Yara Scheel hat sich für die Voltigier-WM qualifiziert

Voltigieren : Yaras Glück auf dem Rücken der Pferde

Die 12-jährige Yara Scheel aus Pfalzdorf voltigiert für den RSV Neuss-Grimlinghausen. Sie löste nun das Ticket zur Weltmeisterschaft.

Yara Scheel ist ein aufgewecktes junges Mädchen. Wenn sie über ihr größtes Hobby spricht, verwendet sie Begriffe wie „Verantwortung“, „Dankbarkeit“ und „Vertrauen“. Ungewöhnlich für eine 12-Jährige. Auch sportlich ist Yara überdurchschnittlich gut: Im Voltigier-Sport gilt sie als eines der größten Talente am Niederrhein, nun führt ihr Können sie gar zur Weltmeisterschaft im niederländischen Ermelo. „Mit der WM-Qualifikation habe ich mein bisher größtes Ziel erreicht. Ich bin richtig stolz“, sagt Yara. Beim Voltigieren werden akrobatische Übungen auf einem galoppierenden Pferd ausgeführt. Yara hat sich auf das Gruppenvoltigieren spezialisiert, bei dem gleich drei Sportler auf dem Ross turnen. Dabei gibt es strikte Vorgaben bezüglich der zu turnenden Elemente, ihrer Reihenfolge und der optimalen Ausführung. Klassische Bewegungen aus der Pflicht sind die Mühle, die Fahne, der Grundsitz, die Schere und der sogenannte Vorwärtsschwung.

Im Alter von sechs Jahren begann Yara mit dem Reiten. „Doch dann hieß es: Man braucht ein eigenes Pferd“, sagt sie. Daher orientierte sie sich um, ihre Tante führte sie zum Voltigieren. Rückblickend war das die richtige Entscheidung. Immerhin, so sagt es Yara, sei das Turnen auf dem Pferd nicht so langweilig wie das bloße Reiten. Doch Yara entwuchs schnell dem hiesigen Breitensport. „Wer das Voltigieren leistungsorientiert betreiben will, darf nicht im Kreis Kleve bleiben. Wir mussten uns in Richtung Neuss oder Köln orientieren“, sagt Vater Gordon Scheel.

So kam es dann auch. Yara Scheel trat dem Reitsportverein Neuss-Grimlinghausen bei. Doch das Hobby ist zeitaufwendig: Vier Mal in der Woche trainiert das Nachwuchstalent. „Die Trainingseinheiten dauern meistens drei bis vier Stunden. Dazu kommt die zweistündige Autofahrt. Mitunter ist das schon extrem“, sagt Gordon Scheel. So kennen er und seine Frau beinahe jedes Geschäft und jede Eisdiele in der Neusser Innenstadt. Irgendwie müsse man sich die Zeit ja vertreiben. Zu den Trainingseinheiten kommen zudem die Turniere am Wochenende. Glücklicherweise spielt Yaras jüngerer Bruder Aaric Fußball. „Das Hobby ist natürlich weniger zeitaufwendig”, sagt Mutter Joke.

Yara Scheel (12) gilt als eines der größten Talente am Niederrhein. Foto: Evers, Gottfried (eve)

„Dieses Pensum wäre auch kaum zu schaffen, wenn Yaras Schule uns nicht unterstützen würde. Schließlich beginnen viele Wettkämpfe schon am Donnerstag oder Freitag”, sagt Gordon Scheel. Diese führen die Familie quer durchs Land und gar über die Grenzen hinweg. Yara hat im Dialog mit ihrer Schule, dem Gymnasium in Goch, ein gewichtiges Argument auf ihrer Seite. Mit einem Notendurchschnitt von 1,8 ist sie nämlich eine gute Schülerin. „Wir sind der Meinung, dass Sport schlau macht“, sagt ihr Vater. Yara selbst, so sagt sie, sei ihren Eltern „unendlich dankbar“, dass sie so viel Zeit in sie investieren. “Manchmal, da bin ich ganz ehrlich, ist es auch für mich hart. Wenn man spät abends nach dem Wintertraining nach Hause kommt, hat man auch schon mal keine Lust mehr. Aber diese Stimmung verfliegt schnell wieder”, sagt Yara. Das Voltigieren ist jedoch nicht nur zeitaufwendig. Auch Sponsoren seien dringend notwendig, sagt Mutter Joke. Schließlich sind die Anreise und die Hotelaufenthalte während der Turniere kostenintensiv. „Wenn man für eine Fußballmannschaft jemanden sucht, der einen Trikotsatz bezahlt, genügt meistens ein Anruf. Dem Voltigieren fehlt häufig diese Lobby“, sagt Joke. Noch wichtiger für Yaras Sport aber: Höhenangst ist tabu. Immerhin ist ihr Pferd “Smarti” 1,80 Meter hoch. Doch gelegentliche Stürze lassen sich nicht vermeiden. “Sie hat manchmal am ganzen Körper blaue Flecken. Daher nennen wir sie scherzhaft auch die Leitplanke”, sagt ihr Vater. Auch das Vertrauen in ihre Teamkollegen müsse blind sein. Immerhin halten diese Yara tragend in der Luft. So arbeitet man über einen längeren Zeitraum mit den gleichen Protagonisten in der Mannschaft zusammen. „Und ich habe richtig gute Kollegen“, sagt Yara. Und die Mühen zahlen sich aus: Im vergangenen Jahr wurde sie bereits mit ihrem Team Rheinische Meisterin, bei den Deutschen Meisterschaften war sie mit von der Partie, vor einigen Wochen räumte sie auch beim “Preis der Besten” ab. Die Folge: Bundestrainerin Ulla Ramge nominierte ihr Aufgebot für die Weltmeisterschaft – als einziges deutsches Nachwuchs-Team. Nun geht es vom 24. bis 28. Juli in Ermelo unter der Regie von Trainerin Pauline Riedl um eine gute Platzierung. Doch Yara sagt: „Wir sind schon glücklich, überhaupt dabei zu sein. Nur das war unser Ziel. Aber wir wissen, dass die Kür unsere Paradedisziplin ist.“ In ihrer Gruppe ist sie das jüngste Mitglied, das älteste ist 17 Jahre alt. Beim Voltigieren gibt es verschiedene Rollen: den Unter-, Mittel- und Obermann. Yara turnt ganz oben. „Da fühle ich mich auch am wohlsten“, sagt sie.

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