Kleve: Stolpersteine werden am Klever Bahnhof verlegt

Kleve: Stolpersteine werden am Klever Bahnhof verlegt

Im November 2016 hat der Verein "Haus der Begegnung - Beth HaMifgash" in Zusammenarbeit mit der Stadt Kleve mit der Verlegung von so genannten Stolpersteinen für ehemalige Bürger der Stadt Kleve, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden, begonnen. 54 Stolpersteine hat der Kölner Künstler Gunter Demnig seitdem in der Schwanenstadt ins Pflaster eingebracht. Am Freitag, 20. April, werden die Steine Nummer 55 bis bis 67 hinzukommen.

Die Aktion "Stolpersteine" wurde 1992 von Demnig gestartet und ist inzwischen in zahlreichen deutschen und anderen europäischen Städten realisiert worden. "Die Stolpersteine werden vor dem Haus verlegt, das als letzte freiwillig gewählte Wohnstätte vor Beginn der NS-Verfolgung bekannt ist. Durch sie werden die Namen der einstigen Bewohner wieder in das Gedächtnis der Stadt zurückgeholt", erläutert die Klever Historikerin Helga Ullrich-Scheyda, die sich im Verein Mifgash engagiert, der die Aktion in Kleve organisiert.

Dieses Mal steht das Klever Bahnhofsviertel im Mittelpunkt. Am 20. April verlegt Demnig den ersten Stolperstein um 9 Uhr an der Pannofenstraße 12. Dort lebte bis 1935 das Ehepaar Cohen. Louis Cohen war Aufseher bei den van den Bergh's Margarinewerken und soll bei der Produktion der koscheren Margarine "Tomor" tätig gewesen sein. Um den Gewaltmaßnahmen der Nazis zu entgehen, zogen die Cohens in die Niederlande. 1942 wurden Louise und Louis Simon Cohen von der Stadt Westerbork aus ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Um 9.15 Uhr verlegt der Künstler einen Stolperstein an der Pannofenstraße 5. Dort wohnte die niederländische Familie Schaap. Von den fünf Familienmitgliedern überlebten nur zwei die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

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Begleitet durch Beiträge von Schülern des Berufskollegs Kleve wird Gunter Demnig um 9.35 Uhr einen Stolperstein für die Familie Kaufmann an der Herzogstraße 1 verlegen. Das Leben aller Familienmitglieder wurde in deutschen Vernichtungslagern ausgelöscht. Ab 10.10 Uhr wird der Familie Wolff mit Stolpersteinen gedacht. Sie lebte an der An der Bahnhofstraße 21. Angehende Geschichtslehrer vom Klever Seminar liefern Beiträge zum Gedenken.

Zur Abschlussveranstaltung ab 10.30 Uhr im Projektraum an der Bahnhofstraße 25 spricht Bürgermeisterin Sonja Northing. Ullrich-Scheyda hält einen Kurzvortrag zum Thema "Der Klever Bahnhof in nationalsozialistischer Zeit". Das Streichquartett Monika Lensing, Thomas Ruffmann, Verena Krauledat und Eva Maria Staudenmaier spielt Werke von Mendelssohn und Bryce Dessner. Alle interessierten Klever sind eingeladen, den Stolperstein-Verlegungen beizuwohnen.

(RP)