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Organisatoren der Volksläufe im Kreis Kleve haben Zukunftssorgen

Leichtathletik : Volksläufe mit Zukunftssorgen

Während der Corona-Pandemie mussten die meisten Veranstaltungen in der Region abgesagt werden. Jüngste Beispiele sind der Sylvesterlauf in Pfalzdorf und der Klever Lichterlauf. Die Organisatoren im Kreis Kleve fürchten den Wegfall von Strukturen.

Die Zuversicht, die die Verantwortlichen des VfB Alemannia Pfalzdorf in den vergangenen Monaten ausstrahlten, war bemerkenswert. Die Organisatoren hatten sich trotz Corona im Herbst entschieden, den Sylvesterlauf am 31. Dezember stattfinden zu lassen – und konnten immerhin 2146 Sportler davon überzeugen, zum Jahresabschluss durch den Gocher Ortsteil zu rennen. Doch vor wenigen Tagen folgte die Absage.

„Natürlich sind wir sehr enttäuscht, gerne teilen wir diese Absage nicht mit. Aber wir sind alle Bürger dieses Landes und wir müssen uns an Recht und Gesetz halten. Die Corona-Pandemie ist größer als der Sylvesterlauf. Das müssen wir akzeptieren“, sagt Veranstalter Gerd Janßen. Sein Kollege Tim Verhoeven hatte einige Monate zuvor noch angemerkt, dass es nachhaltig schaden würde, wenn Sportlerinnen und Sportler ein zweites Mal nicht in Präsenz laufen könnten. „Ich hätte große Angst, dass Strukturen kaputtgehen, wenn wir uns in diesem Jahr erneut für eine virtuelle Variante entscheiden würden“, sagt der Organisator aus Pfalzdorf.

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Doch sind diese Bedenken berechtigt? Und wie blicken andere Volkslauf-Veranstalter im Kreis Kleve auf die Problematik? Wir haben bei den Vereinen in der Region nachgefragt. Schließlich gibt es reichlich Laufveranstaltungen am unteren Niederrhein. Der Sommerabendlauf in Weeze, der Citylauf in Kleve, der Homerun in Emmerich oder der Steintorlauf in Goch – die Leichtathletik-Szene hatte zumindest vor der Corona-Pandemie reichlich Auswahl.

Johannes Artz organisiert seit mehr als drei Jahrzehnten den Steintorlauf in Goch. Am 19. Juni des kommenden Jahres soll der Volkslauf nach zwei Jahren Pause in der Weberstadt wieder stattfinden. „Es ist ein großes Problem, dass die Helfer hinter den Läufen immer älter werden. Die meisten Leute sind über 70 Jahre alt. Und in den vergangenen zwei Jahren konnte man keinen Nachwuchs gewinnen“, sagt Artz.

 Der Citylauf in Geldern steht vor dem Aus. Für das kommende Jahr ist bislang auch keine weitere Ausgabe geplant worden.
Der Citylauf in Geldern steht vor dem Aus. Für das kommende Jahr ist bislang auch keine weitere Ausgabe geplant worden. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Das Veranstalter-Team des Steintorlaufs besteht zuvorderst aus zwei Personen. „Wir spielen allerdings mit dem Gedanken, den Lauf nicht mehr nur als selbständige Leichtathletik-Abteilung auszurichten, sondern den ganzen Verein Viktoria Goch miteinzubeziehen. Das würde es bedeutend leichter machen, Freiwillige zu gewinnen“, sagt der 71-Jährige.

Die Zuversicht will der Gocher aber auf keinen Fall verlieren. „Wir geben den Mut nicht auf. Ich will auf keinen Fall, dass der Steintorlauf stirbt. Doch wenn wir es nicht mehr schaffen sollten, ihn zu organisieren, ist der Steintorlauf tot. Daher wäre es wichtig, dass es 2022 wieder klappt“, sagt Artz. Der Steintorlauf rund um das Hubert-Houben-Stadion sei auch deshalb für die Viktoria-Sparte so wichtig, weil bei der Großveranstaltung neue Mitglieder gewonnen würden, so der Abteilungsvorsitzende.

Auch Gerd Aengenheister, seit Jahren Vorsitzender der Leichtathletik Nütterden, ist besorgt. „Meine größte Angst ist, dass uns die Helfer ausgehen. Es ist so, dass die meisten der Freiwilligen Senioren sind. Ich fürchte, dass einige sagen: ,Wenn man drei Jahre ohne mich ausgekommen ist, geht das auch künftig ohne mich.’ Doch ohne die Helfer geht gar nichts“, so Aengenheister. Die 37. Auflage des Eurorun soll im Oktober im Herzen des Kranenburger Ortsteils stattfinden, so der Plan.

Knapp 100 bis 120 Freiwillige braucht der Verein, inklusive Feuerwehrleute und Malteser-Hilfskräfte. Allerdings seien mittlerweile weniger Menschen als früher nötig, schließlich bietet man in Nütterden die Halbmarathon-Distanz nicht mehr an. „Wir haben jetzt wieder einen Termin fürs nächste Jahr ins Auge gefasst und werden die weitere Entwicklung abwarten. Was mich positiv stimmt, ist, dass der Verein keine Corona-Austritte zu verzeichnen hat. Das ist nur die normale Fluktuation. Gleichzeitig haben wir aber viele neue Kinder und Jugendliche in unseren Reihen“, sagt Gerd Aengenheister.

