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Uedem: Fortuna Keppeln gehört zu den Pionieren im Frauenfußball

Fortuna Keppeln erlebt Höhen und Tiefen : Die Pionierinnen des Frauenfußballs

Vor 50 Jahren gründete sich die Abteilung des Sportvereins Fortuna Keppeln. Anfangs zahlten die Spielerinnen viel Lehrgeld, später stiegen sie sogar in die Landesliga auf. Derzeit geht die Mannschaft in der Kreisliga auf Punktejagd.

Wenn Margret Te-Kaat Frauenfußball im Fernsehen sieht, erfüllt sie das Bild mit Stolz. Es ist der Beweis, dass der deutsche Frauenfußball angekommen ist. Angekommen im Cirquit des Spitzensports. Als sie 1970 im Alter von 14 Jahren die Frauenfußball-Abteilung des SV Fortuna Keppeln mitgründete, hatte der Kick noch einen völlig anderen Stellenwert.

„Mitunter war es damals noch verpönt, dass Frauen auf dem Fußballplatz stehen. Darauf waren nicht alle Männer gut zu sprechen“, sagt die heute 64-Jährige. Gründervater der Abteilung war Übungsleiter Hans Tenelsen. Er formierte eine Mannschaft, die sich 1970 vorsichtig in Freundschaftspartien an den Meisterschaftsbetrieb herantastete. „Wir haben damals viel Lehrgeld zahlen müssen, mitunter sogar zweistellig verloren. Aber die Erfahrungen haben uns später sehr geholfen“, sagt Margret Te-Kaat.

Vor den Fortunen waren bereits die DJK Kleve und Concordia Goch mit Frauen-Teams an den Start gegangen. Der Frauenfußball im Kreis Kleve erlebte eine Zeit des Aufbruchs. „Ich habe schon als Kind Zuhause immer Fußball gespielt. Damals sagte man mir nach, durchaus Talent zu haben“, sagt Te-Kaat. So schloss sie sich der Mannschaft von Tenelsen an. Von dem Vorhaben begeistert, hätten sich ihre Eltern zwar nicht gezeigt. „Aber sie haben mich gelassen, das zählte“, sagt sie. Anfangs sei sie einige Jahre in vorderster Front aufgestellt worden, später aber überzeugte sie auf der Position des Libero. Te-Kaat war eine beinharte Verteidigerin. „An mir ist man nicht so schnell vorbeigekommen. Ich habe das Geschehen häufig schon im Vorhinein erkannt“, sagt das Fortuna-Urgestein.

Zwei Generationen des Frauenfußballs bei Fortuna Keppeln: Annette Fröhlich (links) ist noch aktiv und Margret Te-Kaat ein echtes Urgestein des Vereins. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Mittlerweile ist Te-Kaat seit einem halben Jahrhundert eines der zentralen Gesichter der Abteilung. „Ich habe eine tolle Zeit erlebt. Außerdem muss ich ganz klar sagen: Einmal Fortuna, immer Fortuna“, so die Seniorin. Te-Kaat erlebte eine Zeit mit vielen Höhen und wenigen Tiefen. So erinnert sie sich gerne daran, wie die Spielerinnen 1990 in Folge einer verlorenen Wette mit ihren Betreuern kollektiv in Röcken aufliefen. „Wir haben aber nicht in Röcken gespielt, das hätte der Schiedsrichter nicht erlaubt“, sagt Te-Kaat.

Sportlich war der Aufstieg in die Fußball-Landesliga 1978 unter Trainer Helmut van de Loo ein Meilenstein. Dort trafen die Frauen aus Keppeln auf spätere Deutsche Meister, darunter der namhafte KBC Duisburg. Und dennoch: Die Spielklasse war schlussendlich doch eine Nummer zu groß für die Fortuna. 1979 folgte bereits wieder der Abstieg. „Wir haben uns damals dennoch wacker geschlagen. Es fehlten nur fünf, sechs Minuten zum Klassenerhalt“, sagt Te-Kaat. Und noch ein weiterer Aufstieg ist ihr nachhaltig in Erinnerung geblieben. Diesen erlebte Te-Kaat als Fan, immerhin beendete sie ihre aktive Laufbahn im Alter von 52 Jahren.

2010 stieg ihre Mannschaft nämlich in die Bezirksliga auf. „Damals sind wir mit einem Bus und dem halben Dorf im Gepäck zum entscheidenden Spiel nach Nieukerk gefahren“, sagt das Fortuna-Urgestein. Unter der Regie von Trainer Gordon Fröhlich gelang damals ein 3:0-Erfolg beim Turn- und Sportverein. In der Folge ließen die Frauen die Sektkorken knallen, die Kreismeisterschaft feierte die Mannschaft mit einer Planwagen-Fahrt durchs Dorf. „Solche Tage vergisst man nie wieder“, sagt Te-Kaat, die Borussia Mönchengladbach die Daumen drückt.

Das Husarenstück gelang der Mannschaft 2014 gleich nochmal – wenn auch völlig überraschend. Die Fortuna war unter Fröhlich Tabellenzweiter der Kreisliga geworden. Da der Meister SV Donsbrüggen den Gang in die Bezirksliga jedoch nicht antrat, wurde der Fortuna das Los zuteil. Eine Saison später aber war das Abenteuer Bezirksliga jäh beendet. Der 14. Tabellenplatz bedeutete die direkte Rückkehr auf die Kreisebene.

Betreuer Heinz Kietsch wurde im Freudentaumel rasiert. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Als Ehrenamtlerin engagiert sich Margret Te-Kaat bis heute für ihren Heimatverein. Daher weiß sie, wie herausfordernd es ist, die Frauenfußball-Abteilung trotz langer Historie für die Zukunft fit zu machen. So habe man es in den vergangenen Jahren durchaus mit einer rückläufigen Zahl aktiver Fußballerinnen zu tun gehabt. „Für viele Mädchen steht das Reiten an erster Stelle. Außerdem gibt es im Hobby-Bereich heute so viele Angebote. Das macht es für uns nicht leicht“, sagt Te-Kaat. So habe sie durchaus Angst, dass der Seniorinnen-Mannschaft in einigen Jahren der Nachwuchs ausgeht: „Es kommt einfach zu wenig nach.“

Noch bitterer ist für Margret Te-Kaat allerdings die Gewissheit, dass der 50. Geburtstag der Abteilung in diesem Sommer nicht gebührend gefeiert werden kann. Ursprünglich habe man geplant, dass auf der Platzanlage Ehemalige und Aktive zusammenfinden, um in Erinnerungen zu schwelgen. Die Corona-Krise aber macht den Sportlerinnen einen Strich durch die Rechnung. „Wir haben aber schon überlegt, die Feier einfach im nächsten Jahr nachzuholen. Dieses Jubiläum muss einfach gefeiert werden“, sagt das Fortuna-Urgestein.