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Stadtrat Kalkar soll Bebauungsplan für besonderes Gewerbe ändern

Gewerbegebiet : Bordellbetrieb nahe der Kirche?

Um zu verhindern, dass sich im Gewerbegebiet Kehrum in der Nähe von Wohnhäusern und Spielplatz ein Bordell ansiedelt, will die Stadt Kalkar den Bebauungsplan ändern. Nur ein Aufschub?

Im Bereich Uedemer Straße/Bruchweg gibt es ein Haus, das bisher ein Übersetzungsbüro beherbergte, künftig aber nach dem Wunsch des Eigentümers zur „Prostitutionsstätte“ werden soll. Damit ist die Stadtverwaltung nicht einverstanden und hofft, dass die Kommunalpolitiker, die sich am heutigen Donnerstagabend zur Ratssitzung treffen, die Situation ähnlich einschätzen.

Wobei: So einfach verhindern lässt sich ein solches Projekt nicht. Das  Gewerbegebiet Kehrum weist bislang für den genannten Eckbereich ein Mischgebiet sowie Gewerbeflächen aus. Unterschiedliche Arten von Gewerbebetrieben haben sich dort angesiedelt. Eben auch Dienstleister. Der Stadt Kalkar liegt nun ein Antrag zur Nutzungsänderung eines Übersetzungsbüros in eine Prostitutionsstätte vor. Das Haus mit dem betreffenden Gebäudeteil liegt allerdings im Gewerbegebiet – und um ein Gewerbe handelt es sich bei einem Bordellbetrieb zweifelsfrei und nicht etwa um eine Vergnügungsstätte, wie man ja auch meinen könnte. Die Zulässigkeit der Nutzungsmöglichkeiten ist deshalb bisher nicht eingeschränkt, erklärt Stadtbaurat Fank Sundermann. Aus Sicht der Stadtverwaltung werde der Antrag allerdings kritisch gesehen, denn eine Prostitutionsstätte passe nicht in den Charakter des Gebiets. Im Norden und Westen schließe sich zusammenhängende Wohnbebauung an, außerdem sind Kirche und Spielplatz nicht weit. Gut vorstellbar, dass Kirchgängern und Eltern, die ihren Nachwuchs in der Nähe spielen lassen wollen, das Treiben in der Nachbarschaft nicht zusagen würde. „Da sind städtebauliche Spannungen zu erwarten“, schreibt die Verwaltung. Ein Bordellbetrieb widerspreche den angrenzenden Nutzungen, zudem sei zu befürchten, dass durch die Zulässigkeit des Etablissements und der damit verbundenen Außenwirkung nicht nur der Charakter des Ortsteils leiden, sondern auch dessen Image deutlich leiden würde.

Negative städtebauliche Entwicklungen sollen durch Planung verhindert werden, andererseits sei der vollständige Ausschluss von Prostitutionseinrichtungen im Sinne einer „Negativplanung“ im gesamten Stadtgebiet planungsrechtlich unzulässig. Die Änderung des Bebauungsplans soll bewirken, dass das  beantragte Vorhaben zumindest für ein Jahr zurückgestellt werden kann. Wie es danach weitergehen könne, dazu ist in der Vorlage der Verwaltung nichts zu lesen.

Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Ratssaal. Wichtigstes Thema ist der Planungsstand des integrierten Handlungskonzepts.