möchte stellvertretend für die Eltern schon jetzt ohne die zweiten Messung zu kennen, die Werte in Frage stellen, da nachweislich und dokumentiert am Tag vor der Messung alle Fenster der Grundschule [...] offen waren und folglich aufgrund dieser Lüftungsaktion die Messergebnisse mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niedriger gewesen sind, als sie im schulischen Alltag sind.“ Deshalb fordern die Elternvertreter jetzt eine erneute Messung, und zwar unter der Voraussetzung, dass die Fenster wie an normalen Wochenenden drei Tage geschlossen sind. Obwohl die Ergebnisse der zweiten Messung, so Knippert, der Stadt bereits am 2. Mai vorgelegen hätten, werde das Thema erst heute öffentlich im Ausschuss diskutiert. „Zusammenfassend muss [...] leider festgestellt werden, dass die Verwaltung dem Ernst der Lage nicht angemessen Rechnung trägt“, so Knippert.

Die FDP-Fraktion kann die Verärgerung der Elternsprecher nachvollziehen. „Nur bei vorheriger gründlicher Durchlüftung ist eine PAK-Belastung innerhalb der Grenzwerte gewährleistet. Eine solche Durchlüftung ist allerdings im Alltag nicht immer zu gewährleisten“, sagt Fraktionschef Daniel Rütter. Ebenso wie Knippert und Muchenisch fordert auch die FDP, die PAK-haltigen Parkettböden so schnell es geht zu entsorgen und durch schadstofffreie Bodenbeläge zu ersetzen. Zudem fordern die Liberalen eine Untersuchung aller Schulen mit Böden „welche eine PAK-Belastung vermuten lassen wie die in der Sanierung befindliche Montessorischule.“

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