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Fußball: Umut Akpinar: Vom Spieler zum Trainer

Fußball : Umut Akpinar: Vom Spieler zum Trainer

600 Spiele absolvierte Umut Akpinar in 19 Jahren für den 1. FC Kleve und den VfB Kleve 03. Jetzt hielt der 38-Jährige den Zeitpunkt für geeignet, die Seite zu wechseln. Seit Beginn dieser Saison trainiert er die Bezirksligaelf des 1. FC Kleve.

Eine Ära ist in diesem Jahr zu Ende gegangen. Nach 19 Jahren und mehr als 600 Einsätzen für den 1. FC Kleve und vor der Fusion für den VfB Kleve 03 hat Abwehrspieler Umut Akpinar seine aktive Fußballkariere bei den Rot-Blauen beendet. Doch leicht ist ihm dieser Schritt nicht gefallen. "Ich habe mir einfach überlegt, wann der richtige Moment sein könnte, um aufzuhören", verrät der heute 38-jährige. Er ist sich sicher: Der richtige Moment ist jetzt gekommen. "Ich fühle mich zwar noch top-fit", so Akpinar, "aber ich wollte den Bogen auch nicht überspannen und mich nicht vom Platz tragen lassen." So war es ihm auch ein Anliegen, als Stammspieler aufzuhören, bevor er zu einem späteren Zeitpunkt mehr auf der Bank sitzt als auf dem Platz steht.

Dabei hätte er sich eine Landesliga- oder sogar eine Oberliga-Saison als Spieler durchaus noch zugetraut. Auch viele Anhänger hätten ihrem "Aki", wie er oft genannt wird, noch eine Saison in der Oberliga gewünscht. Die Entscheidung aufzuhören ist allerdings schon weit vorher gefallen, bevor überhaupt feststand, dass die Schwanenstädter nach der verpatzten Relegationsrunde zum Ende der vergangenen Saison eine weitere Spielzeit in der Landesliga zubringen müssen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der damalige Trainer der Klever Reserve-Mannschaft, Detlev Remmers bekannt gegeben, dass er für sich persönlich eine Veränderung wünsche und als Coach des 1. FC Kleve II aufhören möchte, um einen neuen Posten in der Jugendabteilung anzutreten. Auf der Suche nach einem Nachfolger sprachen die Rot-Blauen Akpinar an, der die B- und C-Lizenz als Trainer besitzt und in absehbarer Zeit gerne noch die A-Lizenz anhängen möchte.

Für Akpinar war die frei gewordende Trainerstelle bei der FC-Reserve eine gute Möglichkeit, die ihm das Aufhören als Spieler leichter machte. Diese wollte der 38-jährige nicht ausschlagen, und für die er schon jetzt sehr dankbar ist. Zudem sei es für ihn eine Herzenssache, seinem Verein auch nach der Spielerkarriere verbunden zu bleiben. "Es ist einfach schön, dass das alles so schnell und reibungslos geklappt hat", sagt Akpinar. Dass er sofort eine zweite Mannschaft in der Bezirksliga übernehmen dürfe, sei eine sehr ehrenvolle Aufgabe, auf die er sich schon lange vorbereitet.

Bereits seit Februar stand Akpinar im ständigen Austausch mit Remmers und arbeitete am neuen Team, das recht schnell Gestalt annahm.

Thomas von Kuczkowski, im vierten Jahr Cheftrainer der ersten Klever Mannschaft, sah in Akpinar zuletzt schon immer einen Coach. "Er dachte im Spiel schon wie ein Trainer und wies seine Mitspieler auch so an", sagte "Kucze" einmal über seinen einstigen Kapitän. "Das hat mir auch mein früherer Trainer Klaus Berger schon mal gesagt", berichtet Akpinar. Er war eben schon immer ein Mann, auf dessen Worte Verlass war und der ein Fußballspiel lesen konnte wie kaum ein Zweiter. Mit seiner besonnenen und umsichtigen Art brachte er als Abwehr- und defensiver Mittelfeldspieler die gegnerischen Stürmer oftmals zur Verzweiflung - von der Landesliga bis zur Regionalliga.

