Fußball: Trainerblut auch in der 3. Generation

Fußball : Trainerblut auch in der 3. Generation

In der Familie Hommels waren Alfred und Frank jahrelang als Spieler, Trainer und Funktionäre tätig. Jetzt trat Henrik Hommels als Coach der U 15 in einem Trainerteam in deren Fußstapfen und schaffte den Aufstieg in Niederrheinliga.

Seine sportliche Vorgeschichte der Familie Hommels ist schon interessant: Henrik entstammt einer fußballbegeisterten Klever Familie, die ihre Wurzeln beim SC 63 Kleve hatte, der einer der Vorgänger des 1. FC Kleve bei der Fusion mit dem VfB 03 Kleve im Jahr 2000 war. Großvater Alfred, auch „der Lange“ genannt, war als Mittelläufer jahrelang das Aushängeschild des SC, der zeitweise in der damaligen höchsten Amateurklasse spielte. Er war eine SC-Legende, bestritt mehr als 600 Partien und galt als ausgewiesener wie gefürchteter Kopfball- und Freistoßspezialist. Während seiner aktiven Zeit trainierte er die Spvgg. Kessel. Später coachte er die SC-Reserve und war in der Saison 1973/74 Spielertrainer bei Siegfried Materborn.

Vater Frank wurde ebenfalls beim SC groß, kickte bis zur A-Jugend dort und wechselte 1984 nach Materborn in die Bezirksliga. Es ereilte ihm die gleiche Verletzung wie seinem Vater: Riss der Achillessehne. Danach war er als Spieler beim SV Rindern sowie BV Kellen aktiv, ehe er Trainer in Kellen, Rindern und Materborn wurde. Beim 1. FC Kleve heuerte er als Jugendcoach an und fungierte später als Jugend- und Schülerkoordinator im Verein. Seit einigen Jahren ist er nur noch Privatmann, der die Karriere seines Sohnes verfolgt.

Henrik Hommels, Jahrgang 2000, machte vor kurzem sein Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Er begann mit sechs Jahren seine aktive Laufbahn beim 1. FC Kleve. Ab der C-Jugend kickte er für Siegfried in der Leistungsklasse. Mit 15 Jahren startete seine Trainerkarriere als Coach der F 3-Jugend, er machte den vom Klub bezahlten Kindertrainerschein sowie den Teamleiter C als Modul zur C-Lizenz.

Er trainierte die D 1 im Trainerteam und errang die Vizemeisterschaft in der Leistungsklasse. Gleichzeitig betreute Hommels mit Unterstützung von Leander Derksen die Schulmannschaft seines Gymnasiums und wurde mit dem Team Vize-Bezirksmeister in Nettetal. In der Materborner A-Jugend agierte er als zentraler defensiver Mittelfeldspieler.

Dann erhielt er das Angebot des 1. FC Kleve, die U 14 gemeinsam im Übungsleiterteam mit Kevin Naß und Daniel Lehnert zu übernehmen, was er auch annahm. Gleich in der ersten Saison wurde die Truppe ohne Punktverlust mit einem Torverhältnis von 196:1-Meister der Kreisliga. „Wir haben im letzten Spiel in Wissel das einzige Gegentor kassiert“, sagt Hommels schmunzelnd. Ungeachtet dessen spielte er mit dieser U 14 die Qualifikation als U 15-Junioren, um den Sprung in die Niederrheinliga zu schaffen. In dieser Qualifikation bekamen er und Lehnert große Unterstützng und Hilfestellung von Lukas Nakielski, Henriks Mentor, Dilek Özden sowie Rolf Luib. Und mit zwei Siegen und einem Remis gelang der Aufstieg. Ein großartiger Erfolg für den 1. FC Kleve.

Die stattgefundene Veränderung der Trainerarbeit im Hause Hommels lässt sich an Henriks Trainingsphilosophie erkennen: Eine gezielte Überforderung an die Spieler zu stellen, ist ein Merkmal dieser modernen Philosophie. Es werden viele taktische und technische Inhalte im Training hergestellt, von denen aber man weiß, dass die Spieler nicht alles verarbeiten und behalten können. Trotzdem werden dadurch die Aufmerksamkeitsspanne und die Fülle der Inhalte insgesamt gespeichert und erhöht. Im Training werden Spielformen kreiert, die im Spiel vorkommen können.

Der 18-Jährige ist eine Stunde vor Trainingsbeginn bereits auf dem Platz, um alles aufzubauen. „90 Prozent der Spielformen habe ich mir selbst ausgedacht, immer darauf bedacht, was die Akteure brauchen. Ich simuliere vorher die Trainingsübung und überlege dabei, welche Gedanken die Spieler haben werden“, erklärt Hommels seinen Trainingsansatz. Bis zu sechs Stunden am Tag wendet er für die Trainings- und Spielauswertung auf. Seine Ansprache vor einem Match dauert etwa 10-15 Minuten, er stellt sein Team mit Hilfe einer Tafel, die schon Kultstatus besitzt, genau auf den Gegner ein. „Es zählt die Wissensautorität, die ich mir aufgebaut habe“, sagt er in Anbetracht seines jungen Alters.

Hommels sieht sich als Autodidakt und findet es zwar anstrengend, aber trotzdem schön, sich alles selbst beizubringen. Er hat alles dokumentiert, sei es auf dem Tablet , Laptop oder Videokamera und zusätzlich alles akribisch aufgeschrieben. Seine Sammlung ist jetzt schon sehr umfangreich.Irgendwann will er die Fußballlehrerlizenz anstreben, um maximal und optimal zu trainieren.

„Mein Credo ist, Spieler zu verbessern. Dazu muss man auch viel lesen, wie zurzeit Bücher über die Arbeitsweise von Jürgen Klopp und Norbert Elgert. Ich will jedoch meinen eigenen Stil als Trainer entwickeln“, hat Henrik Hommels eine klare Vorstellung über seine Zukunft.