Lokalsport: Mutters Korsett als Knieschoner

Lokalsport : Mutters Korsett als Knieschoner

Zusammen mit dem langjährigen Vorsitzenden Bruno Völling und dem Mäzen Werner Derksen bildete er ein Dreigestirn, das den SV Viktoria Goch nicht nur in der glorreichen Oberliga-Zeit prägte: Gerd-Hans Mülhoff, Gocher Unternehmer und langjähriges Viktoria-Mitglied.

100 Jahre jung ist die Viktoria heute. 100 Jahre, in denen manch' einer seine Fußballschuhe geschnürt hat. Gerd-Hans Mülhoff gehörte zu denen, die der Viktoria bereits in jungen Jahren erstmals begegnet sind. 1935 wurde er Vereinsmitglied, 82 Jahre jung ist der rüstige Ruheständler heute - und er gehört ganz sicher zu denen, die Viktoria Goch in den besten Oberliga-Zeiten besonders nahe waren. Der Ur-Gocher war Zeit seines beruflichen Wirkens Unternehmer, brannte Spirituosen wie Mühlenkorn, Jägertraum und Mampe Halb und Halb - ein aus Berlin stammender Likör, dessen schwergewichtigem, Rüssel tragenden Markenzeichen Prinz Michael Theissen und seiner Lieblichkeit Christiane Groß ihren legendären Elefantenritt zum Rathaussturm im Jahr des 75-jährigen Jubiläums verdankten.

Damals, in den 1980er Jahren, zählte die Firma Mülhoff etwa 60 Mitarbeiter. Oberliga-Kicker wie Wolfgang Lüttges, Michael Otten und der spätere Nationalstürmer Olaf Bodden gehörten zur Mülhoff-Belegschaft. "Ja, wir haben geholfen, wo wir in dieser Phase gebraucht wurden", erinnerte sich Gerd-Hans Mülhoff im RP-Gespräch. Und immer wieder fallen die Namen "Bruno" und "Werner". Unweit der Viktoria-Sprecherkabine standen sie bei jedem Heimspiel, der spätere Ehrenvorsitzende Bruno Völling, die Mäzen Werner Derksen und Gerd-Hans Mülhoff.

Es soll seinerzeit Gerüchte gegeben haben, nach denen die drei Drahtzieher nahezu allein die Finanzierung für die mit viel Eigenleistung geschaffene Tribüne auf den Weg brachten, bevor sie später von der Stadt Goch übernommen wurde. "Ja, und wir waren alle voller Stolz, wenn die Lokalkämpfe auch gegen die Bocholter Tausende in unsere Stadt holten", freut sich Mülhoff noch heute. Viktoria-Mitglied ist der rüstige Ruheständler seit Kindesbeinen.

Zu seiner Jugendzeit stand er als Torwart zwischen den Pfosten. Mutters altes Korsett hat er damals zerschnitten, um sich daraus Knieschoner gegen die verteufelte schwarze Asche zu machen. "Wir hatten als Kinder nichts, außer den Fußball", erinnert sich Mülhoff. Sein Blick zurück in die Viktoria-Vergangenheit bringt Namen von Fußballern wie Paul Silz, Hannes "den Isere" Janssen und Gerdi van Nooy zurück. Auch Gerd-Hans Mülhoff gehörte seinerzeit zu denen, die an der Viktoria-Kampfbahn an der Gaesdoncker Straße über die Mauer kletterten, um dem Kassierer ein Schnippchen zu schlagen und die großen Lokalkämpfe gegen "die Klever" mit 2.

000 weiteren Zuschauern erleben zu können. Das langjährige Viktoria-Vereinslokal "Bej den Bur" Vink an der Bahnhofstraße ist für Gerd-Hans Mülhoff ebenso eine besondere Erinnerung wert. "Was mich allerdings immer ein wenig geärgert hat - die Fußballer haben nie so gerne Schnaps getrunken", lacht Gerd-Hans Mülhoff und erzählt, dass er sich auf das anstehende Kaffeetrinken mit Werner Derksen freut. Sein Weggefährte von damals wohnt mittlerweile wieder in Goch.

Viktoria-Freunde treffen sich - nicht nur zum Jubiläum...

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(RP)