Oberliga: Sebastian Santana wechselt vom SC Düsseldorf-West zum FC Kleve

Fußball : Santana kommt zum 1. FC - auch für seinen Opa

Der 24-jährige Sebastian Santana wechselt vom SC Düsseldorf-West an den Klever Bresserberg. Er hat einen prominenten Großvater mit Vergangenheit beim Sportclub Kleve. Sein Geld verdient er mit Urlaubsreisen für Fußballprofis.

Das Fußballgeschäft zwischen Kreisliga und Champions League ist schnelllebig. Wer heute als Held gefeiert wird, kann morgen schon der Buhmann sein. Klubs tauschen Konzepte, Trainer und Zielvorgaben meist schneller aus als die Öffentlichkeit verfolgen kann. Und Spieler wechseln ihre Vereine nicht selten schneller als ihre Freundinnen. Da bleibt wenig übrig für das melancholische Herz des Fußballfans. Doch es gibt sie noch, die Geschichten, die für große Gefühle bei der schönsten Nebensache der Welt sorgen.

Die von Sebastian Santana ist so eine.Der 24-Jährige wechselt im Sommer vom SC Düsseldorf-West zum 1. FC Kleve. Von Oberliga-Klub zu Oberliga-Klub also, wenngleich beide Teams noch im Abstiegskampf verstrickt sind. Doch Santana ist am Schwanenstädter Bresserberg kein unbeschriebenes Blatt. Bis zur A-Jugend kickte er bereits im rot-blauen Dress.

Damals, in der Saison 2011/2012, wurde der FC unter Übungsleiter Joachim Böhmer sensationell Sechster in der Niederrheinliga. Das Nachwuchstalent überzeugte dort so sehr, dass namhafte Klubs auf ihn aufmerksam wurden, darunter auch einige Bundesliga-Vereine. Santana, der auch „Santi“ gerufen wird, wechselte in die A-Junioren-Bundesliga von Rot-Weiß Essen.

Es begann eine Reise quer durch die nordrhein-westfälische Fußballszene: Er schlug beim SV Hö.-Nie., dem SV Sonsbeck, VfB Homberg und zuletzt beim SC West auf. Doch auch in dieser Saison wurde er nicht nachhaltig glücklich in Düsseldorf. Während er in der vergangenen Saison noch auf acht Treffer kam, sind es bisher nur zwei. „Ich will wieder Spielpraxis, auf mein altes Level zurückkommen und meine Fähigkeiten ausbauen“, sagt Santana.

Warum es in der Landeshauptstadt nicht für den Durchbruch gereicht hat, habe verschiedene Gründe, sagt der Deutsche mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik. Unter Trainer Julien Schneider sei der 24-Jährige anfangs noch gesetzt gewesen, doch dieser wurde nach dreizehn Spieltagen geschasst. Der Ex-Profi Ranisav Jovanovic übernahm an der Seitenlinie, und die Aktien Santanas fielen rapide. „Ich war kurz verletzt und musste mich daher hinten anstellen. Jetzt baut der Trainer kaum noch auf mich“, sagt er. Also orientierte der Kicker sich um. Schon seit drei Jahren beschäftigt sich der 1. FC Kleve mit einer Rückkehr des einstigen Jugendspielers, bisher vergeblich. „Doch jetzt passte wirklich alles zusammen“, sagt Santana und fügt an, dass er auch bei einem etwaigen, wenngleich aktuell eher unwahrscheinlichen Abstieg in die Landesliga kommen würde.

Dass der Fusionsklub Interesse an dem wuchtigen Angreifer hat, verwundert nicht. Immerhin verabschieden sich mit Michel Wesendonk (TuB Bocholt), Jannis Altgen (FC Aldekerk), Jan-Luca Geurtz (SV Sonsbeck) und Yusuke Unoki (Ziel unbekannt) gleich vier Stürmer, die Anspruch auf einen Stammplatz erheben. So fasst sich Christoph Thyssen, Vorsitzender des Bresserberg-Klubs, kurz, wenn er darüber sinniert, was er von Santana erwartet: „Tore!“. Die Rückkehr freue ihn sehr, sagt er. „Ich kenne ihn noch als jungen Mann, damals war ich Jugendleiter“, sagt Thyssen.

Foto: Caroline Zabkar

Bis hierhin liest sich die Geschichte des Wechsels wie eine konventionelle: Santana wolle unbedingt zum FC, der Klub empfängt ihn mit einer Menge Vorschusslorbeeren. Doch sie wird zu einer besonderen, wenn der Name von Santanas Großvater fällt: Karl-Heinz van der Lieck. Der Fußballverein Sportclub 1863, der im Jahr 2001 mit dem VfB Lohengrin 03 zum 1. FC Kleve fusionierte, war jahrzehntelang eng mit seiner Person verbunden. 675 Partien bestritt der Rechtsaußen für den SC und avancierte zu einer Legende. 2015 verstarb van der Lieck kurz vor seinem 85. Geburtstag. Was Willi „Ente“ Lippens für den VfB war, ist Karl-Heinz van der Lieck für den SC gewesen. Im September 2015 wurde er für seine 75-jährige Mitgliedschaft, erst beim SC Kleve, später beim 1. FC Kleve, geehrt.

„Mein Opa hat mir gesagt, dass er sehr stolz wäre, wenn ich noch einmal für den FC spielen würden. Nun ist es soweit“, sagt Santana. Zudem sprach für den Wechsel: Fabio Forster, Leitwolf des Aufgebots, wohnt nur knapp 100 Meter von Santana entfernt in Düsseldorf. „Da werden wir eine starke Fahrgemeinschaft bilden“, sagt der Neuzugang, der in Mönchengladbach und Krefeld einem dualen Studium zum Kaufmann im Großhandel nachgeht.

Doch noch ein weiterer Fakt macht ihn zu einem spannenden Protagonisten im Oberliga-Zirkus: Mit seiner eigenen Agentur plant und organisiert er die Urlaubsreisen von Fußballprofis. Ob die Suche nach einem passenden Flug, dem luxuriösesten Hotel oder den angesagtesten Restaurants - Santana hat den Anspruch, das „Rundum-sorglos-Paket“ zu kreieren. Der Wahl-Düsseldorfer, 2015 gar von der domenikanischen Nationalelf aufgerufen, setzt sich vorab mit den Profi-Kicker zusammen und bespricht mit diesen, wie sie sich den Urlaub vorstellen. Dabei sei es ihm egal, ob er für einen Regionalliga- oder Bundesligaspieler plane. Das oberste Gebot lautet meist: Hauptsache, man wird in Ruhe gelassen. Und das am liebsten unter südländischer Sonne.

Der 1. FC Kleve ist um ein spannendes Versprechen reicher. Menschlich ganz sicher, sportlich womöglich.