Akpinar hat in seinen 19 Jahren als Spieler bei den Schwanenstädtern so viel erlebt wie außer ihm wohl niemand. Das Fußballspielen begonnen hat er bei Eintracht Emmerich, von dort aus wechselte er auf die andere Rheinseite zum damaligen VfB Kleve 03. Gelockt wurde er von Hans Noy, einem weiteren Klever Urgestein in Sachen Fußball. "Er war jahrelang mein Begleiter sowohl im sportlichen als auch im privaten Bereich und immer mein erster Ansprechpartner", erklärt Akpinar.

Mit dem VfB stieg der heutige Trainer der FC-Reserve rasch in die Verbandsliga ab. Ein Weggang kam für ihn damals wie auch später trotzdem nicht in Frage. "Das Umfeld war hier schon immer top", begründet Akpinar seine Verbundenheit mit dem Fußball in der Schwanenstadt. Nach dem Abstieg wurde die damalige VfB-Mannschaft neu aufgestellt, und Akpinar wollte seinen Teil dazu beitragen. "Ich wollte mich als noch sehr junger Spieler auch einfach durchsetzen", sagt er heute, wenn diese für ihn schöne Zeit vor seinem geistigen Auge noch einmal abläuft.

Den Verlauf der nächsten beinahe zwei Jahrzehnte habe er sich so aber nie erträumen lassen. Von der Verbandsliga ging es abermals hoch in die Oberliga, von dort aus sogar in die Regionalliga. 2009, nur ein Jahr später, aber wieder zurück in die damalige NRW-Liga, vergleichbar mit der früheren und heutigen Oberliga, ehe nach dem großen finanziell bedingten Absturz es in die Landesliga runter ging - dort, wo die Klever Reise einst begann.

Trotz des letztlich bitteren Endes blieb Akpinar seinen rot-blauen Anhängern treu, lehnte Angebote von anderen Vereinen immer wieder ab und sammelte dennoch viele schöne Erlebnisse. "Das Verbandsliga-Derby seinerzeit gegen den SV Walbeck, wo 3 000 Zuschauer dabei waren, war eine tolle Sache. Genauso wie das Aufstiegsspiel zur Regionalliga gegen die Amateure von Bayer Leverkusen." Akpinar nennt eine Reihe von fußballerischen Höhepunkten, die sich ihm unvergesslich eingebrannt haben. Auch erinnert er sich an die Partie gegen Preußen Münster oder an Freundschaftsspiele gegen den FC Schalke, Borussia Mönchengladbach und gleich drei Mal gegen Galatasaray Istanbul.

Nun warten auf ihn als Trainer des Bezirksligisten 1. FC Kleve II Mannschaften wie der TSV Wachtendonk/Wankum, Fichte Lintfort, GSV Geldern oder TSF Bracht. Nicht unbedingt große Namen auf der Fußballbühne, bei denen der Fußballfreund vor Begeisterung mit der Zunge schnalzt. Bezirksliga-Fußball eben, der durch die in den vergangenen Jahren vorangetriebene Reduktion der Spielklassen jedoch an Qualität gewonnen hat.

Akpinar wird diese Zeit ab jetzt nur noch von der Seitenauslinie verfolgen. Darauf legt er Wert. "Ich werde kein Spielertrainer sein", sagt Akpinar, der nach der zurückliegenden Saison eine Tür bewusst hinter sich geschlossen hat, um genauso entschlossen eine andere Tür aufzumachen. Zwar sei ein Einsatz von ihm aus personellen Nöten heraus nicht ganz ausgeschlossen ("Fit bin ich ja noch"), aber in erster Linie möchte er die Jungen ran lassen und ihnen ein bisschen seiner Erfahrung mit auf ihren Weg geben. Akpinars zweite Karriere als Trainer - sie beginnt jetzt.

(pets)