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Kranenburg: Streiche in der Nachkriegszeit

Kranenburg : Streiche in der Nachkriegszeit

Josef Braam besuchte die Katholische Volksschule Kranenburg. Bei schlechtem Wetter durfte er für zehn Pfennig mit der Straßenbahn fahren. Das galt aber nur für die Hinfahrt – zurück konnte der heute 74-Jährige ja nass werden.

Josef Braam besuchte die Katholische Volksschule Kranenburg. Bei schlechtem Wetter durfte er für zehn Pfennig mit der Straßenbahn fahren. Das galt aber nur für die Hinfahrt — zurück konnte der heute 74-Jährige ja nass werden.

 Josef Braam mit Tellus-Lesebögen als Ersatz für ein Lesebuch. Die Lesebögen kamen Anfang der 50er Jahre heraus.
Josef Braam mit Tellus-Lesebögen als Ersatz für ein Lesebuch. Die Lesebögen kamen Anfang der 50er Jahre heraus. Foto: Gottfried Evers

Josef Braam aus Kranenburg muss schmunzeln, wenn er sich an seine Schul-Kurierdienste erinnert: "Mitteilungen von Schulräten oder Schulbehörden wurden in den Nachkriegsjahren für die Gemeinde Kranenburg ausschließlich an Hauptlehrer Wilhelm van Lier gerichtet. Er musste dafür sorgen, dass alle Schulen in der Gemeinde über den Inhalt informiert wurden. Seine Frage war: 'Wer von euch hat ein Fahrrad und ist damit zur Schule gekommen?' Die wenigen, die ein Fahrrad hatten, wurden im Wechsel losgeschickt, um die Schulleiter in Wyler, Zyfflich, Nütterden oder Frasselt die Mitteilung lesen und bestätigen zu lassen. Wiederholt habe ich mit meinem Vollgummirädchen diesen Kurierdienst ausgeführt."

Der heute 74-Jährige wurde am am 1. September 1943 in die Katholische Volksschule Kranenburg eingeschult. Von September 1944 bis Mai 1945 gab es im Harz, wohin Josef Braam evakuiert worden ist, bedingt durch Fliegeralarm nur unregelmäßigen Unterricht. Nach der Rückkehr aus der Evakuierung im Mai und Juni 1945, mit Beginn des 2. Schuljahres, besuchte Braam wieder seine alte Schule in Kranenburg.

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Nach Vollendung des 8. Schuljahres im März 1952 wurde der Kranenburger aus der Schule entlassen. Ab 1. Juli 1952 absolvierte er eine Lehre im Groß- und Außenhandel bei der Firma "Zwaan & Co's u. Komp., Delfter Marktgärtner- und Samenzucht GmbH. Kleve, Spyckstr. 65". "Im 1. Schuljahr hatten wir Fräulein Ingenhorst aus Donsbrüggen als Lehrerin. Sie kam immer mit der Straßenbahn aus Donsbrüggen", erzählt Josef Braam.

"Nach dem Krieg wurden wir von Fräulein Ramrath und Fräulein Winkel und ab dem 5. Schuljahr von Hauptlehrer van Lier unterrichtet." Den Schulweg musste der Schüler zu Fuß zurücklegen. Nur bei schlechtem Wetter durfte er für zehn Pfennig mit der Straßenbahn fahren und zwar von Föns Drissen bis Milchhandel Boot. Das galt aber nur für die Hinfahrt — zurück konnte man ja schließlich nass werden. Ab dem 6. Schuljahr bis zur Entlassung 1952 wurden die Jungen zusammen mit dem 7. und 8. Schuljahr in einem Klassenraum unterrichtet.

Wenn der Lehrer die Hausaufgaben der 6. Klasse kontrollierte, konnten in dieser Zeit die Schüler der 7. und 8. Klasse Versäumtes noch schnell nachholen. Die Lieblingsfächer von Josef Braam waren Rechnen, besonders Kopfrechnen, Raumlehre und Leibesübungen.

Diese Fächer kamen ihm später in seiner Zeit als langjähriger Buchhalter bei der Firma Akkerman und als aktiver Fußballer und Hauptkassierer beim TuS 07 Kranenburg zugute. "Direkt nach dem Krieg standen nur wenig Klassenräume zur Verfügung, da die Schule im Krieg stark beschädigt wurde", berichtet er. Dass es dennoch eine schöne Schulzeit war, belegen die "harmlosen" Streiche der Schüler.

(stw)