Oberliga: Der 1. FC Kleve unterliegt dem TSV Meerbusch mit 0:3

Fußball : Rot-Blaue bringen sich um den Lohn

Fußball-Oberliga: TSV Meerbusch – 1. FC Kleve 3:0 (0:0). Die Bresserberg-Elf dominiert die Begegnung, trifft aber nicht. Meerbusch zeigt sich in der Schlussphase dahingegen eiskalt. Sebastian Santana feiert sein Debüt im rot-blauen Dress.

Es gibt Momente im Leben, da freuen sich auch gestandene Männer über wohlgemeinte Kopfstreichler. In einer solchen Situation befand sich wohl auch Kleves Trainer Umut Akpinar nach der 0:3-Niederlage seiner Mannschaft beim Turn- und Sportverein Meerbusch. Nachdem der 42-Jährige der Presse Rede und Antwort gestanden hatte, machte Kleves Ex-Trainer und jetziger TSV-Sportchef Horst Riege einen Schritt auf Akpinar zu und tätschelte ihm zärtlich über den Kopf. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Das Oberliga-Aufgebot des 1. FC Kleve hatte in der Fremde einen überzeugenden Auftritt gezeigt und war dem Sieg bis zur 73. Minute deutlich näher als der favorisierte Gastgeber. Umso bitterer dann fühlte sich für den rot-blauen Tross die Deutlichkeit der Niederlage an. „Wir haben es bis zum 0:1 richtig gut gemacht“, konkludiert Akpinar.

Von Beginn an dominierte seine Elf das Geschehen auf dem Kunstrasenplatz. Es war bemerkenswert, wie tief sich die Gelb-Blauen in die eigene Spielhälfte fallen und dem FC den Ball ließen. Der TSV Meerbusch von Übungsleiter Antonio Molina hatte zuletzt drei Mal in Serie verloren. Den ersten Warnschuss feuerte Kleves Spielführer Fabio Forster (10.) aus dem Rückraum ab. Kurz darauf prüfte auch Levon Kürkciyan (12.) TSV-Schlussmann Franz Langhoff. Die Gastgeber schienen sich den Plan zurechtgelegt zu haben, auf Klever Fehler zu warten und dann mit schnellen Außenbahnakteuren zu kontern.

So geschehen nach 21 Zeigerumdrehungen: Die FC-Abwehr stand unsortiert, zentral wurde Meerbuschs Angreifer Said Harouz freigespielt. Dessen Schuss aber verfehlte das Tor knapp. Ein Freistoß Kürkciyans (29.) flog zu zentral, ein Volleyschuss von Mike Terfloth (37.) zu hoch aufs TSV-Gehäuse. So gingen die Mannschaften mit einem torlosen Remis in die Kabine. Nach der Pause wirkte Meerbusch jedoch gleich williger, zunehmend begegneten sich die Mannschaften auf Augenhöhe. Die Latte (59.) verhinderte die Führung für die Hausherren.

So versetzte Meerbusch dem FC nach 73 Minuten den Todesstoß: Während die Klever den Unparteiischen Jonah Samuel Njie Besong darauf hinwiesen, dass mit Sezai Kezer ein Verletzter zu Boden gegangen war, spielte der TSV unbeeindruckt weiter. Benjamin Dohmen war über die linke Seite marschiert und frei vor FC-Torwart Ahmet Taner aufgetaucht, dort musste er den Ball bloß noch zum 1:0 ins Tor schieben. „Da verhalten wir uns ganz einfach naiv“, sagt Akpinar. Das Eis war gebrochen, die Enttäuschung der Klever riesig. Doch es kam noch härter: Erneut war die FC-Abwehr für einen Moment unsortiert, der eingewechselte Dennis Dowidat kombinierte sich in den Strafraum und überlistete Taner mit einem sehenswerten Heber.

Auch der Unparteiische meinte es nicht gut mit den Schwanenstädtern, die in der 85. Minute gar noch einen Elfmeter hinnehmen mussten. Mike Terfloth war gegen Zissis Alexandris im Strafraum ungestüm vorgegangen, der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt – eine zweifelhafte Entscheidung. Zissis trat an und verwandelte eiskalt ins linke Eck. So war die Akpinar-Elf innerhalb einer Viertelstunde um den verdienten Lohn für eine gute Leistung gebracht worden, der TSV offenbarte Kaltschnäuzigkeit einer Spitzenmannschaft.

„Insgesamt haben wir mehr Spielanteile gehabt. Das war wahrscheinlich auch der Plan von Meerbusch. Das 0:3 tut weh“, sagt Akpinar. Der Klever Cheftrainer verwies allerdings auch darauf, dass der TSV deutlich mehr Möglichkeiten auf der Bank gehabt habe. Bei den Rot-Blauen war das ob der Verhinderten um Abdullo Saidov, Andre Trienenjost und Kai Robin Schneider nicht der Fall. „Ich bin mir sicher, dass Meerbusch noch in die Spitzengruppe der Liga hochkommen wird“, sagt Akpinar. Auch TSV-Trainer Molina bekräftigt, dass der FC die tonangebende Mannschaft gewesen sei. „Wir wussten, welche Qualität Kleve im Umschaltspiel hat. Die wollten wir unterbinden. Heute haben wir Fußball nicht gespielt, sondern gekämpft“, sagt er. Durch die Auswärtsniederlage fällt der 1. FC auf Tabellenplatz dreizehn.