Fußball : "So etwas noch nie erlebt"

Fußball-Schiedsrichter Kevin Sattler (18) musste am Sonntag das Kreisliga-B-Spiel zwischen Fortuna Keppeln und dem GSV Geldern II beim Stand von 3:3 in der Nachspielzeit abbrechen, da Spieler und Zuschauer den Platz stürmten.

Drei Gelderner Spieler flogen bereits zuvor vom Platz. Im Interview spricht der Auszubildende zum Groß- und Außenhandelskaufmann, der seit fünf Jahren Schiedsrichter ist, über die Gründe.

Herr Sattler, was genau ist in Keppeln passiert?

Sattler In der dritten Minute der Nachspielzeit riss ein Keppelner Spieler einen Akteur aus Geldern, der alleine auf den Torwart zugelaufen wäre, etwa 25 Meter vor dem Tor um. Ich habe ihm die Rote Karte gezeigt. Als ich das notieren wollte, habe ich gesehen, wie ein Spieler von Geldern auf ihn zulief und vermutlich schlagen wollte.

Ist ihm das gelungen?

Sattler Nein, er ist vorher gestolpert. Daraufhin kam es aber zu einer Rudelbildung, an der sich auch bereits vom Platz verwiesenen Spieler, Auswechselspieler und Zuschauer beteiligten.

Warum kam es zum Spielabbruch?

Sattler Ich wurde von einem Spieler bedroht. Eine sichere Fortführung des Spiels war nicht gewährleistet — auch, wenn es nur noch wenige Minuten gedauert hätte.

Was haben Sie dann gemacht?

Sattler Ich bin in die Kabine gegangen und habe die Tür hinter mir abgeschlossen. Nach einem Telefonat mit Andreas Mohn (Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses, Anm. der Red.) habe ich einen Sonderbericht über das Geschehen verfasst.

Wie haben die Trainer Udo Hübbers (Keppeln) und Rolf Niersmans (Geldern) reagiert?

Sattler Vorbildlich. Bereits während des Spiels haben sie versucht, ihre Spieler zu beruhigen. Nach dem Spiel haben sie sich für das Verhalten ihrer Teams entschuldigt.

Wie geht es jetzt weiter?

Sattler Der Sonderbericht ging am Montag an Andreas Mohn und den Staffelleiter. In die Entscheidung über die Wertung des Spiels bin ich nicht involviert.

War es Ihr erster Spielabbruch?

Sattler Ja. Szenen wie am Sonntag habe ich zuvor in anderthalb Jahren, die ich im Seniorenbereich pfeife, nicht erlebt. Und ich denke auch nicht, dass so etwas auf Kreisebene üblich ist.

Wie konnte es überhaupt zu einer solch hitzigen Atmosphäre kommen?

Sattler Ich habe bereits in den ersten Minuten gemerkt, dass beide Teams sehr ruppig zur Sache gehen. Ich habe versucht, mit den Spielern zu reden und sie zu beruhigen.

Das scheint nicht geklappt zu haben...

Sattler Ich musste elf Gelbe Karten zeigen, zudem zwei Gelb-Rote wegen wiederholten Foulspiels und zusätzlich zu der Roten Karte wegen der Notbremse bereits zuvor eine Rote wegen Schiedsrichterbeleidigung.

Christian Spolders führte das Gespräch.

(RP)
Mehr von RP ONLINE