Kleve: Stadt sperrt Sprungtürme

Kleve : Stadt sperrt Sprungtürme

Im Sternbuschbad steht der einzige Zehn-Meter-Turm, den es im Kreis Kleve gibt. Nach Unfällen, die nach Sprüngen aus dieser Höhe passierten, wurde am Dienstag der 7,5-Meter-Turm und der "Zehner" von den Stadtwerken gesperrt.

Die Stadtwerke Kleve, Betreiber des Freizeitbads Sternbusch, haben gestern entschieden, den 7,5-Meter- und Zehn-Meter-Sprungturm zu sperren. Jürgen Kahl, Bereichsleiter der Stadtwerke und unter anderem zuständig für die Bäder, erklärte, dass voraussichtlich die gesamte Saison über die beiden Türme geschlossen bleiben. "Das Risiko ist uns zu hoch, wir schließen die beiden Türme auf unbestimmte Zeit", sagte Kahl gestern. Grund für die Sperrung ist, dass sowohl im Sternbuschbad als auch in umliegenden Schwimmbädern (die Rheinische Post berichtete gestern) die Zahl der schweren Verletzungen nach Turmsprüngen stark gestiegen ist.

"Der Respekt vor der Höhe fehlt", nennt Harald Reintjes (51), Schwimmmeister im Freizeitbad Sternbusch, einen Grund für die Verletzungen, die sich im Klever Bad beim Sprung vom Zehn-Meter-Turm ereignen. Seit mehr als 25 Jahren ist Reintjes für die Sicherheit im Bad mitverantwortlich. Mittlerweile schaut er immer sorgenvoller in den Himmel, wenn er die höchste Plattform des Bades freigegeben hat.

"So viele schwere Unfälle wie in diesem Jahr hatten wir noch nie", sagt der Schwimmmeister." Am vergangenen Wochenende verunglückte hier ein elfjähriges Mädchen aus den Niederlanden. Nach dem Sprung aus zehn Metern Höhe wurde sie mit Verdacht auf einen Wirbelbruch ins Krankenhaus eingeliefert. Ein 35-Jähriger war vor einigen Wochen ebenfalls vom "Zehner" gesprungen und falsch aufgekommen. "Der wollte zunächst keine Hilfe annehmen. Ihm würde nichts fehlen, sagte er, bevor er vorsichtshalber doch ins Krankenhaus ging. Er erkundigte sich noch, ob er noch einmal Eintritt zahlen müsse, wenn er gleich wiederkomme", erinnert sich Reintjes. Den Eintritt konnte er sich sparen. Der 35-Jährige wurde sofort operiert.

Der Turm im Sternbusch ist zweifellos eine Attraktion des Bades. Doch sind die Schwimmmeister jeden Tag froh, wenn bei Dienstende alle Springer ohne Beschwerden unten angekommen sind. "Der Zehn-Meter-Turm ist bei uns der Gefahrenpunkt Nummer 1 geworden", sagt Harald Reintjes. Zu den Unfallursachen gehöre auch, dass immer mehr Untrainierte den Absprung vom höchsten Punkt des Bades wagen. "Der Nachwuchs vor 20 Jahren war einfach besser trainiert. Heute fehlt vielen die Körperspannung, um so einen Sprung sauber ins Wasser zu bringen", erklärt der Schwimmmeister. Oft sieht Harald Reintjes Jugendliche, die schon vom Fünf-Meter-Brett Probleme haben, sauber zu springen und dennoch auf die doppelte Höhe hochklettern. Einmal habe er einem Mädchen verboten zu springen, da er bereits bei niedrigeren Höhen gesehen habe, wie viel Schwierigkeiten die Springerin hatte. "Da hatte ich später die Mutter am Telefon, die sich darüber beschwerte, dass ich ihrem Kind verboten hätte, vom Zehner zu springen", erinnert sich Reintjes, der erklärt, dass jeder Springer die Verantwortung selbst trage.

In der Regel sind das Ein- und Drei-Meter-Brett ständig abwechselnd im Sternbuschbad geöffnet. Nachdem zunächst die Fünf-Meter-Plattform freigegeben wird, arbeitet man sich über 7,5 Meter auf die 10 Meter weiter nach oben. Für etwa jeweils 20 Minuten werden die einzelnen Höhen freigegeben.

Harald Reintjes hat ihn trotz der Jahrzehnte am Beckenrand noch nicht verloren, den Respekt vor der Höhe: "Vom Fünfer springe ich noch. Mehr mache ich nicht. Ich muss es keinem mehr beweisen."

(RP/jco)