Lokalsport: Und jährlich ruft das Sportabzeichen

Lokalsport : Und jährlich ruft das Sportabzeichen

Waldemar Dey nimmt zum 50. Mal seine Urkunde entgegen, Gisela Große zum 45. Mal. Der 75-jährige Klever und die 78 Jahre alte Straelenerin denken aber noch lange nicht ans Aufhören. Große ist auch noch Stützpunktleiterin.

Ein Raunen geht durch den Raum, als Waldemar Dey aufsteht, um die Urkunde für sein Sportabzeichen entgegenzunehmen. Jeder im Raum will wissen, wie der Mann aussieht, der sein 50. Sportabzeichen vom Kreissportbund-Vorsitzenden Lutz Stermann verliehen bekommt.

Es ist ernüchternd. Kein Muskelprotz steht auf, sondern ein fitter 75-Jähriger. Der macht auch kein Aufhebens um sein 50. Mal Sportabzeichen. Als Stermann von ihm wissen will, ob es in den fünf Jahrzehnten mal anstrengend gewesen sei, schüttelt er den Kopf. "Ich bin der typische Breitensportler", sagt Dey ganz selbstverständlich von sich. Auch heute schwimmt er die 1000 Meter locker weg, macht zwei- bis dreimal in der Woche Sport. Nur der Weg, wie er zum Sportabzeichen kam, der ist ein wenig kurios.

"1963 wurde ich von einem damaligen Mitglied der DLRG Kleve gefragt, ob ich nicht Urlaub auf Föhr als Rettungsschwimmer machen wollte." Dey wollte und machte alle nötigen Scheine. Auf Föhr selber wurde er gefragt, ob er nicht am Strand noch das Sportabzeichen machen wolle. "Ich habe alles Nötige dafür gemacht, nur die Urkunde ist nie bei mir angekommen", das sagt der 75-Jährige und lacht. Nur ein Jahr später machte er ganz offiziell sein erstes Sportabzeichen. "Ab meiner ersten Prüfung auf Föhr war ich infiziert", sagt der Klever. Dieses "Virus", das packt ihn heute noch. Für ihn ist das jährliche Ablegen des Sportabzeichens sein persönlicher Check-up. "So wie es normal ist zum Arzt zu gehen, mache ich regelmäßig mein Sportabzeichen", sagt Dey. Brenzlig wurde es nur während seiner Berufszeit. "Da ist es mir nicht immer leicht gefallen, das terminlich unter einen Hut zu kriegen." Er lobt die netten Übungsleiter, die er hatte, und die noch Ende Dezember mit der Stoppuhr auf dem Sportplatz standen, um seine Zeit vom 5000-Meter-Lauf zu nehmen.

Eine, die auch noch regelmäßig auf dem Sportplatz anzutreffen ist, ist Gisela Große. Seit 35 Jahren ist sie in Straelen Übungsleiterin. Sie selbst nahm ihre Urkunde für das 45. Sportabzeichen entgegen. Wie alles anfing, das weiß sie noch genau. Damals war alles noch ein bisschen anders als heute. Wer Hochsprung machte, der landete mehr oder weniger weich in der Sprunggrube für Weitsprung. Weiche Matten gab es damals noch nicht. Das war aber nicht hinderlich. Große schaffte trotzdem das Sportabzeichen. Was sie besonders sympathisch macht, ist, dass sie das beste Beispiel dafür ist, dass man nicht die geborene Sportskanone sein muss, um die Bedingungen zu schaffen. "Ich bin eine Niete im Werfen", gibt die sie ohne Umschweife zu. Für ihr erstes Sportabzeichen hat sie den ganzen Sommer Schleuderball auf der heimischen Wiese geübt. "Dann hat es geklappt", sagt sie stolz. Und es klappt noch immer.

Ans Aufhören will sie nicht denken. Auch nicht als Stützpunktleiterin in Straelen. "Mittlerweile kommen die Jugendlichen, die bei mir das Sportabzeichen gemacht haben, mit ihren eigenen Kindern", freut sie sich. Und auch in der Familie hat sie den Sportsgeist weitergegeben. Der ältere Urenkel Felix hat im vergangenen Jahr das zweite Sportabzeichen in Gold errungen, in diesem Jahr ist auch die jüngere Urenkelin mit dabei.

Und ab Mai bis Ende September wird die 78-Jährige wieder selber auf dem Sportplatz sein, als Übungsleiterin. Mit Waldemar Dey hat sie auch schon eine Vereinbarung getroffen. "In fünf Jahren sehen wir und wieder", sagt sie lachend, dann hat auch sie ihr 50. Sportabzeichen in der Tasche.

(RP)
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