Fußball: Winkmann: "Sind auch auf ein wenig Glück angewiesen"

Fußball : Winkmann: "Sind auch auf ein wenig Glück angewiesen"

Im Kellener Kreisjugendheim referierte der Bundesliga-Schiedsrichter Guido Winkmann, der für den SV Nütterden pfeift.

Alle Augen schauten gespannt zur Bühne hoch. Denn es kündigte sich hoher Besuch an. Bundesliga- Schiedsrichter Guido Winkmann, der für den SV Nütterden pfeift, referierte im Kreisjugendheim Kellen vor den Unparteiischen aus dem Fußballkreis 8 Kleve-Geldern. Anlass dafür war der monatliche Belehrungsabend, bei dem es normalerweise um regeltechnische Fragen und um ein vom DFB vorgegebenes Belehrungsthema geht. Der 40-jährige Unparteiische ist seit 2001 DFB-Schiedsrichter und hat bis jetzt gut 70 Bundesliga-Einsätze zu verzeichnen. Seit 2004 leitet er Spiele der Zweiten Liga und stieg 2008 in die Bundesliga auf. Als vierter Offizieller und Torrichter ist er bei internationalen Spielen in ganz Europa unterwegs. Und eben diese unzähligen Erfahrungen konnte Winkmann in Wort und Bild an das gespannte Publikum weitergeben.

Der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission des Kreises 8 Kleve-Geldern, Dieter Heller, war hocherfreut über den Besuch: "Zum Jahresabschluss können wir heute ein ganz besonderes Bonbon bieten". Heller und Winkmann haben sich als Kollegen in der Verbandsliga kennengelernt. Für ihn ist es etwas Besonderes, wenn sich der Unparteiische Zeit nehmen kann, um vor allem die jungen Schiedsrichter zu motivieren und gleichzeitig als Vorbild zu fungieren. Für den anwesenden 14-jährigen Materborner Schiedsrichter Fabian Pauls liegen die Erwartungen an den Vortrag hoch: "Ich beschwere mich immer über Entscheidungen und will heute einfach herausfinden, wie die Schiedsrichter ticken."

Winkmann gab einen Rückblick auf die letzten zwei Jahre als DFB- Schiedsrichter. Beeindruckt haben ihn die Erfahrungen in kleinen Stadien weltweit, wo er sonst niemals im Leben hingekommen wäre. Trotzdem wurde schnell deutlich: Es gibt nicht nur positive Erlebnisse — es zeigt sich häufig die Kehrseite der Medaille, wie es selbst in den unteren Ligen der Fall ist. Hauptaugenmerk liegt auf strittigen Situationen wie Platzverweisen oder Elfmeter-Pfiffen. Jede Entscheidung biete eine neue Diskussionsgrundlage bei den Zuschauern und in den Medien. "Manchmal sind wir einfach auch auf ein wenig Glück angewiesen. Man kann man es teilweise einfach nicht sehen." Das liege vor allem daran, dass das Spiel in den letzten zehn Jahren viel schneller geworden sei.

Mit kleinen Videoclips verdeutlichte Winkmann auch die Wichtigkeit der richtigen Perspektive eines Schiedsrichters. Aktionen können aus zwei Blickwinkeln völlig unterschiedlich aussehen. Man müsse sich auf das verlassen können, was man selber gesehen hat. Ein weiteres Thema sind die Reisestrapazen, die viel Energie kosten und zum Stressfaktor werden können. Verlorene Koffer, lange Flugstrecken oder weite Anfahrtswege und Stau nach dem Flug gehören zum Alltag eines professionellen Schiedsrichters. " Alles ist hochprofessionallisiert. Es ist Leistungssport auf höchstem Niveau." Und dem müssen auch Schiedsrichter nachkommen. Nach jedem Spiel werden Winkmann seine gemessenen Laufwerte während des Spiels zugeschickt. Im Durchschnitt läuft er zwölf Kilometer pro Bundesligaspiel. Damit auch seine Fitness gewährleistet ist, muss er sich jedes Jahr einem sportmedizinischen Test unterziehen.

Der Vortrag fand in einer aufgelockerten Atmosphäre und mit einer angeregten Fragerunde zum Schluss statt. Doch eines steht für den DFB-Schiedsrichter fest: "Auch wenn es beim Sport immer um Emotionen geht, handelt immer nach einer alten Weisheit: ,protect yourself' und verlasst euch auf eure Augen."

(RP)
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