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Voltigieren: Yara Scheel feiert WM-Coup im niederländischen Ermelo

Voltigieren : Yara Scheel feiert WM-Coup im niederländischen Ermelo

Die Zwölfjährige aus Pfalzdorf gewinnt mit ihrem Team vom RSV Neuss-Grimlinghausen.

Hinter Yara Scheel liegt ein turbulentes Wochenende. Ein Wochenende, an dem sie nur schwer erreichbar war – für ihre Eltern, ihren Bruder Aaric und unsere Redaktion. Doch das hat einen guten Grund: Streng durchgetaktet war ihre Zeit nämlich bei der Voltigier-Weltmeisterschaft im niederländischen Ermelo. Zwei Tage lang dauerte das internationale Turnier der Voltigier-Weltelite, von morgens bis abends duellierten sich elf Teams in Yaras Junioren-Altersklasse. Dazu kamen zahlreiche repräsentative Funktionen, Fototermine und, wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe: die vollumfängliche Umsorgung des Pferdes „Smarti“. Yara selbst startete für den renommierten Reitsportverein Neuss-Grimlinghausen. „Es war ein wahnsinnig aufregendes und emotionales Wochenende. Was dieser Triumph für uns bedeutet, kann ich jetzt noch gar nicht abschätzen. Das muss man erst einmal sacken lassen. Dafür werde ich wohl noch einige Wochen brauchen“, sagt die Gocher Gymnasiastin.

Seit ihrem sechsten Lebensjahr turnt Yara auf dem Rücken der Pferde, einige Jahre schon im Dress des Neusser RSV. Bis zu vier Mal in der Woche bringen ihre Eltern sie dorthin (die RP berichtete vor einigen Wochen ausführlich). „Die Trainingseinheiten dauern meistens drei bis vier Stunden. Dazu kommt die zweistündige Autofahrt. Mitunter ist das schon extrem“, sagt Vater Gordon Scheel. Doch der Erfolg gibt ihnen Recht: Seit Monaten schon befindet sich Yaras Team auf Erfolgskurs. Bei den Deutschen Meisterschaften waren sie dabei, den “Preis der Besten” gewannen sie, es folgte die Nominierung zur Junioren-Weltmeisterschaft im niederländischen Ermelo. Yara ist auf dem 1,80 Meter hohen Gaul Smarti als sogenannter „Obermann“ unterwegs, wird also von ihren Teamkollegen in die Luft gehoben. Ihr Aufgebot besteht aus zehn Sportlerinnen und Sportlern, die nun unter der Regie von Vereinsbetreuerin Pauline Riedl und Bundestrainerin Ulla Ramge im Nachbarland an den Start gingen.

 Yaras Familie reiste mit einem Wohnwagen ins niederländische Ermelo, um die Nachwuchssportlerin zu unterstützen.
Yaras Familie reiste mit einem Wohnwagen ins niederländische Ermelo, um die Nachwuchssportlerin zu unterstützen. Foto: Verein
  • Yara Scheel zeigt hochoben auf dem
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  • Yara Scheel ist ein großes Voltigier-Talent.⇥Foto:
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  • Auf Flamant hatte Pauline Riedl schon
    Voltigieren : Team Neuss erobert Ermelo im Sturm

Zum Hintergrund: Beim Voltigieren werden unterschiedliche Figuren gezeigt. Dabei kann es sich um Kür- oder Pflichtübungen handeln. Typische Figuren sind die Bank, die Fahne, die Schere sowie die Mühle. Zudem werden klare Unterschiede bei der Technik gemacht, es gibt dynamische und statische Elemente. Bei Turnieren müssen anfangs Pflichtübungen geturnt werden, die vom austragenden Verband im Vorfeld festgelegt werden. Bei Kürübungen kann der Reiter selbst entscheiden, welche Übungen und Techniken er zeigen möchte. Auch eigene Kreationen sind erlaubt.

Schon der Auftakt in den WM-Wettkampf war für Yaras Mannschaft vielversprechend. Dabei voltigierte sich das Jugend-Team in der Pflicht auf den zweiten Platz mit einer Note von 7.789. Damit befanden sie sich auf dem zweiten Rang hinter dem österreichischen Aufgebot, das von der Jury eine Bewertung von 7.964 erhielt. „Nach dem ersten Durchgang war Österreich natürlich in der Favoritenrolle. Wir hätten nicht daran geglaubt, gegen einen so starken Gegner noch in das Rennen um den Gesamtsieg einsteigen zu können“, sagt Yara. Tags darauf folgte die Kür. „Smarti und das ganze Team haben da eine richtig gute Leistung abgeliefert, noch viel besser als erwartet. Natürlich waren wir alle vor so vielen Zuschauern nervös. Außerdem weiß man, dass bei einem solchen Wettkampf Details entscheiden. Da will man nichts falsch machen“, sagt die Nachwuchssportlerin aus Pfalzdorf.

Während das Pferd Smarti zu Beginn des Jahres noch regelmäßig Nervosität offenbarte und in entscheidenden Momenten die Konzentration verlor, habe er nun die Leistung auf den Punkt gebracht, erklärt die Niederrheinerin weiter. Die Kür verlief beinahe fehlerfrei, daher auch eine starke Bewertung von 8.543.