Fußball : Platzangst in Kranenburg

Die Sportanlagen in der Gemeinde Kranenburg befinden sich größtenteils in einem ramponierten Zustand. Verwaltung und Politik wollen dies ändern. Doch läuft die aktuelle Diskussion darüber, was und wo gebaut wird, nicht aus Sicht aller Klubs in die richtige Richtung.

Markus van Aken vom Ingenieurbüro geo3 besitzt reichlich Erfahrungen, wenn es um das Thema "Bau von Sportanlagen" geht. Neben der Umgestaltung der Klever Volksbank-Arena baute er unter anderem auch beim Borussia-Park mit, der Heimspielstätte des traditionsreichen Fußball-Bundesligisten aus Mönchengladbach. Seine Experten-Meinung ist gefragt. Auch in der Gemeinde Kranenburg, wo man sich zudem gern extern beraten lässt. Bei dem Thema Sportentwicklung, das die Gemeinde schon seit mehr als einem Jahr verfolgt, war van Aken bei einem runden Tisch zu Gast, an dem Verwaltung, Politik und die Vereine sitzen.

Nichts investiert

Die Meinung von Planer Markus van Aken über den Zustand der Sportplätze nah an der Grenze lässt nur wenig Interpretationsspielraum zu: "Die Gemeinde hat hier seit Jahren nichts mehr investiert und dementsprechend sind die Anlagen auch."

Dass etwas passieren muss, darüber ist man sich in Kranenburg einig. Nur, was die Umsetzung betrifft, da gibt es extrem unterschiedliche Positionen.

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Im Mai vergangenen Jahres wurde ein Sportentwicklungskonzept im Rat präsentiert, dessen inhaltlicher Nährwert nicht von allen Seiten umjubelt und gefeiert wurde. Hier wurden zwei Lösungen für eine Fortentwicklung vorgeschlagen: Eine zentrale Gemeindesportstätte für alle Vereine oder eine Lösung mit zwei Schwerpunkten in Nütterden und Kranenburg. Bürgermeister Günter Steins sagte, dass die "große Lösung" wohl vom Tisch sei. Die kleineren Vereine sollen weiterhin, so lange sie es aus eigener Kraft schaffen, in ihren Ortschaften Sport treiben und werden dabei auch finanziell unterstützt.

Kranenburg und Nütterden sollen als die zwei Schwerpunkt-Standorte ausgebaut werden. Und genau bei dem Thema "Ausbau" verlässt der Ruhepuls von Christoph Breuckmann, Vorsitzender des TuS 07 Kranenburg, bei der aktuellen Diskussion immer häufiger seine gewohnte Bahn. "Alles, was derzeit besprochen und geplant wird, dreht sich um den SV Nütterden. Über Kranenburg spricht am runden Tisch niemand." Breuckmanns Sorge ist, dass in Nütterden eine nagelneue Sportanlage gebaut wird und wenn "sein" Verein dran ist, die Gemeinde achselzuckend einen Blick in die leere Kasse tätigt und den TuS auf bessere Jahre vertröstet. Getreu dem Motto: Bitte hinten anstellen und später nochmal anfragen.

Aktuell wird diskutiert, dass an der Sportanlage am Nütterdener Haferkamp ein Kunstrasenplatz, ein Naturrasen und für die Leichtathleten eine Tartanbahn entstehen soll. Derzeit rutschen die Nütterdener Fußballer dort noch auf einem alten Ascheacker herum. Der in Kranenburg ist zweifellos kaum einen Deut besser als die Nütterdener Anlage.

Breuckmanns "Hinten-anstellen"-Theorie erhält auch durch die Aussage des Bürgermeisters Nahrung, der ausführte: "Ich kann doch nicht eine funktionierende Anlage in Kranenburg abreißen, wie soll ich dies dem Bürger erklären?" Da kann man nur froh sein, dass es nicht auf die Gemeinde-Sportanlage hinausläuft, denn dann hätte es auf jeden Fall Erklärungsbedarf gegeben.

(RP)