Mädchenfußball : Die Kämpferherzen rüsten auf

Drei neue B-Jugend-Kickerinnen stoßen zum Regionalliga-Team der SV Bedburg-Hau. Die Mannschaft trainiert hart, um noch ans rettende Ufer zu kommen. Sophie Schneider ist in den Fokus eines Bundesligisten geraten.

Das Schema der Übung: eine kurze Finte, mit dem Ball am Fuß drei Hütchen passieren, ein Pass an die Band und der Abschluss aufs Tor. Trainer Sven Rickes schaut genau hin, wie seine B-Juniorinnen am Montagabend in der Halle der LVR-Klinik die Übung absolvieren. „Ich will keine Ballannahme mehr sehen. Der Schuss soll direkt kommen“, ruft er. Im Gehäuse müssen die Regionalliga-Kickerinnen gar noch einen Ball auf einem Holzbalken treffen. Das aber gestaltet sich besonders darum beschwerlich, da der glatte Hallenboden sicheres Sprinten unmöglich macht. Gelächter ist da vorprogrammiert.

Die winterlichen Bedingungen draußen machen das Training auf dem Rasen in Warbeyen aktuell unmöglich. „Das ist für uns sehr bitter. Schließlich würden wir jetzt gerne wieder in der ganzen Breite des Feldes trainieren“, sagt Rickes. Eine Alternative aber hatte er sofort zur Hand: in Zusammenarbeit mit der Damenmannschaft des VfR Warbeyen findet rund um die LVR-Klinik Stationstraining statt; die zwanzigköpfige Runde arbeitet dort an Kraft, Koordination und Ausdauer. Der Rückrunden-Auftakt findet am 2. März auswärts bei der Zweitvertretung des 1. FC Köln statt. Das Ziel der zweiten Halbserie: den Abstiegsplatz verlassen und den Klassenerhalt perfekt machen. „Die Hinrunde war natürlich schon ein Erfolg für uns, als Aufsteiger haben wir elf Punkte geholt. In den letzten Wochen aber sind uns ein wenig die Körner ausgegangen“, sagt Rickes.

Auch Spielführerin Anna Schneider zeigt sich optimistisch: „Wir werden den Klassenerhalt schaffen. Zuletzt wurden wir geschwächt durch viele Verletzungen, das hat uns ein wenig heruntergezogen. Jetzt aber haben wir einfach große Lust auf die Rückrunde“, sagt sie. Die Vorfreude auf diese wird gestärkt durch die Kunde, dass drei neue Spielerinnen zum Team gestoßen sind. Anna Klucken kommt vom Kevelaerer SV, Lina Willemsen von Siegfried Materborn und Merel Rieu vom SV Rindern. Die Nachwuchstalente sind 14 Jahre alt und werden mit Zweitspielrecht für die Kämpferherzen auflaufen. Für ihre Heimatklubs treten sie allerdings weiterhin in von Jungs dominierten Mannschaften gegen den Ball. „Wir sind den Vereinen sehr dankbar, dass sie den Mädels die Chance geben, bei uns mitzumachen. Das wird allen Beteiligten zu Gute kommen. Wir sind sehr glücklich mit den Mädchen“, erklärt Rickes.

In dem U17-Aufgebot kann Willemsen auf der „Zehn“ eingesetzt werden, Klucken wird auf der „Sechs“ unterwegs sein, Rieu ist als Rechtsverteidigerin eingeplant. „Man merkt schon jetzt, dass es hier anstrengender ist als bei den Jungs. Es wird deutlich mehr gefordert und auch das Spielniveau ist höher“, sagt Klucken. Vor allem werde man „individueller“ trainiert, konkreter nach den eigenen Unzulänglichkeiten geschaut und diese möglichst behoben. „Man kommt bei den Mädels direkt an, da sie ein so intaktes und offenes Team sind“, sagt Rieu.

Schnell konnten die drei Neuzugänge die Abläufe kennenlernen. Die Kämpferherzen traten nämlich bei zwei Vorbereitungsturnieren auf. In Gütersloh trafen die Zemlin-Schwestern und Co. auf Bundesligisten und landeten final auf dem geteilten 17. Rang. Wohlgemerkt schlossen drei Favoriten das Turnier hinter der Rickes-Elf ab. Gegen den VfL Wolfsburg verlor der SV mit 0:4, präsentierte sich allerdings achtbar.

Einige Spielerinnen wurden gar von großen Klubs beworben. So zeigte sich Borussia Mönchengladbach an Angreiferin Sophie Schneider interessiert. Noch aber ist ihre Entwicklung am Duvenpoll nicht abgeschlossen. „Das sind großartige Erfahrungen für die Mädels. Und wir haben auch dort gemerkt, dass wir auf einem tollen Weg sind und mithalten können“, sagt Rickes. Auch gegen die C-1-Junioren-Mannschaft von Alemannia Pfalzdorf testete Bedburg-Hau zuletzt. Nach 90 Minuten stand dabei ein torloses Unentschieden zu Buche. Allerdings waren die Kämpferherzen klar überlegen, gerade im Eins-gegen-Eins besser. Vor dem Tor aber fehlte noch die Abgeklärtheit.

Die war beim Torschusstraining am Montagabend schon wieder zu beobachten. Die Flinten klappten, die Ballannahmen waren routiniert, die Torschüsse zielgenau. Das registriert auch Sven Rickes: „Wir können es schaffen“, sagt er mit Blick auf den Klassenverbleib.