Steffi Neu berichtet aus Benin: Akouegnon, der Weisenjunge

Steffi Neu in Benin: „Er bleibt immer irgendwie unser Kind“

Unsere Autorin Steffi Neu besucht in Benin das Waisenhaus der „Aktion pro Humanität“. Für die RP berichtet sie von ihren Erlebnissen.

Akouegnon. Zwölf Jahre alt ist er jetzt. Guckt schüchtern um die Ecke des Waisenhauses. Als Annemarie ihn in den Arm nimmt, drückt, ist er zurückhaltend. Annemarie war seine Pflegemama in Deutschland, Hans Hermann sein Pflegepapa. Bei Familie Pieper aus Xanten hat Akouegnon ein halbes Jahr gelebt, weil er eine überlebensnotwenige Operation brauchte. Seine Blase lag außerhalb des Körpers, nässend, stinkend, der Junge konnte kein „Pipi“ machen, null Sozialkontakte, höchste Infektionsgefahr im Busch, Lebensgefahr. Akouegnon hat einen langen Leidensweg hinter sich. Hier im Waisenhaus von „Aktion pro Humanität“ (APH) lebt er jetzt, sicher. Und im Rahmen seiner Möglichkeiten gesund.

Die Piepers gehören seit langem zum medizinischen Team von APH. Hans Hermann, Kinderarzt. Annemarie, Intensivschwester. Die beiden haben vier Kinder. Und keine Scheu vor Verantwortung und Anpacken. Akouegnon damals wieder zurückgehen zu lassen nach Benin? „Selbstverständlich. Der Junge musste zurück, hier gehört er hin“, sagt Annemarie, und Hans Hermann meint: „Er kann durch den Penis nicht Wasser lassen, Stuhlgang, Urin, alles rektal. Und darum ist er für seinen Vater, für den Stamm kein Mann. Wird nie einer sein.“

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Nachdem Akouegnon zurück im Projekt war, darf er ein paar Wochen zu seiner Familie ins Dorf. Das hätte er fast nicht überlebt. Ob sein Vater einen Vodoo-Heiler engagiert hat? Vermutung. Kurz vor knapp wird der Junge nach Cotonou in die Klinik gebracht und gerettet. Seit dem steht fest. Nicht mehr zur Familie. „Die kann ihn gerne besuchen, auch seine Mutter, aber sie kommt selten“, sagt Annemarie. Akouegnon ist zurückhaltend, kein Balger, aber er lernt eifrig und gut. Seine einzige Chance als afrikanischer Junge, der nie eine eigene Familie gründen wird. Dass er gerne im Projekt in Gohomey Sozialarbeit machen würde, erzählt er mir. Auf Französisch. Dass er auch Deutsch kann, konnte, fällt ihm zwischendurch ein, wenn er mit Annemarie Zeit allein verbringt.

Zweimal haben die Piepers Akouegnon jetzt getroffen, seit er nicht mehr am Niederrhein ist. „Er ist klein, und wird auch nicht viel wachsen“, sagt Hans Hermann. Nach der Grundschule in Gohomey wird er in ein Internat gehen oder in ein Mönchskloster, die Jungen wie ihn aufnehmen. „Wir kümmern uns weiter um ihn, um Schule, Ausbildung, denn er bleibt immer irgendwie unser Kind“, Annemarie sagt´s. Und geht wieder in den OP. Anpacken. Nicht Hadern. Hut ab.

(RP)