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Tennis-Verband hofft auf Lockerung der Corona-Regeln

Tennis : Der Tennis-Sport will vorpreschen

Der Vorsitzende des Verbandes Niederrhein fordert, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird. Immerhin könne der Mindestabstand auf den Plätzen gewahrt werden. Die Klubs im Kreis Kleve wollen ebenfalls nicht länger warten.

Die Tennisspieler im Kreis Kleve haben die Corona-Pause satt. Sie wollen zurück auf den Platz. „Es ist eigentlich eine Schande, dass wir bei dem Wetter nicht spielen dürfen“, sagt Günther Grofe, Vorsitzender des TC Grün-Weiß Geldern. Immerhin seien die Ascheplätze schon seit Wochen aufbereitet. Die Medenspiele sind vorerst ausgesetzt, am 9. Juni könnte die Saison anlaufen – frühestens. Die Jugend-Medenspiele sind für die laufende Saison bereits gänzlich abgesagt.

Rückenwind erhält der Wunsch der Vereine zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs durch den Tennis-Verband Niederrhein (TVN). Der Vorsitzende Dietloff von Arnim richtete jetzt einen Brief an den Landessportbund, der das Anliegen wiederum an die Staatskanzlei in Düsseldorf weiterleitete. Von Arnim sagt über die Rückkehr auf den Platz: „Tennis würde die Voraussetzungen erfüllen, schließlich sind die Spieler im Einzel in der Regel durch den Mindestabstand von zwei Metern getrennt.“

Dieser Einschätzung schließt sich Günther Grofe an. „Wir sind alle ganz scharf drauf, endlich wieder zu spielen. Ich traue den Tennisspielern so viel Hirn zu, sich beim Sport nicht ineinander zu kuscheln und den Mindestabstand einzuhalten“, sagt Grofe. Es sei sinnvoll, über Einschränkungen nachzudenken. So könne man anfangs die sanitären Anlagen geschlossen halten. „Das würden wir alle noch verstehen“, sagt Grofe.

Zudem weist der Vorsitzende des TC Geldern darauf hin, dass in den nächsten Monaten Existenzen auf dem Spiel stünden – etwa die der hiesigen Tennislehrer oder Vereinswirte. Gelderns Wirt Hansi Klaeßen und Clubtrainer Patrice Hopfe stünden bereits in den Startlöchern, um den Betrieb schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Jedoch geht Grofe nicht davon aus, dass in diesem Jahr noch Medenspiele stattfinden: „Das kann ich mir fast nicht vorstellen.“

Auch Gregor Langen, Vorsitzender des TC Rotweiss Emmerich, steht hinter der Forderung des TVN. „Wir würden, auch unter bestimmten Auflagen, sofort mitmachen“, sagt er. Langen wolle in den nächsten Tagen im geschäftsführenden Vorstand beraten, welche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden könnten, wenn der Spielbetrieb wieder anläuft. „Wir werden einen Plan aufstellen müssen, an den sich dann aber auch wirklich jeder halten muss.“ So sei es etwa denkbar, dass die sanitären Anlagen wie die Duschen nach jeder Benutzung desinfiziert würden.

Ähnlich blickt auch Manfred Starlinger auf die Debatte. Er ist Vorsitzender der Tennisvereinigung Rot-Weiß Kleve. „Man muss den Tennissport anders einordnen als Fußball oder Basketball. Bei uns ist es möglich, sicherzustellen, dass der Mindestabstand eingehalten wird“, sagt er. Allerdings würden große Herausforderungen auf die Vorstände der Klubs zukommen. „Wir haben da eine große Verantwortung zu tragen. Daher sollten wir sehr genau darüber nachdenken, welche Regeln wir einführen, wenn die Anlagen wieder bespielbar sind“, sagt Starlinger. Ob in diesem Jahr noch Medenspiele stattfinden würden, sei für ihn unklar. Und wenn, dann ohne Publikum.

So könne Starlinger sich vorstellen, das Klubhaus und die sanitären Anlagen vorerst noch geschlossen zu halten. „Und man müsste vielleicht vorerst auf die Nachbesprechung des Spiels auf der Terrasse verzichten“, sagt der Vorsitzende. Er würde sich einen Stufenplan wünschen, der skizziert, wie der Tennis­sport den Weg zurück in die Normalität findet. „Ich habe nie verstanden, warum wir mit allen anderen Sportarten über einen Kamm geschoren worden sind.“

Horst-Dieter van de Loo, 64-facher Deutscher Meister im Einzel und Doppel sowie Vereinstrainer beim TC Rot-Weiß Goch, schlägt vor, anfangs nur Einzelpartien zu erlauben. Auf das Abschlussgetränk solle verzichtet werden, die Duschkabine solle man nur alleine betreten. „Wenn wir uns an solche Vorschriften halten, sollte es möglich sein, wieder zu spielen. Da kann ich Dietloff von Arnim nur beipflichten“, sagt van de Loo. Zudem müsse man auf gewisse Gepflogenheiten verzichten, etwa auf das kurze Gespräch beim Seitenwechsel oder das Händeschütteln nach dem Match.

An die Berufsgruppe von van de Loo erinnerte von Arnim auch in seinem Brief an den Landessportbund: „Zu bedenken ist, dass es in Deutschland rund 20.000 Tennistrainer gibt, die ihre Arbeit so, wenn auch sicher mit Einschränkungen, wieder aufnehmen könnten.“ Auch im Kreis Kleve gibt es mehrere Dutzend hauptberufliche Tennislehrer, die seit Wochen keine Einnahmen verzeichnen. Da das Gros der Trainer als Selbstständige in Erscheinung tritt, haben viele sich unter den Rettungsschirm der Landesregierung gestellt. 9000 Euro konnten so abgerufen werden.

Doch van de Loo fürchtet auch einen Imageschaden, sollte Tennis als erste Sportart die Freigabe erhalten. „Dann könnte schnell wieder das längst überholte Stigma aufkommen, Tennis sei die Sportart der Privilegierten“, sagt der 73-Jährige. Und dennoch: Allzu lange sei die Schließung der Tennisanlagen kaum mehr zu rechtfertigen. Auch für van de Loo selbst ist der Corona-Lockdown eine bittere Erfahrung: „Eine so lange Phase ohne Tennis habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt.“