Erfolgsgeschichte Siegfried Materborn ist eine Klasse für sich

Kleve · Die Frage, wer Meister in der Gruppe eins der Fußball-Kreisliga B wird, stellt sich schon lange nicht mehr, obwohl der Materborner Spielertrainer Sebastian Eul davon nichts wissen will. Zu beeindruckend ist die Bilanz des Spitzenreiters.

 Der Innenverteidiger als Torjäger: Sebastian Eul hat 34 Tore erzielt – nur zehn Spieler der neunthöchsten Klasse sind in Deutschland besser.

Der Innenverteidiger als Torjäger: Sebastian Eul hat 34 Tore erzielt – nur zehn Spieler der neunthöchsten Klasse sind in Deutschland besser.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Die Frage nach dem Meister in der Gruppe eins der Fußball-Kreisliga B Kleve/Geldern stellt sich eigentlich schon seit Monaten nicht mehr. Zu souverän hat Siegfried Materborn bislang aufgetrumpft, zu groß ist der Vorsprung des Spitzenreiters vor den Verfolgern 13 Partien vor dem Ende der Saison schon, zu beeindruckend ist die Bilanz der Mannschaft von Spielertrainer Sebastian Eul. Doch vorzeitige Glückwünsche zum Titelgewinn wehrt der 38-Jährige noch ab und tut das, was wohl jeder Coach in seiner Situation tun würde. Er setzt beim Thema Aufstieg noch auf relativ kontrollierte Defensive und sagt ein Sätzchen auf, das eigentlich fünf Euro für das Phrasenschwein wert wäre: „Noch haben wir nichts erreicht.“

Der Innenverteidiger, der früher für den MSV Duisburg II und den 1. FC Bocholt in der Oberliga aufgelaufen ist, hat mit dieser Aussage recht und wiederum nicht. Natürlich ist die Meisterschaft noch nicht in trockenen Tüchern. Doch erreicht hat Sebastian Eul mit seiner Mannschaft schon eine ganze Menge. Zum Beispiel, dass die Teams, die in der Tabelle direkt hinter dem Spitzenreiter stehen, das Thema Meisterschaft für sich schon abgehakt haben. Denn zu dominant ist Siegfried Materborn bislang aufgetreten, was ein Blick auf das Klassement eindrucksvoll unterstreicht.

15 Spiele, 15 Siege, 122:21-Tore – wenn das nicht die Zwischenbilanz eines künftigen Meisters ist. Auch wenn Eul anmerkt, „das es schon ein paar Gegentore weniger hätten sein können“. Alleine sieben Partien gewann Materborn zweistellig. Der höchste Erfolg war das 15:3 gegen Viktoria Goch III im letzten Spiel vor der Winterpause, mit dem die Mannschaft noch einmal eindrucksvoll ihre Ausnahmestellung in der Liga demonstriert hat. Relativ knapp war es vom Ergebnis her nur beim 3:1 gegen A-Liga-Absteiger SG Keeken/Schanz. Der Tabellenzweite DJK Appeldorn, der schon elf Punkte zurückliegt, wurde mit 4:1 bezwungen.

Doch all diese Zahlen interessieren Sebastian Eul in dem Wissen nicht, dass Siegfried Materborn, wenn überhaupt, eigentlich nur noch von einem Team gestoppt werden kann: von sich selbst. Deshalb spricht der Trainer nicht davon, dass der Weg zur Meisterschaft nur noch ein Spaziergang sei, wovon auszugehen ist. Eul sagt stattdessen: „Wir müssen weiter konzentriert bleiben.“ Schließlich hat man ja noch nichts erreicht.

Das stimmt wiederum deshalb, weil im Falle des Aufstiegs die Kreisliga A nicht die Endstation für Siegfried Materborn sein soll. Mittelfristig soll es wenigstens hinauf in die Bezirksliga gehen. Dort ist der Klub von 2007 bis 2014 aufgelaufen, nachdem nach zwei Jahren in der Verbandsliga aus finanziellen Gründen der Rückzug in diese Klasse notwendig geworden war. 2015 ging es dann runter in die B-Liga, die der Klub wohl in wenigen Wochen wieder verlassen wird. Beinahe wäre dies in der vergangenen Spielzeit schon gelungen. Der Aufstieg war bis zum letzten Spieltag möglich – doch der um zwei Punkte bessere Meister SGE Bedburg-Hau II gab sich im Endspurt keine Blöße mehr.

Siegfried Materborn hat das Team, das so knapp gescheitert war, dann beieinander gehalten und in Dennis Thyssen, der zuvor Spielertrainer der DJK Kalkar war, noch eine erhebliche Verstärkung erhalten. Deshalb stellte sich für die meisten Konkurrenten in der Liga schon vor dem Start in die Saison die Frage nach dem Meister nicht mehr. Jetzt scheint alles nur noch eine Formsache für Sebastian Eul und seine Spieler zu sein. „Wenn wir so weitermachen, dann wird es schwer, uns noch aufzuhalten“, sagt Eul. Und damit die Dinge auf dem Rasen weiter so laufen wie bisher, hält er den Ball beim Thema Aufstieg noch so flach, damit sich ja keine Überheblichkeit einschleicht bei seinen Kickern.

Vor künftigen Aufgaben im Oberhaus des Fußball-Kreises Kleve/Geldern ist dem Coach dabei nicht bange. „Wir haben eine Mannschaft, die in der Kreisliga A bestehen wird“, sagt Eul. Längst hat der größte Teil des Teams schon seine Zusage für eine weitere Saison gegeben. Der Trainer, seit 2020 im Amt, hatte sich ohnehin schon vor geraumer Zeit länger an Siegfried Materborn gebunden. Der Verein und der Übungsleiter haben sich im Herbst 2021 auf eine Zusammenarbeit bis 2025 verständigt, um, so Eul, „langfristig planen zu können bei dem interessanten Projekt, das wir bei Siegfried Materborn haben“.

Der 38-Jährige hat keine Zweifel daran, dass die Ziele dieses Projekts erreicht werden. Gleich mehrere Gründe sprechen für ihn dafür. „Wir haben eine tolle Anlage. Wir haben eine gute Jugendarbeit. Wir haben eine Mannschaft, in der die Mischung aus Routiniers und jungen Akteuren mit Potenzial stimmt. Und wir haben ein Team, in dem fast ausschließlich Spieler stehen, die eine unfassbar hohe Identifikation mit dem Verein haben“, sagt Sebastian Eul.

Und die Mannschaft hat einen Spielertrainer, der auf den letzten Metern einer langen Laufbahn plötzlich in einer ungewohnten Rolle ist. Er trifft und trifft und trifft. Der Innenverteidiger führt nicht nur die Torjägerliste der Gruppe mit 31 Treffern vor seinen Teamkollegen Dennis Thyssen (25) und Miguel Wurring (19) an. Er ist auch einer der torgefährlichsten Spieler bundesweit in der neunthöchsten Klasse.

Sebastian Eul, der in dieser Saison auch drei Mal für die in der gleichen Gruppe spielende zweite Mannschaft getroffen hat, steht mit 34 Toren auf Platz elf in der Rangliste, die Muhammed Allkan (Rhenania Bottrop II) mit 45 Treffern anführt. „Ich profitiere dabei von meinem guten Kopfballspiel und habe außerdem die Gelegenheit, mich als Abwehrspieler oft in den Angriff einzuschalten. Das lässt die Situation halt zu“, sagt Sebastian Eul. Denn seine Mannschaft schwebt in der Liga nun einmal über den Dingen.