Fußball: Schiri-Mangel: Zu wenige wollen an die Pfeife

Fußball : Schiri-Mangel: Zu wenige wollen an die Pfeife

Ein Fußballspiel kann nicht ohne einen Schiedsrichter ausgetragen werden. Doch die werden immer mehr zur Mangelware.

Jedes Wochenende liegt eine große Verantwortung in ihren Händen. Ohne sie geht es nicht, und doch wird ihre Arbeit kaum geschätzt. Schiedsrichter haben es auf dem Fußballplatz oft nicht leicht. "Gerade die häufigen Angriffe im Ruhrgebiet schaden uns", sagt Holger Hahn, kommissarischer Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichterausschusses und selbst langjähriger Referee. Zwar gehe es dem Fußballkreis Kleve/Geldern in dieser Hinsicht noch relativ gut, aber die Berichte über verprügelte Schiedsrichter kämen auch im Kleverland an und wirken auf mögliche junge Anwärter abschreckend.

Dabei werden Unparteiische dringend gesucht. Wochenende für Wochenende hat Hahn Probleme, alle Partien in den unteren Bereichen mit Schiedsrichtern zu besetzen. "In der C-Liga können wir nur noch zu wenigen Spielen einen schicken", bestätigt Hahn. Das Problem wird bald auch die Kreisliga B betreffen, künftig vielleicht sogar die A-Liga. "Zum jetzigen Zeitpunkt benötigen wir im Prinzip jeden Schiedsrichter an jedem Sonntag", sagt Hahn. Dabei sei dies unmöglich. Es sind Studenten darunter, die nicht an jedem Wochenende zur Verfügung stehen. Einige ältere Schiedsrichter helfen noch aus, die aber auch nicht immer pfeifen können. Darüber hinaus habe natürlich jeder Schiedsrichter ein Privatleben, auch am Wochenende.

Von den 150 aktiven Schiedsrichtern, die der Fußballkreis Kleve/Geldern derzeit stellt, fallen also an jedem Spieltag einige weg. Damit sich die Situation entspannt, benötige der Kreis 200 Schiedsrichter, sagt Hahn. "Wir haben in den Gremien schon häufig überlegt, wie man das Problem lösen könnte." Doch den Königsweg gebe es einfach nicht.

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Die Gesamtschule Mittelkreis aus Goch bietet beispielsweise in regelmäßigen Abständen Schiedsrichterlehrgänge an, in denen sich Schüler neben der Schule als Schiedsrichter ausbilden lassen können. So ist auch Lars Aarts zur verantwortungsvollen Aufgabe gekommen. Er hat bislang nur gute Erfahrungen gemacht, weiß aber auch, dass Pöbeleien von Trainern, Betreuern, Spielern oder gar Eltern keine Seltenheit sind. "Da kommt es aber auch darauf an, wie man sich als Schiedsrichter gibt", entgegnet Aarts, der aus seinem zeitintensiven Hobby auch viel lernt: "Ich bin selbstbewusster geworden und habe neue Freunde kennengelernt. Besonders die Fahrten als Gespann sind schön." Er könne sein Hobby nur jedem weiterempfehlen.

Trotzdem erfüllen nur 23 von 59 Vereinen aus dem Fußballkreis ihr Mindeskontingent, das anhand der gemeldeten Mannschaften im Senioren- und dem Jugendbereich errechnet wird. Im Nordkreis weisen 15 Vereine ein Defizit auf, wofür in der laufenden Saison immerhin ein Gesamt-Strafmaß in Höhe von 4000 (!) Euro fällig wird. Da käme man billiger weg, wenn man das Geld in die Schiedsrichter investiert, ihnen die Ausrüstung bezahlt und eventuell den Mitgliedbeitrag erstattet.

Die meisten Vereine aus dem handhaben das auch so. Sie sehen darin auch nicht das Problem. Sie erklären einstimmig, dass sie einfach keinen finden, der dieses Amt erlernen und ausführen möchte. Die meisten Jugendlichen wollen lieber mit ihren Freunden weiter Fußball spielen. Ob erfolgreich oder nicht. Aufstiegschancen hätten viele von ihnen als Schiedsrichter sicherlich höhere. "Ich zum Beispiel hätte als Fußballer nie so hoch spielen können, wie ich gepfiffen habe", gibt Hahn zu. Auch die Bundesliga-Schiedsrichter Guido Winkmann und Martin Thomsen sind Beispiele dafür. Als Frau seien die Aufstiegschancen sogar noch um ein Vielfaches höher, betont Hahn.

Alle Vereine bestätigen zwar, dass sie Werbung vor allem in der Jugend machen würden und auch lieber in Schiedsrichter investieren als die Strafe bezahlen wollen, doch zum Lehrgang melden sich immer zu wenige an. "Wir kriegen gerade mal eine Mannschaft zusammen", erklärt beispielsweise ein Vertreter eines Dorfvereins, der darin den Grund sieht, warum sich bei ihm keine angehenden Schiedsrichter melden. Eine funktionierende Jugendarbeit sei Bedingung. Denn Referees kämen, wenn überhaupt, nur aus der Jugend.

Die SGE Bedburg-Hau, die bis 2013 kaum Probleme hatte, genügend Schiedsrichter zu stellen, hat in diesem Jahr ihr Soll von vier Schiedsrichtern gerade so erfüllen können. "Es haben sich zwei Jugendliche gemeldet, die allerdings auch noch Fußball spielen. Irgendwann müssen sie sich entscheiden: spielen oder pfeifen", erklärt Carsten van Heesch von der Sportgemeinschaft. Dann könnte der Verein ebenfalls wieder zwei Referees zu wenig haben, denn beides zusammen ist auf Dauer nicht zu vereinbaren. Der allgemeine negative Trend würde dann auch die Hasselter und Schneppenbaumer treffen.

Vorzeige-Vereine im Norden sind etwa der SV Nütterden oder der Uedemer SV, die hinsichtlich der Schiedsrichter deutlich im Plus liegen. Wobei selbst das nur Momentaufnahmen sein können. "Wir hatten das Glück, dass bei uns sechs Anwärter auf einmal kamen, die den Lehrgang absolvieren wollten. Das sind aber auch alles aktive Fußballer, die sich irgendwann entscheiden müssen", erklärt Stefan Exner, Jugendobmann beim USV, der in seinen Jugendmannschaften unermüdlich Werbung für die Schiedsrichter-Lehrgänge macht. Dass sich aber gleich sechs Anwärter meldeten, sei jedoch Zufall gewesen. "Ich war auch überrascht", gesteht Exner, der dadurch die Zukunft beim USV in Sachen Schiedsrichter längst nicht gesichert sieht. Bei den anderen Vereinen im Fußballkreis dürfte es nicht anders sein.

(pets)
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