Fußball : Toreschießen leicht gemacht

Fußball: Benedikt Koep wechselte in der Winterpause vom 1. FC Kleve zum NRW-Liga-Tabellenführer Rot-Weiss Essen. In zwei Kurzeinsätzen konnte der Angreifer für die Elf von der Hafenstraße bereits drei Treffer erzielen.

Es läuft die 82. Minute im Niederrheinpokal-Viertelfinale zwischen Rot-Weiss Essen und dem Wuppertaler SV Borussia. Die Elf von der Hafenstraße führt vor 7 200 Zuschauern mit 2:1 gegen den Regionallligisten, als Essens Trainer Waldemar Wrobel seinen Neuzugang Benedikt Koep vom 1. FC Kleve für Lukas Lenz einwechselt. Der Angreifer dankte seinem Coach für das Vertrauen und sorgte mit einem Doppelpack kurz vor Schluss für die endgültige Entscheidung.

"Es ist einfach überwältigend vor solch einer Kulisse zu spielen, zu gewinnen und zu treffen", schwärmt der 23-Jährige, "das macht noch einmal einen großen Anreiz aus. Mein Start war natürlich ein absoluter Eindstand nach Maß. Besser hätte ich ihn mir kaum vorstellen können." Nur fünf Tage später in der NRW-Liga-Partie beim SV Schermbeck vor immerhin 3 000 Zuschauern zeigte Koep wieder seine Joker-Qualitäten und markierte in der 74. Minute den 2:1-Siegtreffer, nachdem er nach gut einer Stunde für Cedric Vennemann reingekommen war. "Statistiken interessieren mich nicht", meint RWE-Trainer Wrobel in Bezug darauf, dass Koep beim 1. FC Kleve in 17 Punktspielen gerade einmal einen Treffer zustande gebracht hatte.

Abgang schweren Herzens

Koep hatte nach dem Rückzug der Klever NRW-Liga-Mannschaft das Kapitel in der Schwanenstadt geschlossen und nach einer neuen Herausforderung gesucht, auch wenn ihn der Weggang von den Rot-Blauen nicht leicht gefallen war. Immerhin schaffte er dort den Sprung von der Jugend in den Seniorenbereich und avancierte unter seinem ehemaligen Coach Georg Kreß zum Stammspieler. "Es war sehr schade, dass es in Kleve nicht mehr weiterging, aber so ist das Geschäft", sagt Koep, "ich denke, mit Essen habe ich die Ideallösung gefunden."

In seinem neuen Team fühlt sich der Stürmer bereits wohl: "Ich wurde sehr gut aufgenommen, wir haben hier einen sehr guten Zusammenhalt ähnlich wie auch in Kleve, der uns sicherlich auch auszeichnet und noch stärker macht." Angesprochen auf die Ziele mit den Essenern gibt sich Koep aber noch eher zurückhaltend: "Im Moment sind wir sehr erfolgreich und haben alles selbst in der Hand. Aber die Rückrunde ist noch sehr lang, da kann noch alles passieren. Wir hoffen aber natürlich auf den Regionalliga-Aufstieg und wollen auch ins Niederrheinpokal-Finale kommen."

Auf kurz oder lang will Koep sich bei RWE in die Stammformation spielen: "Ich denke, das muss mein Anspruch sein und daran werde ich auch arbeiten." Bei seinem neuen Übungsleiter Wrobel sieht er im Vergleich zu Kreß viele Ähnlichkeiten: "Von den Trainingseinheiten und auch von den Ansprachen her gibt es viele Parallelen, auch wenn Kreß sicherlich schon ein bisschen mehr Erfahrung hatte. Beide sind aber sehr ambitioniert und wissen genau, wie sie ihre Vorstellungen umsetzen können, um das Beste herauszuholen."

An der Hafenstraße soll es bald wieder Richtung bezahlten Fußball gehen. Der schlafende Riese aus dem Ruhrgebiet befindet sich nach Jahren, in denen es eigentlich nur bergab ging, schon wieder auf dem Weg nach oben.

Koep will dazu beitragen, dass sich die Sehnsucht nach besseren Zeiten bald schon erfüllen wird — am besten mit Toreschießen, der Hauptaufgabe des Mannes mit der Nummer 30. Dann werden ihn die treuen Essener Fans, die wie eine Wand hinter ihrer Elf stehen, schnell ins Herz schließen.

(RP)
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