Bittere Konsequenz SV Straelen stellt Insolvenzantrag nach Tecklenburg Pleite

Update | Straelen · Der Vorstand hat den Antrag eingereicht, um sich nicht einer eventuellen Insolvenzverschleppung schuldig zu machen. Hintergrund ist die Anklage gegen Ex-Präsident Hermann Tecklenburg wegen nicht gezahlter Gelder an die Sozialkassen. Der Sportbetrieb soll weiterlaufen.

Der Sportbetrieb beim SV Straelen soll normal weiterlaufen.

Der Sportbetrieb beim SV Straelen soll normal weiterlaufen.

Foto: Norbert Prümen

Der Insolvenzantrag des Bauunternehmens Tecklenburg hat für den SV Straelen die nächste bittere Konsequenz. Fast auf den Tag genau vier Wochen, nachdem die erste Mannschaft aus der Fußball-Oberliga zurückgezogen worden war und Hermann Tecklenburg, Präsident, Mäzen und Macher des Klubs von der Römerstraße, aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt hatte, hat nun auch der SV Straelen einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Kleve gestellt. Er wurde am Mittwoch von den stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Kerpen und Elmar Rogmann, die nach dem Rücktritt von Hermann Tecklenburg die Geschäfte des Klubs führen, eingereicht. Der Sportbetrieb wird zunächst in allen Abteilungen normal weiterlaufen.

Der Hintergrund: Der Verein sieht sich zu dem Schritt gezwungen, weil Hermann Tecklenburg in seiner Funktion als Präsident und Hauptsponsor des SV Straelen den Sozialkassen insgesamt 862.000 Euro vorenthalten haben soll. So lautet der zentrale Vorwurf einer Anklageschrift, die die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Kleve eingereicht hat. Ermittler des Zolls hatten drei Jahre lang Akten, Computer und Handys ausgewertet, die im September 2020 im Rahmen einer groß angelegten Razzia beschlagnahmt worden waren.

Dem aktuellen Vorstand hätten sich, so der SV Straelen in einer am Mittwoch  veröffentlichten Pressemitteilung, nach dem Rücktritt von Hermann Tecklenburg neue Erkenntnisse eröffnet. „Im Gegensatz zu der mehrfach vom ersten Vorsitzenden geäußerten Aussage, der SV Straelen habe mit der im Raum stehenden Steuer- und Sozialabgabenproblematik nichts zu tun, dies sei ausschließlich ein Thema von Hermann Tecklenburg und seiner Firma, könnte der SV 19 Straelen eventuell nun doch in Haftung genommen werden“, heißt es in dem Schreiben.

Der „aktuelle geschäftsführende Vorstand und auch alle weiteren beim SV Straelen handelnden Personen“ seien zwar nicht Bestandteil des laufenden Ermittlungsverfahrens. Alle über den SVS abgerechneten Löhne seien bei regelmäßigen Prüfungen durch die entsprechenden Behörden nie beanstandet worden. Der Verein sei „somit nachweislich nicht verantwortlich für die Unregelmäßigkeiten bei der Abgabe der Steuern und Sozialbeiträge, falls es sie tatsächlich gegeben haben sollte“.

„Trotzdem wird der Verein aktuell für die Nachzahlung der nicht abgeführten Steuer- beziehungsweise Sozialabgaben haftbar gemacht“, so der Vorstand. Das Insolvenzrecht sehe vor, dass ein Verein einen Insolvenzantrag stellen muss, wenn abzusehen sei oder es sein könnte, dass er aktuelle oder zukünftige Forderungen nicht begleichen könne. Ansonsten würde möglicherweise eine Insolvenzverschleppung drohen. „Sofern der SV Straelen also tatsächlich für die Zahlung der im Raum stehenden Steuer- und Sozialabgaben, die im hohen sechsstelligen Bereich angesiedelt sind, haftbar ist, können wir den daraus resultierenden Forderungen aus dem Vereinsvermögen in keiner Weise nachkommen. Wir sehen uns daher gezwungen, einen Insolvenzantrag einzureichen“, so der Vorstand.

Der SV Straelen teilte in seinem Schreiben weiter mit, dass die fehlenden Einnahmen aus dem Sponsoring nach der Insolvenz der Firma Tecklenburg durch „drastische Kürzungen auf der Ausgabenseite ansatzweise kompensiert werden konnten“. Durch den Rückzug der ersten Fußball-Mannschaft und weiterer Einsparungen sei es gelungen, die laufenden Kosten innerhalb von drei Wochen um etwa 80 Prozent zu reduzieren. Bis auf eine Ausnahme haben alle Spieler der zurückgezogenen Oberliga-Mannschaft mittlerweile neue Vereine gefunden. Allerdings haben Trainer Sunay Acar, Co-Trainer Adli Lachheb, Torwart-Trainer Manfred Gloger und Fitness-Trainer Friedel Baumann sowie der Sportliche Leiter Kevin Wolze noch gültige Verträge.

„Für die Deckung der laufenden Kosten wurden inzwischen Finanzierungspläne erarbeitet, die langfristig eine solide und seriöse Basis für unseren Verein und unsere 2200 Mitglieder darstellen“, so der Vorstand. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens bedeute nicht die Einstellung jeglicher Aktivitäten. „Der Sportbetrieb wird zunächst in allen Abteilungen normal weiterlaufen. Wir unternehmen diesen Schritt bewusst mit dem Ziel, den Verein erfolgreich aus dieser Insolvenz herauszuführen. Inwiefern uns das gelingen wird, liegt aber nicht alleine in unseren Händen“, so der Vorstand.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde André Dobiey bestellt. Er ist Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht und Partner der Kanzlei Niering-Stock-Tömp, die Spezialist für Insolvenzverfahren ist und auch einen Sitz in Kleve hat. Dobiey bringt Erfahrung in der Sportmaterie mit und hat unter anderem das Insolvenzverfahren des KFC Uerdingen betreut. Er ist seit 2007 Vorsitzender des Bundesgerichts des Deutschen Baseball- und Softball-Verbandes.

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