Nachruf: „Stulle“ Janßen war eine Sportclub-Legende

Nachruf : „Stulle“ Janßen war eine Sportclub-Legende

Im Alter von 72 Jahren ist Willi Janßen gestorben. Der Torwart spielte auch für RWO in der Bundesliga.

Als die Grenzland Post vor zwei Jahren die neue Serie „Ehemalige Fußball-Stars im Kleverland“ auflegte, da war es für unsere Sportredaktion keine Frage, dass Willi Janßen dazu gehörte. Im Alter von 72 Jahren ist „Stulle“ jetzt gestorben.

In der Schwanenstadt war der Torhüter eine Sportclub-Legende. Der gelernte Kfz-Mechaniker wohnte seit 1976 an der Königsallee, nur einen Steinwurf entfernt vom legendären Platz in der Oberstadt, der Bauland wurde. Die Blau-Weißen zogen zum Bresserberg, wo im Oktober 1968 die Platzeinweihung war. Willi Janßen war von Beginn an ein Blauer, mit sechs Jahren spielte er schon in der Knabenmannschaft von Sportclub Kleve. Bei den Senioren holte Trainer Fritz Claaßen den Keeper in die 1. Mannschaft, wo er in der Saison 1968/69 in der Verbandsliga, der seinerzeit höchsten Amateurliga, zwischen den Pfosten stand. Seine große Chance bekam „Stulle“ nach einem Vorbereitungsspiel des SC gegen Rot-Weiß Oberhausen, als die Blau-Weißen mit 2:1 gewannen. RWO schnappte sich den Klever Torwart, der in der Saison 1972/73 21 Bundesliga-Begegnungen absolvierte, weil Stammspieler Wolfgang Scheid verletzt war. Die „Kleeblätter“ stiegen am Ende ab, Janßen erreichte laut „Kicker“ einen Notendurchschnitt von 2,85.

Nach dem Abstecher in den Kohlenpott kam Willi Janßen zurück an den Bresserberg, wo er 1981/82 mit den Blau-Weißen und Trainer Franz Schubert in die Verbandsliga aufstieg. Das Holland-Trio Robby Kuijpers, Peter Hendriks und Wout Blyderveen war neben Routiniers wie Werner Elsing, Jürgen Schmidt und natürlich „Stulle“ die SC-Garanten. Das Spiel seines Lebens und natürlich auch von Sportclub Kleve war im August 1982 das Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona, damals beste Mannschaft der Welt. Gut 12.000 Besucher staunten im Gustav-Hoffmann-Stadion nicht schlecht, als Janßen mit tollen Paraden den hochdotierten Stars das Fürchten lehrte. „Scheibenschießen auf Gummi-Oldie Janßen“ titelte seinerzeit die RP. Mit 0:6 gingen die Blauen mit erhobenem Haupt vom Platz.

Der Uedemer Andreas Wessels, der später 121 Bundesligaspieler für den VfL Bochum bestritt, kam als Nummer 2 hinter Janßen. „Wir hatten ein super Verhältnis. Ein erfahrener Torwart, von dem ich viel gelernt habe“, sagt der „Kaiser“ vom Ruhrstadion und erinnert sich: „Bei Willi habe ich mein erstes Auto gekauft.“

Arend van Dronkelaar, acht Jahre lang Vorsitzender vom Sportclub 1863 Kleve, bevor im Jahr 2000 die Fusion mit dem VfB 03 Kleve zum 1. FC Kleve klappte, kannte „Stulle“ gut. „Willi hat viele Jahre mit seiner Frau die Kantine am Bresserberg geleitet. Er hat Jugendmannschaften trainiert und half sogar bei der Reserve aus, obwohl er schon über 40 Jahre alt war. Er war eine Sportclub-Legende“, sagt der Niederländer, der seit vielen Jahren auf Mallorca lebt.

Torwartlegende Willi Janßen im Februar 2018. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)/Stade,Klaus-Dieter (kds)

Verabschieden von „Stulle“ können sich viele Weggefährten am Montag, 16. Dezember, um 11 Uhr in der Friedhofskapelle Kleve, Merowingerstraße. Anschließend wird die Urne des Verstorbenen zur letzten Ruhestätte begleitet.