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Tischtennis: TuS 08 Rheinberg holt Ismet Erkis als neue Nummer eins

Tischtennis : Ismet Erkis schlägt jetzt in Rheinberg auf

Der 46-Jährige, der einst für Rhenania Kleve und WRW Kleve gespielt hat, verstärkt den NRW-Ligisten TuS 08 Rheinberg. Der Routinier, der in Weeze ein Unternehmen führt, ist mit Top-Star Dimitrij Ovtcharov befreundet.

Er war schon bei den Olympischen Spielen, ist mit Deutschlands bestem Tischtennis-Spieler Dimitrij Ovtcharov befreundet und soll als neue Nummer eins dem NRW-Ligisten TuS 08 Rheinberg zum Klassenerhalt verhelfen – Ismet Erkis. Der 46-jährige Moerser wurde jetzt nachträglich ins Team geholt, weil der verletzte Jens Menden womöglich in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommt.

Sportlich verlief der Auftakt des TuS 08 mit zwei Siegen aus den ersten vier Partien zwar zufriedenstellend, die personelle Hiobsbotschaft sollte allerdings neben der Platte folgen. Spitzenspieler Menden wird wegen seiner Handgelenksverletzung nicht wie zunächst gedacht nur in der Hinrunde fehlen, sondern voraussichtlich sogar die gesamte Spielzeit passen müssen. Die Serie mit Ersatz und hergeschenkten Einzeln durchzubringen, wäre nicht einfach geworden. Da kam es den Rheinbergern gelegen, mit Erkis einen verspäteten Neuzugang gefunden zu haben, den Abteilungsleiter Dirk Weiser vor Kapitän Ermin Besic an Position eins nachmeldete.

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Das Engagement mit dem ehemaligen Zweitliga-Spieler kam eher zufällig zustande und dient nicht nur dazu, Mendens Ausfall zu kompensieren. „Ermin und ich kennen uns seit über drei Jahrzehnten aus gemeinsamen Schüler-Zeiten, in denen wir oft gegeneinander gespielt haben“, sagt Erkis, der hin und wieder beim Training an der Rheinberger Fossastraße vorbeischaute. Da er seinen Wohnsitz kürzlich nach Moers verlegte und die Halle nur gut zehn Minuten Fahrtzeit entfernt liegt, wurden die Besuche häufiger. Besic’ Anfrage ließ da nicht lange auf sich warten.

„Ich habe die Gunst der Stunde genutzt. Es lief unkompliziert. Ismet hat sich bei uns schnell sehr wohlgefühlt. Über seine Zusage sind wir sehr froh“, sagt Besic, der seinen neuen Mitspieler als „ehrgeizigen Gewinnertypen“ bezeichnet, der charakterlich gut ins Team passen würde. Mit über 2000 TTR-Punkten zählt Erkis zu den Top-Akteuren im oberen Paarkreuz der NRW-Liga. „Wir hoffen, dass wir langfristig etwas von ihm haben werden. Er wird für uns alle Spiele machen“, so Besic.

Erkis‘ letzter Einsatz, damals noch im Trikot des Oberligisten Bayer Uerdingen, liegt über ein Jahr zurück. Mit den Krefeldern war der 46-Jährige in den Jahren 2007/2008 ebenso in der Zweiten Liga unterwegs wie 2013/2014 mit dem TuS Xanten. Seinen Heimatverein Rhenania Kleve führte der Wahl-Moerser 2011 bis in die Regionalliga. Aus gesundheitlichen Gründen war Erkis zwischenzeitlich für WRW Kleve in der Bezirksklasse und Landesliga aktiv. Mittlerweile kämpft die erste Mannschaft von WRW wieder in der Verbandsliga um Punkte.

 Kennen sich seit der WM 2006: Ismet Erkis (links) und der Weltklasse-Spieler Dimitrij Ovtcharov.
Kennen sich seit der WM 2006: Ismet Erkis (links) und der Weltklasse-Spieler Dimitrij Ovtcharov. Foto: Erkis

Dort mischt auch sein Sohn Elijas (15) mit. Das Nachwuchstalent war als Zehnjähriger die westdeutsche Nummer eins, krankheitsbedingt hatte der Youngster jedoch in der Vergangenheit ein wenig den Anschluss verloren. Ismet Erkis möchte keineswegs ein „Helikopter-Vater“ sein, dem Junior traut er dennoch einen größeren Entwicklungsschritt zu. „Er steckt sich große Ziele, trainiert viel und versucht sich wieder heranzukämpfen.“

Der 15-Jährige ist nicht der Einzige, der von Ismet Erkis‘ Erfahrung profitierte. Kein Geringerer als Dimitrij Ovtcharov, der Weltranglisten-Achte, gehört zu seinen engsten Vertrauten. Sie lernten sich bei der WM 2006 auf der Zuschauertribüne in Bremen kennen, nachdem Bundesliga-Spieler Steffen Mengel, gegen dessen Bruder Erkis öfter spielte, die beiden ins Gespräch brachte. Ovtcharov war damals 17, noch nicht im Teilnehmerfeld mit dabei und kaum jemandem bekannt. Das zweite Treffen sollte nicht lange auf sich warten. Erkis schaffte es bei einem Turnier in Goch aufs Siegertreppchen, als Belohnung durfte gegen vier deutsche Profis angetreten.

Timo Boll, dem Erkis 2004 auch schon am Tisch gegenüberstand, Christian Süß und Petr Korbel waren begehrter als der junge Ovtcharov. „Dima blieb übrig, weil gegen ihn keiner spielen wollte“, erinnert sich Erkis. „Es war witzig, wir haben uns sofort gut verstanden. Er hat mich wenig später nach Düsseldorf zum Training eingeladen. Dima ist für mich heute kein Superstar, sondern einfach ein guter Freund.“

2012 begleitete Erkis Ovtcharov als Mentalcoach zu den Olympischen Spielen nach London, wo der Deutsche völlig überraschend Bronze gewann. „Damals hatte ihn niemand auf der Liste, für mich war es ein bedeutender Erfolg“, sagt der 46-Jährige, der auch nach dem erneuten dritten Platz in Tokio 2021 das Olympia-Trikot von seinem Kumpel geschenkt bekam.

Mit seiner neuen Mannschaft peilt Ismet Erkis einen Platz in der oberen Tabellenhälfte an. „Ich möchte der Mannschaft mit guten Leistungen helfen. Die Jungs machen einen motivierten Eindruck“, sagt er.

Bereits am 30. Oktober, wenn der TuS 08 Rheinberg beim TTC SW Velbert sein nächstes Duell in der NRW-Liga bestreitet, ist Ismet Erkis spielberechtigt. „Ich freue mich schon darauf“, sagt der 46-jährige Unternehmer, der seit über 20 Jahren seine eigene Kunststoff-Firma in Weeze führt.