Leichtathletik: Steintorlauf: 1719 Sportler beim Gocher Volksfest

Leichtathletik : Steintorlauf: 1719 Sportler beim Gocher Volksfest

Die 27. Auflage avancierte zum Kleinod für Breitensportler. Über fünf Kilometer gewann Sonsbecks Marcel Gnoß nach 16:20 Minuten.

Schöner könnte ein Zieleinlauf kaum sein. Unabhängig von der zurückgelegten Strecke oder der benötigten Zeit wurde jeder der 1719 Teilnehmer des 27. Gocher Steintorlaufs im Hubert-Houben-Stadion frenetisch bejubelt, beklatscht und gefeiert. „Wir merken, dass die ganze Stadt Goch hinter diesem Lauf steht“, sagte Johannes Artz, Mitorganisator der ausrichtenden Viktoria Goch. Nur knapp verpassten die Veranstalter den Teilnehmerrekord aus dem Jahr 2013, als 1766 Athleten mit von der Partie waren. Zufrieden war Artz dennoch: „Wir sind die Laufveranstaltung schlechthin für Breitensportler. Bei uns läuft die ganze Familie mit: Oma, Opa, Papa, Mama, Enkelkinder. Es geht uns nicht um die schnellste Zeit, sondern darum, dass man sich überhaupt bewegt.“ Bewegung gab es an der Marienwasserstraße genug. Nicht nur, dass hunderte im 15-Minuten-Takt an der Startlinie auftauchten. Auch auf der Tribüne tummelte sich das lautstarke Publikum. „Heute waren tausende Gocher hier“, sagte Artz.

Der beliebteste Lauf war der über 2000 Meter. 511 Sportler nahmen sich der Strecke an. Die meisten Gruppen hatten eigens für die Veranstaltung T-Shirts gestaltet, die sie von der Konkurrenz unterschied. Personell auffallend gut aufgestellte Gruppen: die Weberstädter CDU, das Anna Stift und der Irmgardis-Kindergarten in Hülm. Die größte Gruppe stellte allerdings das Kolping Karneval Komitee Goch, gleich 48 Mitglieder brachten sie an den Start. Doch damit nicht genug: Mit Max Jürgens hatten die Jecken gleich auch den Sieger des Hobbylaufs in ihren Reihen. Er benötigte für zwei Kilometer 6:22 Minuten und hatte damit fast eine Minute Vorsprung auf seinen ersten Verfolger, Jannis Görtz aus Marienthal. „Ich wollte gewinnen und habe gewonnen. Es lief im Grunde alles perfekt“, sagte Jürgens. Er habe zuletzt aber auch viel trainiert, sei zudem aufgrund seiner Aktivitäten auf dem Fußballplatz fit. Schnellste Frau über die Hobbystrecke war Manuela Graaf-Loosen von der evangelischen integrativen Kindertagesstätte Goch.

Beim Lauf der Minis trauten sich gleich 328 Nachwuchssportler an den Start. Sie konnten sich des Applauses von der Seitenlinie sicher sein. Und wer nicht gleich dem vorauseilenden Tross nachzog, orientierte sich gerne auch an der Hand von Mama und Papa. Führend war dort Patrice Stulier vom Kindergarten in Hommersum. Er benötigte für 300 Meter 1:15 Minuten. Sein weibliches Pendant war Tessa Kauling.  Sie war nur knapp zwei Sekunden langsamer. Der abschließende Lauf des sonnigen Nachmittags war die Königsdisziplin über fünf Kilometer. Johannes Artz hatte im Vorfeld die Vermutung geäußert, dass kein Athlet eine 16-Minuten-Zeit schaffen würde. Immerhin waren einige Protagonisten der hiesigen Laufszene nicht gemeldet. Doch Artz´ Prognose war ein Schuss ins Blaue: Zwar knackte niemand den Streckenrekord von Tim Schüttrigkeit (15:27 Minuten).

Marcel Gnoß vom SV Sonsbeck aber lief schon nach 16:20 Minuten ins Ziel. „Das war für mich ein perfektes Wochenende. Am Samstag habe ich schon beim Donkenlauf in Neukirchen-Vluyn gewonnen, nun hier beim Steintorlauf“, sagte er. Dabei knackte er gleich auch seine eigene Bestzeit um fünf Sekunden. „Ich habe gleich vom Start weg geführt. Aber wenn man jemanden wie Florian Falkenthal hinter sich hat, ist es immer stressig“, sagte Gnoß. Der Klever war final nur 21 Sekunden langsamer als Gnoß, Mindaugas Minevicius wurde mit einer Zeit von 17:03 Minuten Dritter.

Doch die Fünf-Kilometer-Distanz war ohnehin geprägt von starken Läufern aus Sonsbeck. Auch die schnellste Frau ging nämlich für die „roten Teufel“ an den Start: Theresa Stevens. Sie erreichte nach 19:41 Minuten das Ziel. „Heute lief es sehr viel besser als erwartet. Ich habe vorher nicht geschaut, wer gemeldet ist und wollte einfach mein Ding machen. Rückblickend kann ich sagen, dass mir das ziemlich gut gelungen ist“, sagte Stevens nach ihrer Höchstleistung völlig entkräftet. Zweitschnellste Läuferin war Maja Reuter aus Stoppenberg nach 22:18 Minuten. „Auch in diesem Jahr haben wir hier wieder ein Spektakel für die ganze Familie gesehen. Die Stimmung im Zieleinlauf vergisst man nie wieder“, sagt Ferdi van Heukelom, Moderator der Großveranstaltung. Wie Recht er hat: Die 27. Auflage schrieb Geschichte - eine große, und ganz viele kleine.

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