Kleve: Was Edward Snowden und Jan Hus gemeinsam haben

Kleve : Was Edward Snowden und Jan Hus gemeinsam haben

Der Titel "Edward Snowden begegnet Jan Hus" hatte offenbar Neugierde geweckt. Erst nachdem zusätzliche Stühle aufgebaut waren, konnte der 2. Vorsitzende des Fördervereins Kloster Graefenthal, Michael Urban, die Gäste in der großen Remise des Klosters begrüßen.

Fördervereinsmitglied Klaus van Meegen zeigte in seinem Vortrag zunächst ein Foto. Darauf zu sehen: Ein nächtlich geparkter Business-Jet mit geöffneter Tür an einem abseits gelegenen Ort auf einem Flughafen irgendwo in Deutschland. Ein Pärchen hatte beobachtet, wie zu nachtschlafender Zeit eine kleine Gruppe die Maschine verließ, eilig einen dunklen Wagen bestieg und wegfuhr. Sie waren sicher, dass einer der Personen Edward Snowden war. Alles klang so echt und war doch erfunden.

Van Meegen zeigte auf, wie denn die Situation hätte aussehen können, wenn denn tatsächlich dem Whistleblower Snowden freies Geleit zugesichert worden wäre und dieser in Deutschland vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss hätte aussagen können.

Genauso oder ähnlich stellte sich die Situation vor über 600 Jahren dar, als König Sigismund dem Reformer Jan Hus freies Geleit und Schutz versprach, damit dieser sich vor dem Konzil in Konstanz erklären könne. Wir alle wissen, es kam anders. Hus wurde vor Gericht gestellt und letztendlich auf einem Scheiterhaufen vor den Türen der Stadt Konstanz verbrannt.

Was haben nun Hus und Snowden, sieht man von dem Versprechen des freien Geleits ab, gemeinsam? Beide hatten zu ihrer Zeit ihrer Gesellschaft etwas Enthüllendes mitzuteilen. Mit trefflich gewählten Worten und einer überzeugenden Klarheit in der Ableitung der Geschehnisse stellte der Referent das Leben von Jan Hus und ganz besonders dessen reformatorischen Einfluss auf die Kirchenlehre dar. Immer wieder zeigte van Meegen Parallelen zu Snowden, aber auch zu Papst Franziskus auf und stellte die Frage, welche Lehren wir aus den Geschehnissen des Mittelalters gezogen haben.

Der Förderverein hatte im letzten Veranstaltungsjahr wegen des Reformationsjubiläums Martin Luther in ganz besonderer Weise in den Mittelpunkt seiner Vorträge gestellt. Jan Hus zählte neben zum Beispiel Wycliff, Calvin oder auch Hieronymus von Prag zu Vordenkern dieser Reformationsbewegung.

Mit anhaltendem Applaus bedankten sich die vielen Gäste für diese gelungene Auftaktveranstaltung des Fördervereins. Michael Urban überreichte dem von einer starken Grippe gezeichneten Referenten, Klaus van Meegen, für sein beachtliches Durchhaltevermögen und den fesselnden Vortrag eine Flasche "Medizin" und entließ die Gäste.

(RP)