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RSV-Praest: Trainer Roland Kock ist stolz auf seine punktlose Mannschaft

Roland Kock : „Die Mannschaft hat Charakter bewiesen“

Der Trainer des Fußball-Landesligisten spricht über seine 18. und bislang schwerste Saison beim RSV Praest. Außerdem erklärt er, wie es nach dem Abstieg künftig in der Bezirksliga weitergehen soll.

Die Mannschaft rackert, muss sich trotz seit Wochen aussichtsloser Lage in Sachen Einstellung wirklich überhaupt keinen Vorwurf machen und wird in schöner Regelmäßigkeit vom Gegner für ihre couragierten Auftritte und ihren nimmermüden Einsatz gelobt. Trotzdem steht nach 24 Spielen in Sachen Punkten immer noch die Null beim Fußball-Landesligisten RSV Praest. Zwei Chancen hat das Schlusslicht noch, dies zu ändern – die bessere wohl am morgigen Sonntag, 15 Uhr, im letzten Heimspiel der Saison gegen den Drittletzten TSV Meerbusch II. Roland Kock, 55-jähriger Trainer des RSV, spricht im Interview über eine schwere Zeit, die Hoffnung, doch noch punkten zu können, und das nächste Jahr in der Bezirksliga.

Hand aufs Herz: Wie froh sind Sie, wenn diese Saison endlich vorbei ist?

Roland Kock Wenn man nach 24 Spielen noch keinen Punkt gewonnen hat, dann sehnt man das Ende der Saison selbstverständlich herbei. Wir sind froh, wenn wir diese Spielzeit in einigen Tagen abhaken und dann in der Bezirksliga einen Neustart mit einigen neuen jungen Leuten angehen können. Allerdings kam die ganze Entwicklung so überraschend für uns auch nicht. Wir wussten, dass wir vor einer schweren Saison stehen, nachdem wir in der wegen Corona abgebrochenen Spielzeit zuvor in acht Partien auch schon nur einen Punkt gewonnen hatten. Wir hatten allerdings natürlich nicht damit gerechnet, dass wir ohne Punkt auf dem Konto in den vorletzten Spieltag gehen würden.

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Haben Sie eine Erklärung für die bisherige Nullnummer?

Kock Entscheidend war, dass sich vom ersten Spieltag bis jetzt erhebliche Personalprobleme wie ein roter Faden durch die Saison gezogen haben. Natürlich wäre es auch in Bestbesetzung sehr schwer gewesen, den Abstieg zu vermeiden. Doch ich hätte uns schon zugetraut, die Saison mit einer zweistelligen Punktzahl zu beenden. Viele Gegner haben ja nicht von ungefähr gesagt, dass sie es nicht verstehen können, dass wir immer noch ohne Punkt dastehen.

Ist Ihre 18. Spielzeit als Trainer beim RSV Praest auch die bislang schwerste?

Kock Das kann man uneingeschränkt so sagen. So etwas habe ich noch nie erlebt – nicht nur, was die Personalprobleme angeht. Ich habe früher als Spieler mit meinen Vereinen eigentlich in der Regel oben mitgespielt. Und auch als Trainer in Praest gab es anschließend viele Erfolge, schließlich sind wir von der B-Liga in die Bezirksliga und dann auch zweimal in die Landesliga aufgestiegen. Und jetzt 24 Spiele ohne Punktgewinn – das nagt an einem Trainer. Es war eine wahnsinnige Aufgabe, den Spielern, aber auch mir selbst, zu vermitteln, weiter positiv an die Sache heranzugehen, sich nicht hängenzulassen, nicht aufzugeben.

Haben Sie nie daran gedacht, die Brocken hinzuwerfen?

Kock Das habe ich wirklich nicht. Wir haben in den 18 Jahren, die ich beim RSV Praest als Trainer arbeite, etwas aufgebaut. Da wirft man nicht so leicht hin. Ich habe zudem immer die Rückendeckung des Vorstands gehabt. Auch er wusste ja, dass es nicht am Trainer-Team oder den Spielern liegt, die alles gegeben haben, sondern die Situation in erster Linie unserer personellen Misere geschuldet ist. Wir haben in der Konstellation nicht die Qualität für die Landesliga gehabt, waren teilweise überfordert. Doch Vorstand, Spieler und Trainer haben sich schon vor Monaten vorgenommen, dass wir die Sache durchziehen und versuchen, uns so gut wie möglich zu verkaufen. Ich glaube, das ist uns auch gelungen, obwohl wir noch keinen Punkt gewonnen haben.

Wie wichtig wär es denn, in den letzten beiden Spielen gegen den TSV Meerbusch II und beim VfR Fischeln noch zu punkten?

Kock Es würde mich vor allem für meine Spieler riesig freuen. Es ist eine Sache, als Trainer die Mannschaft von Woche zu Woche in der Lage, in der wir stecken, zu motivieren. Die andere Sache ist es aber, wie die Jungs das dann auf dem Platz umsetzen. Das haben sie hervorragend gemacht, die Mannschaft hat wirklich Charakter bewiesen. Deshalb hätte sie es mehr als verdient, wenn wir noch einmal punkten würden. Wir werden bis zur letzten Minute auch alles versuchen, das zu schaffen. Und wenn es nicht mehr klappen sollte, dann geht es auch weiter.

Ihre Mannschaft ist immer wieder von der Konkurrenz für Ihr Engagement gelobt worden. Macht das die Situation leichter?

Kock Ich glaube, dass es wichtig ist, wenn man mit erhobenem Haupt aus so einer Saison gehen kann. Und das können wir, weil wir Spiel für Spiel alles versucht und an uns geglaubt haben. Und wir waren ja einige Male auch nah dran an einem Punktgewinn.

Was erwarten Sie von der neuen Saison in der Bezirksliga? Haben Sie die Sorge, eventuell durchgereicht zu werden?

Kock Wir sollten die Bezirksliga mit aller Vorsicht angehen und nicht glauben, dass es ein Selbstläufer wird. Auch in der Bezirksliga wird guter Fußball gespielt. Wir müssen sehen, dass wir wieder Spiele gewinnen, dadurch wieder mehr Spaß am Fußball haben und Selbstvertrauen sammeln.

Sie gehen in Ihre 19. Saison als Trainer des RSV Praest. Haben Sie nie daran gedacht, einmal den Verein zu wechseln?

Kock Man soll niemals nie sagen. Aber bislang war das nicht der Fall, wobei ich schon einmal darüber nachgedacht habe, eine Pause einzulegen. Ich würde auch nicht sagen, dass der RSV Praest meine letzte Station als Trainer sein wird. Ich lasse das alles auf mich zukommen. Aktuell fühle ich mich beim RSV wohl und bin stolz auf das, was wir als Dorfverein erreicht haben. Daran kann auch diese Saison nichts ändern.