Sonderausstellung läuft in Groesbeek

In Groesbeek: Kommunisten im Widerstand

Das Nationaal Bevrijdingsmuseum in Groesbeek beschäftigt sich mit der turbulenten Geschichte des kommunistischen Widerstands gegen Faschismus und Kapital. Noch bis zum 28. Oktober dauert diese Sonderausstellung.

Das Jahr 2018 ist in den Niederlanden zum „Jahr des Widerstandes“ ausgerufen worden, in dem sich zahlreiche Museen mit Aktivitäten gegen die faschistische Besatzung auseinandersetzen. Passend dazu zeigt das Bevrijdingsmuseum Groesbeek 1944-1945 eine Wechselexposition zum Thema „Kommunisten im Widerstand“.

Schon vor dem deutschen Einmarsch organisierte sich in den Niederlanden die Kommunistische Partei der Niederlande (CPN). Bei den Wahlen warb sie mit dem Slogan „Antifaschisten wählt Kommunisten“. Mit dem Tag des Einmarsches von Nazi-Deutschland aber wurde die CPN zur Widerstandsorganisation im Untergrund. Die Partei blieb dennoch überaus aktiv. Die Kommunisten gingen unter anderem als Initiatoren des Februarstreiks in die Geschichte ein und organisierten die Aufnahme kommunistischer Flüchtlinge aus Deutschland. Das Malen von Graffiti, die Verbreitung von Plakaten, der Schmuggel und Gewalt gegen Besetzer und Kollaborateure gehörten zum Alltag der Untergrundkämpfer.

Wichtigstes Mittel des linken Widerstandes war die illegale Zeitung „De Waarheid“ (Die Wahrheit), mit der die Bevölkerung über die Situation an der Front informiert wurde. Nach dem Februarstreik gingen die Besatzer jedoch härter gegen die Widerstandskämpfer vor, infiltrierten CPN-Abteilungen und verhafteten allein zwischen 1940 und 1941 2000 Kommunisten. Gefangene wurden häufig gefoltert und im Anschluss in Konzentrationslager deportiert.

Nach der Befreiung war die Popularität der roten Widerstandsgruppen noch groß. Mit Beginn des kalten Krieges und durch den prosperierenden Antikommunismus wurden sie allerdings rasch als Feinde gesehen. Die Mitgliederzahl der CPN brach in der Folge ein: Hatte die Partei 1944 noch beinahe 60.000 Mitglieder, waren es 1960 nur noch etwa 10.000. Der beinahe bedeutungslos gewordene niederländische Kommunismus ging so ab 1989 in der Partei „GroenLinks“ auf, die bis heute fester Bestandteil der niederländischen Parteienlandschaft ist.

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Die Ausstellung zeigt in faszinierender Weise die Arbeit des kommunistischen Protestes auf. Die temporäre Ausstellung beschränkt sich auf eine Räumlichkeit, die schwach belichtet und im auffälligen Kontrast zum Rest des Museums steht. Das Thema wird mit einer Vielzahl von Textfeldern und beeindruckenden Ausstellungsgegenständen illustriert: Eine Stichwaffe des Tischlers und Kommunisten Karel Metz, ein Häftlingsanzug von Ab Lablans, der in Haarlem zu Beginn des Krieges verhaftet wurde und mehrere Lager überlebte, sowie eine bestickte blaue Jacke der Jüdin Nelly de Vries, die vor ihrer Inhaftierung die illegale Zeitung „De Vrije Katheder“ publizierte, sind beeindruckende Ausstellungsstücke. Eindrucksvoll ist auch die zentral platzierte Litfaßsäule mit 1100 Namen getöteter CPN-Mitglieder.

An den Gemäuern des Raumes stechen kommunistische Slogans hervor: „Nie mehr Faschismus“, „Wähle CPN“ und „Lies die Wahrheit“ sind mit weißer Farbe auf schwarzer Wand abgebildet. Zusätzlich begegnen die Besucher mehreren „Wussten Sie?“-Schildern, auf denen in Kurzform spannende Fakten wiedergegeben werden. Wer wusste schon, dass in vielen Gefängnissen die Wächter mit den Kommunisten sympathisierten und daher eine Gruppe Groninger Kämpfer bei einem Gefangenentransport „Die Internationale“ anstimmen durfte? Die Präsentation ist anschaulich und bietet einen Einstieg in die Welt der Marx-Anhänger während des Zweiten Weltkrieges. Die Bandbreite vom deutschen Kommunismus der Vorkriegszeit über den niederländischen Widerstand bis hin zum Status Quo der Links-Außen-Politik ist groß. Womöglich wäre eine engere Themenabgrenzung der Detailschärfe zuträglich gewesen. So erfährt der Besucher wenig über das Wesen der kommunistischen Ideologie und den Einfluss aus Russland; auch einzelne Personen werden kaum in den Vordergrund gerückt. Einzig Hannie Schaft, eine der fanatischsten Kämpferinnen und Beteiligte an zahlreichen Liquidierungen, wird konkret vorgestellt.

Dennoch ist die Präsentation eines bisher in der Öffentlichkeit wenig präsenten Elementes der Geschichte des zweiten Weltkrieges einen Besuch wert. Noch bis zum 28. Oktober währt die Sonderausstellung im Groesbeeker Traditionsmuseum. (Öffnungszeiten Mo.-Sa. 10-17 Uhr; So. 12-17 Uhr)