 Johannes Artz (rechts) – hier mit Ferdi van Heukelum im Jahr 2018 – hofft, dass der Steintorlauf in Goch bald wieder stattfinden kann.
Johannes Artz (rechts) – hier mit Ferdi van Heukelum im Jahr 2018 – hofft, dass der Steintorlauf in Goch bald wieder stattfinden kann. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Der Gelderner Citylauf steht wiederum vor dem endgültigen Aus. In diesem Jahr hatte das Organisations-Team um Helmut van Weegen, Leiter der Lauf-Abteilung des GSV Geldern, die Veranstaltung zum zweiten Mal in Folge absagen müssen. Seit 2009 hatten Sportlerinnen und Sportler alljährlich am zweiten Samstag im Mai für ein Spektakel in der Innenstadt gesorgt. Immer wieder war die 1000-Teilnehmer-Marke geknackt worden. „Wir haben gar nicht erst für 2022 geplant, weil unsere Abteilung nur so vor sich her dümpelt. Wir haben seit zwei Jahren keine Möglichkeit, irgendetwas zu machen, um neue Mitglieder für den Klub zu gewinnen“, sagt Helmut van Weegen.

Die Abteilung sei seit Corona von 100 auf 60 Mitglieder geschrumpft. So fehlen auch die Helfer für den Citylauf. „Daher sehen wir keine Möglichkeit, die Veranstaltung in einem vernünftigen Rahmen zu organisieren. Es macht auch wenig Sinn und Spaß, all das auf die Beine zu stellen, wenn dahinter kaum Mitglieder stehen“, sagt Helmut van Weegen.

Zudem habe der Verein auch mehr Helfer nötig als andere Klubs. „Bei Wald- und Wiesenläufen muss nicht an jeder Ecke jemand stehen. Aber bei einem Citylauf braucht es an jeder Gabelung und jedem kreuzenden Fahrradweg einen Helfer“, sagt der Abteilungsleiter.

Eine Neuauflage im Jahr 2023 möchte Helmut van Weegen allerdings auch nicht kategorisch ausschließen. „Diese Veranstaltungen leben von den Ehrenamtlichen. Davon braucht es reichlich. Nicht ohne Grund werden die großen Marathon-Veranstaltungen mittlerweile von Event-Firmen organisiert. Kleinere Vereine können das heute kaum mehr leisten“, sagt der GSV-Funktionär.

Was passiert, wenn die freiwilligen Helfer fehlen, war 2018 bereits in Uedem zu beobachten. Damals war der Uedemer Volkslauf nach 15 Jahren ausgelaufen. Hintergrund war die zu geringe Anzahl an Helfern in der Organisation und Durchführung der Sportveranstaltung, die 2003 von sieben laufbegeisterten Uedemern ins Leben gerufen worden und fester Bestandteil des Terminkalenders der niederrheinischen Läuferszene war. „Die Helfer wollten vor allem die Ausrichtung des Volkslaufs am betreffenden Tag unterstützen. Nur zwei Leute waren bereit, auch die Planung in der Zeit davor zu begleiten. Die letzten Jahre aber haben uns gezeigt, dass wir deutlich mehr Helfer bräuchten, um ein solches Event durchzuführen“, sagte der Vorsitzende Markus Cyris damals.

Am vergangenen Montag ist auch die Entscheidung gefallen, dass der Klever Lichterlauf im Frühjahr 2022 nicht stattfinden wird. Seit 2017 gibt es die Veranstaltung im Forstgarten, es waren zuletzt mehr als 1000 Läuferinnen und Läufer mit von der Partie. Für 2022 hatte das Veranstalterteam von TriFUN Kleve nach zwei Absagen in Serie den letzten Freitag im März oder den ersten Freitag im April ins Auge gefasst. Doch die Zweifel wuchsen mit jedem Tag. Und auch eine Verschiebung war für die Verantwortlichen keine Alternative.

„Diese Entscheidung tut auch diesmal sehr weh. Doch es gibt wegen der Corona-Situation überhaupt keine Planungssicherheit. Gerade erst musste der Pfalzdorfer Sylvesterlauf abgesagt werden, nachdem dort schon viel Arbeit in die Vorbereitung investiert worden war und Kosten entstanden sind. Die nächsten Wochen wären für uns auch wegen der Omikron-Variante zu einer einzigen Hängepartie geworden. Das wollten wir nicht“, sagt Marco van Beek, Leiter des Organisations-Teams.

Auch der Klever Unternehmer ist in Sorge, dass langfristig Strukturen, die Volksläufe möglich machen, in der Kreisstadt wegbrechen könnten. „Die Sponsoren dürften nicht das größte Problem sein. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass Helfer irgendwann sagen: ,Das war ja alles ganz nett mit dem Lichterlauf, aber ohne die Veranstaltung sind wir auch ganz gut ausgekommen.’ Es wird eine große Herausforderung werden, die freiwilligen Kräfte wieder zu motivieren. Damit wird die gesamte Szene zu kämpfen haben“, sagt Marco van Beek.