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Kreis Kleve: Strahlen in Straelen: wenig Strahlen

Kreis Kleve : Strahlen in Straelen: wenig Strahlen

Die Bundesnetzagentur hat in den vergangenen acht Jahren an 22 Punkten im Kreis Kleve die Belastung durch elektromagnetische Felder gemessen. Unsere Übersicht zeigt: Überall lagen die Resultate weit entfernt von den zulässigen Grenzwerten. Allerdings sind die Höchstgrenzen umstritten.

Percy Spencer hat die Mikrowelle in seiner Hosentasche erfunden. Der Ingenieur entwickelte in den 40er Jahren Radaranlagen für das Unternehmen Raytheon. Während er an einem aktiven Radar arbeitete, spürte er ein seltsames Gefühl am Bein, griff in die Hosentasche und merkte, dass sein Schokoriegel zu schmelzen begonnen hatte. Das Phänomen hatten auch andere vor Spencer schon entdeckt, aber der Mann aus Howland im US-Bundesstaat Maine war der Erste, der die Erkenntnis „Mit Mikrowellen ließ sich Essen schnell erwärmen“ praktisch umsetzte. 1946 ließ er den ersten Mikrowellenofen patentieren, ein Jahr später entstand das erste Gerät. 1,80 Meter hoch und 340 Kilogramm schwer.

So amüsant die Geschichte klingt, so gefährlich sind die damit verbundenen physikalischen Kräfte. Funkanlagen strahlen elektromagnetische Strahlung aus, je nach Größe der Anlage so viele und hochfrequentierte, dass derjenige, der seine Hand in die Wellenbahn hält, das Gefühl hat, auf eine heiße Herdplatte zu fassen – oder eben in die Mikrowelle. Die Bundesnetzagentur kontrolliert deshalb nicht nur, ob Telekom, Bahn und Post sich den Markt fair mit ihren Konkurrenten teilen, sondern auch, ob Bürger durch Funkantennen gesundheitlich gefährdet werden. In den vergangenen acht Jahren hat die Behörde in allen 16 Kommunen des Kreises Kleve die Belastung durch Elektromagnetische Felder (EMF) gemessen. Das Ergebnis fällt beruhigend aus. An keinem der 22 Messpunkte erreicht die Belastung auch nur ein Prozent des zulässigen Grenzwerts. Am Niederrhein strahlt offenbar vor allem die Sonne. Allerdings sind die Höchstgrenzen, die hier gelten, keineswegs unumstritten.

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Die Ingenieure der Bundesnetzagentur messen in zwei Frequenzbereichen: zwischen einem Hertz und 10 Megahertz sowie zwischen 100 Kilohertz und 300 Gigahertz. Felder mit niedrigen Frequenzen treten über all dort auf, wo elektrische Energie erzeugt, transportiert oder genutzt wird, durch Elektrogeräte, Lampen und Kabel im Haus sowie Strom- oder Eisenbahnleitungen draußen. Solche Felder können im Körper schädliche Ströme auslösen, die im schlimmsten Fall bis zu Herzkammerflimmern führen. Auch Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen zählen zu den möglichen gesundheitlichen Folgen niederfrequenter Felder.

Während das Bundesimissionsschutzgesetz in Deutschland einen Grenzwert von 100 Mikrotesla (Einheit für die magnetische Flussdichte) definiert, legen andere Behörden wesentlich mehr Wert auf Vorsorge. In Schweden liegt die Höchstgrenze zum Beispiel bei 0,2 Mikrotesla. Im Kreis Kleve liegen die Ergebnisse für die niederfrequenten Felder alle weit ab des Maximalwertes. 0,221 Prozent in Kranenburg bilden das höchste Ergebnis, das den schwedischen Grenzwert übertrifft. Baubiologen raten dort wie hier dazu, Radiowecker, Fernsehgeräte oder Heizdecken aus dem Schlafzimmer zu verbannen.

Hohe Frequenzen treten vor allem dort auf, wo Informationen drahtlos übermittelt werden, also bei Fernsehen, Radio, Handys oder schnurlosem Internet. Die Felder machen sich – wie im Fall von Percy Spencer – vorrangig durch Wärme bemerkbar. Entsprechend weit ragen auch hier die Grenzwert-Forderungen besorgter Menschen auseinander. Die Zahlen differieren um das 10 000-fache.

Nach den Grundlagen der Bundesnetzagentur gibt es im Kreis Kleve auch bei hochfrequenten Feldern keinen Anlass zur Sorge. Das höchste Messergebnis verzeichnete die Behörde in Goch (0,325 Prozent des Maximalwertes), das niedrigste gab es in Weeze (0,00039 Prozent).

Menschen, die sich an den höheren Standards orientieren, finden auf dem Markt ebenso viele effektive wie zweifelhafte Produkte, um sich zu schützen. Baubiologen empfehlen, die Strahlung mit Unterputz-Abschirmgittern, Fensterfolien oder Abschirmtextilien zu vermindern. Im Haus raten sie dazu, Schnurlos-Telefone in einen Abschirmschlauch „einzupacken“ oder gegen strahlungsarme Telefone auszutauschen. Computer und deren Zubehör sollten nach Möglichkeit mit Kabeln verbunden werden und nicht per Funk. Mikrowellen sollen regelmäßig auf Lecks untersucht werden. Satellitenschüsseln gelten dagegen als unbedenklich, da sie Empfänger sind und deshalb keinerlei Strahlung abgeben.

Zu den dubiosen Hilfsmitteln zählen so genannte Abschirmmatten. Elektromagnetische Felder lassen sich nur abschirmen, wenn sich das abschirmende Material zwischen Quelle und Betroffenem befindet. Da die Abschirmmatten aber als Unterlage zum Einsatz kommen und die Elektromagnetischen Felder sich gleichmäßig in alle Richtungen ausbreiten, helfen die Matten nicht. Es gibt sogar Untersuchungen, die zeigen, dass die Abschirm-Matten die Felder verstärken.

Percy Spencer hätte womöglich eine Lösung gewusst. Denn auch nachdem er die Mikrowelle erfunden hatte und in den Vorstand seines Arbeitgebers Raytheon aufgestiegen war, ruhte sein Erfindergeist nicht. Bis zu seinem Tod im Jahr 1970 reichte er rund 300 Patente ein.

(RP)