1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Sport Kleve und Goch

Fußball: Rätsel um das VfB-Grundstück

Fußball : Rätsel um das VfB-Grundstück

Die Gläubiger des 1. FC Kleve sind für den 4. September zur Abstimmung über den Insolvenzplan eingeladen. Unabhängig von dem Verfahren gibt es Diskussionen um eine Parzelle, auf dem das ehemalige Platzhaus des VfB 03 Kleve steht.

Es ist ein Dienstag, an dem über das Schicksal des 1. FC Kleve entschieden wird. Rechtsanwalt André Dobiey, Sprecher des Insolvenzverwalters Eberhard Stock, erklärte, dass die Grundlage für den Weiterbestand des Vereins geschaffen sei. Jetzt müssten die etwa 80 Gläubiger auf die stolze Summe von etwa vier Millionen Euro verzichten und einer Quotenerwartung von einem Prozent zustimmen. Dies soll am 4. September im Klever Amtsgericht geschehen.

Abseits des Insolvenzverfahrens ist ein ein Grundstück in den Mittelpunkt gerückt, das in einem für die Stadt Kleve nicht unwichtigen Areal liegt. Es geht um die Parzelle, auf der das ehemalige Platzhaus und die Umkleidekabinen des VfB 03 Kleve stehen. Eigentümer dieses Geländes ist der 1. FC Kleve. Der Verein hatte einst das Grundstück von der Stadt Kleve übertragen bekommen. Im Rahmen dieser Übertragung wurde gleichzeitig eine Rückerwerbsvormerkung für die Stadt Kleve ins Grundbuch eingetragen. Etwa für den Fall, dass dieses Grundstück anderweitig genutzt wird – zum Beispiel als Bauland.

Später haben die Volksbank Kleverland und die NRW Bank im Rahmen einer Finanzierung Grundschulden auf dieses Grundstück zur Besicherung von Krediten eintragen lassen. Es soll sich um etwa 200 000 Euro gehandelt haben. Die Stadt Kleve hat dafür den Banken einen Rangvortritt eingeräumt: Damit rückte die Kommune im Juni 2006 im Grundbuch hinter die Geldinstitute zurück. Die Parzelle ist aktuell von Bedeutung, da auf dem kompletten Gelände rund um den ehemaligen Platz des VfB an der Merowingerstraße eine "ökologische Siedlung mit alternativen Wohnformen" errichtet werden soll.

Die Stadt Kleve pocht nun darauf, wie aus dem Umfeld des 1. FC Kleve zu hören ist, dass der Verein die Rückübertragungsverpflichtung für das einst zur Verfügung gestellte Grundstück einhält. Doch da ist die Stadt ein Opfer der Geschichte geworden. Der Verein kann durch die Insolvenz seine Verpflichtung, die Parzelle lastenfrei zurück zu übertragen, nicht mehr erfüllen und die Banken machen ihre Verwertungrechte geltend. Frank Ruffing, Vorstandsvorsitzende der Volksbank Kleverland, erklärt unmissverständlich: "Wir wollen natürlich den Gegenwert für die Sicherheit haben. Und um dieses einzulösen, kämen in erster Linie zwei in Frage – der Verein oder die Stadt." Nun sieht es beim Verein so aus, dass in der jüngsten Vergangenheit höchstens noch die Eckfahnen schuldenfrei waren. Bliebe nach Ruffings Rechnung also nur noch die Stadt als Abnehmer.

Die Stadt Kleve hat gemeinsam mit der Volksbank einen neutralen Sachverständigen das Gelände begutachten lassen und der hat festgestellt, dass die Parzelle den Wert besitzt, den sich die Banken auch ausgerechnet haben. Ruffing steht allen Vorschlägen der Stadt Kleve offen gegenüber: "Man könnte das Grundstück gegen ein anderes tauschen, wir sind gesprächsbereit, und wir werden wohl auch eine Lösung finden." Eins macht der Voba-Chef jedoch klar: "Es ist das Kapital unserer Kunden, mit dem wir sorgsam umzugehen haben. Wir können doch kein Geld verschenken." Nun gibt es Stimmen aus der Politik, die sagen, auch die Stadt hätte eigentlich kein Geld zu verschenken, denn man verwalte schließlich das Vermögen der Bürger. So sieht es jedenfalls Wolfgang Gebing, Sprecher der CDU-Fraktion im Klever Rat: "Die Thematik wurde in Ausschusssitzungen besprochen. Die Politik verlangt von der Verwaltung eine Erklärung, warum seinerzeit ein Rangrücktritt erklärt worden ist. Die Verwaltung wird in einer der nächsten Sitzungen informieren. Auch die Stadt hat keinen Anlass, Vermögenswerte grundlos, ohne Gegenleistung, aufzugeben."

Jürgen Rauer, Technischer Beigeordneter der Stadt Kleve, erklärt, dass die besagte Parzelle lediglich als Grünfläche in dem neuen Baugebiet ausgewiesen sei. Zu den genauen Hintergründen konnte Rauer keine Angaben machen. Sollten das Platzhaus und die schäbigen, vor sich hin gammelnden Umkleidekabinen stehen bleiben und rundherum Häuser gebaut werden, so hätte die Stadt auf jeden Fall einen Teil ihres Bauprojekts verwirklicht: nämlich alternative Wohnformen zu schaffen.

(RP)