Fußball : Plötzlich im Mittelpunkt

Der Klever Fußball-Schiedsrichter Martin Thomsen leitete überraschend die Bundesliga-Partie zwischen Dortmund und Wolfsburg.

Im Signal Iduna Park in Dortmund war am Samstag eigentlich alles wie immer: 80.200 Zuschauer freuten sich auf das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen der Borussia und dem VfL Wolfsburg, das Schiedsrichter Tobias Welz 28 Minuten leitete. Doch dann war für den Polizeibeamten aus Wiesbaden vorzeitig Schluss. Der 42-Jährige musste ausgewechselt werden. Eine Wadenverletzung bedeutete für ihn das Aus. Fünf Minuten später richteten sich die Augen der Fans auf einen neuen Unparteiischen: Martin Thomsen aus Kleve! Der 34-Jährige pfiff in seiner Karriere bislang 52 Zweitliga-Begegnungen und ist seit sechs Jahren im Gespann von Tobias Welz in der 1. Bundesliga Assistent. „Da war ich natürlich total überrascht“, sagt Thomsen, der bis dahin gemeinsam mit Rafael Foltyn an der Linie aktiv war. „Der ranghöchste Schiedsrichter macht in so einem Fall weiter. In diesem Fall war ich das“, erzählt der Klever, für den es natürlich aufgrund der engen Verbundenheit zu Tobias Welz eine schwierige Situation war. Zunächst musste die Mikrofontechnik geregelt werden, wenig später ging es für die Bundesliga-Kicker weiter. „Da hatte ich keine Zeit, um nervös zu sein. Aber natürlich war es schon etwas besonders, vor 80.000 Zuschauern in so einem Stadion zu pfeifen“, sagt Thomsen.

Dabei ging es für den Klever direkt los. „Bis zur Pause musste ich innerhalb von sieben Minuten drei Verwarnungen aussprechen. Und in der 87. Minute gab es einen Handelfmeter, der schwierig zu sehen war. Die Resonanz war durchweg positiv, insgesamt ist es gut gelaufen“, stellt der bisherige Zweitligist aus der Kreisstadt fest. Glückwünsche gab es nach der Partie auch von einem anderen Referee aus dem Kreis Kleve, der ebenfalls in der 1. Liga pfeift. „Guido Winkmann hat mich noch am selben Abend angerufen und mir zu der Spielleitung gratuliert“, erzählt Thomsen. Was für ein Zufall: Winkmann (SV Nütterden) leitete am Samstag parallel die Begegnung zwischen RB Leipzig und dem FSV Mainz 05 (8:0).

Seit zehn Jahren leitet der 34-jährige Thomsen Spiele für den Deutschen Fußball-Bund, zunächst in der 3. Liga (bislang 73 Begegnungen), seit 2013 auch in der 2. Bundesliga.

Das Ziel 1. Bundesliga hat er noch nicht abgehakt. „Aber natürlich gehört neben Können auch immer Glück dazu“, ist er realistisch. Dass Martin Thomsen einmal Schiedsrichter im Profibereich werden würde, damit war als Jugendlicher nicht zu rechnen. „Als 15-Jähriger wurde ich vom ehemaligen Bundesliga-Assistenten Ralph van Hoof angesprochen. Damals kickte ich für den 1. FC Kleve bei den B-Jugendlichen.“

Schnell hatte er an der Tätigkeit als Schiedsrichter Gefallen gefunden und arbeitete sich rasch nach oben.

Assistent Rafael Foltyn (M.) hilft Marcel Pilgrim (l.), der Schiedsrichterassistent wird, beim Ankleiden. Rechts Martin Thomsen. Foto: dpa/Bernd Thissen

„Die Entscheidung habe ich bis heute natürlich nicht bereut“, fügt er lachend hinzu. Und was zeichnet einen guten Schiedsrichter aus? „Eine starke Persönlichkeit, konsequentes Auftreten sowie Ruhe und Gelassenheit, insbesondere in kritischen Spielphasen“, sagt der Klever, der in Münster arbeitet.

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