Kleve-Warbeyen : Mit Sandro Scuderi in die Regionalliga

Frauenfußball: Die Niederrheinliga-Elf des VfR Warbeyen wird ab der Spielzeit 19/20 von Sandro Scuderi betreut. Der 39-Jährige ist aktuell bei Borussia Mönchengladbach aktiv. Das langfristige Ziel: der Aufstieg in die Regionalliga.

Johnny Jansen ist so etwas wie das Stimmungsbarometer des VfR Warbeyen. „In fast jeder Funktion habe ich dem Verein bereits gedient. Außerdem bin ich Edelfan der Frauen“, sagt er am Dienstagmorgen auf dem Weg zum Pressegespräch seines Vereins in der Skylounge, der sechsten Etage des alten Hotels Cleve. Dort soll der neue Cheftrainer des VfR Warbeyen vorgestellt werden, angekündigt wurde „ein nächster Schritt der Professionalisierung“.

Jansen kennt alles und jeden bei den Schwarz-Weißen und besucht jedes Spiel „seines“ Frauen-Teams. Doch er war im Unklaren gelassen worden, wer zukünftig an der Seitenlinie Platz nimmt. Als Jansen aus dem Aufzug tritt und in die Arme von Sandro Scuderi läuft, bricht es aus ihm heraus. „Nein, das glaub ich jetzt nicht“, sagt er und wirkt euphorisch. Eine faustdicke Überraschung. Neuer Trainer des VfR Warbeyen wird ein junger Mann mit großem Namen und verschmitztem Lächeln: Sandro Scuderi. „Das ist ein Meilenstein für unseren Verein, der viele Kräfte freisetzen wird“, sagt Christian Nitsch, Gastgeber und erster Vorsitzender des Klubs.

Doch erst einmal ein Blick auf die Gegenwart: Die Frauenmannschaft des VfR Warbeyen rangiert als Aufsteiger in der Niederrheinliga an neunter Stelle, der Klassenerhalt scheint perfekt. Doch das Trainerduo Ulrich Goris und Detlef Janssen teilte der Vereinsführung mit, dem vierjährigen Engagement am Duvenpoll zur neuen Spielzeit ein Ende setzen zu wollen. „Wir sind Ulrich und Detlef unglaublich dankbar. Das kann man gar nicht häufig genug sagen“, erklärt Nitsch. Nicht nur der Aufstieg, auch die Gestaltung des personellen Umbruchs im Sommer sei ihnen hoch anzurechnen. Damals mussten sie dem Kader eine Verjüngungskur verpassen.

Nun plant der Verein groß und setzt auf Sandro Scuderi als neuen starken Mann an der Seitenlinie. Der 39-jährige Familienvater ist als sportlicher Leiter beim Bezirksligisten Kevelaerer SV aktiv und in diesem Jahr als Co-Trainer Mitglied im Betreuerstab der Frauen-Bundesligaelf von Borussia Mönchengladbach. „Ich bin fußballinfiziert“, sagt Scuderi. In seiner Vita stehen bereits Gastspiele als Trainer der Landesligaaufgebote des SV Sonsbeck und des SV Straelen. Bei all seinen Stationen hinterließ er nachhaltig positiven Eindruck, insbesondere die Spieler schwärmten von einem Coach, der nah an der Mannschaft sei und auch taktisch klare Vorstellungen habe. Zuletzt beschäftigte sich Sonsbeck gar mit einer Rückkehr des Übungsleiters. Zudem ist er mit der A-Lizenz als Stützpunkttrainer des DFB unterwegs.

„Sandro hat einen Ruf wie Donnerhall und passt charakterlich perfekt zu uns“, sagt Sven Rickes, Trainer der U17-Mannschaft, die in diesem Jahr in der Regionalliga spielt. Die Erwartungen an Scuderi sind groß, die Zielsetzung mindestens ebenso ambitioniert. „Vor allem wollen wir die Anlaufstelle schlechthin für Talente der Region sein, die nicht immer nach Mönchengladbach, Essen oder Duisburg fahren können“, sagt Scuderi. Langfristig aber wolle er den Aufstieg in die Regionalliga ins Visier nehmen. Dafür müsse sich die junge Truppe stetig weiterentwickeln. „Dieses langfristige Ziel braucht Zeit“, sagt Scuderi.

Rickes, der in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Antreiber des Projekts „Kämpferherzen“ geworden ist, nennt den Neuzugang eine „Wunschlösung, um den nächsten Schritt zu gehen“. Mit Scuderi sei ein fließender Übergang der besten Juniorinnen in den Seniorenbereich garantiert. „Das ist für uns ein Meilenstein, wenn man bedenkt, dass wir vor acht Jahren mit neun Mädels gestartet sind. Sandro wird für mehr Professionalität sorgen und auch uns als Trainer weiterbringen. Im Vergleich zu ihm habe ich vom praktischen Fußball keine Ahnung“, sagt Rickes.

Scuderi wird ebenfalls die didaktische Leitung des Talentförderzentrums der Kämpferherzen übertragen. Im TFZ gehen knapp 70 Mädchen der Altersklassen U11 bis U17 ihrem Hobby Fußball leistungsorientiert nach. Die Stützpfeiler der Kämpferherzen werden von gleich drei Vereinen der Region gestellt: VfR Warbeyen, 1. FC Kleve und SV Bedburg-Hau. Wenn die Platzverhältnisse es zulassen, wird der Spielbetrieb der Kämpferherzen, die für den SV Bedburg-Hau an den Start gehen, am Duvenpoll in Warbeyen durchgeführt. Das aber sei nicht immer möglich, wie Nitsch erklärt. So habe man es zuletzt erst mit einem Maulwurf zu tun gehabt, der den Spielbetrieb lahmlegte. In diesen Fällen weichen die Mannschaften des TFC auf die Kunstrasenplätze des 1. FC Kleve aus. Die wichtigsten Spiele der B-Juniorinnen wurden gar in der Getec-Arena des Oberliga-Klubs ausgetragen.

Der Plan sieht vor, dass Jugendspielerinnen nach dem Ende ihrer Ausbildungszeit beim SV Hau zu den Frauen des VfR wechseln. „Die Kooperation der Vereine verläuft geräuschlos. Die Zeit des Kirchturmdenkens ist längst vorbei“, sagt Nitsch. Rickes unterstreicht: „Ohne die Zusammenarbeit mit dem FC hätten wir nicht eine einzige Saison durchtrainieren können“, sagt er.

Auch  seine Tochter Chloé Rickes, die die Talentschule durchlaufen hat und nun für den VfR gegen den Ball tritt, zeigt sich über die Verpflichtung Scuderis angetan: „Das Ziel Regionalliga hört sich gut an, da ziehen wir gerne mit.“ Ehe allerdings die Erwartungshaltung Überhand nimmt, bringt Scuderi sein Engagement mit niederrheintypischer Bescheidenheit auf den Punkt: „Hier wird angepackt. Da will ich mittun.“ So wundert es kaum, dass auch Johnny Jansen zufrieden ist: „Das ist eine gute Wahl“. Das Stimmungsbarometer des VfR Warbeyen schlägt aus - nach ganz oben.

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