Leichtathletik: Marcus Büning und Silke Flören knapp am Titel vorbei.

Leichtathletik : Die schnellen Senioren

Leichtathletik: Bei den Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften waren Marcus Büning (LV Nütterden) und Silke Flören (Viktoria Goch) am Start – und dies erfolgreich.

Die Läufe von Marcus Büning dauern nicht lange. Immer etwas unter zehn Sekunden. Dafür trainiert er dreimal in der Woche. Büning ist Leichtathlet. Um schnelle Zeiten zu laufen, ist häufiges Training keine Seltenheit. Doch ist der Klever 51 Jahre und sprintet immer noch um Sekunden und Siege. Zuletzt war er bei den Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften in Halle an der Saale über die 60 Meter Hürden am Start. In der Altersklasse (AK) 50 lief er in 9,59 Sekunden auf den dritten Platz. Eine Zeit, die er in die Rubrik „ordentlich“ einsortiert. „Ich war schon schneller“, sagt Büning. Ein Grund, warum es nicht Richtung Bestzeit ging, war der Start. Der Klever wackelte, was normalerweise als Fehlstart gewertet wird. Der Starter hatte es nicht gesehen, dafür blieb der Hürdenläufer im Block sitzen und verschenkte hier wertvolle Zehntelsekunden.

Bis der Klever allerdings in der nationalen Elite der Senioren ankam, durchlief er einen ungewöhnlichen Werdegang. Büning begann mit der Leichtathletik beim VfL Merkur Kleve. Sechs Jahre alt wurde damals zunächst Pendelstaffel gelaufen und Brennball gespielt. Ein, zwei Jahre später kamen Sprint und Langlauf dazu. Bis zur Jugend- und Männerklasse ist er etwa bei Verbandsmeisterschaften nie in die Nähe eines Podestplatzes gekommen. Dafür reichte die Leistung nie. Als Senior kam er über den Kevelaerer SV, wo er zehn Jahre Mitglied war, und Viktoria Goch 2014 zu LN Nütterden. Für den Verein startet er heute noch.

Ausschlaggebend für die Karriere durch die Altersklassen war ein Rennen über 110 Meter Hürden in Kevelaer. Während des Studiums hatte er fünf Jahre mit der Sportart ausgesetzt. „Ich wollte, als ich 30 Jahre alt war, noch einmal wissen, wie schnell ich bin“, blickt Büning zurück. Immerhin war er so schnell, dass er auf Anhieb die Qualifikationsnorm für die Deutschen Meisterschaften in der AK 30 unterbot. Dort verpasste er dann das Finale um einen Platz. Im Laufe der Jahre kletterte Büning in den Bestenlisten der Senioren bis teilweise nach ganz oben. Zwei Deutsche Meistertitel holte er und reihenweise Platzierungen unter den ersten drei. Mit den Hürdenstrecken hat sich der Klever eine Disziplin ausgesucht, die mit zu den technisch anspruchsvollsten gehört. Selbst im Winter versucht er auf der Nütterdener Tartanbahn die Hindernisse aufzubauen, um die Technik zu verbessern. Bei miserablem Wetter geht er in die Turnhalle der Grundschule. „Dort kann ich zwei Hürden im richtigen Abstand aufstellen“, sagt er. Gut, dass der Gang zur Bücherei am Ende der Strecke liegt. Durch den muss er dann auslaufen.

Was den Senior trotz fortschreitenden Alters ärgert, ist die sich nach unten neigende Leistungskurve. „Klar will man besser werden. Auch noch mit 51 Jahren. Aber dafür müsste ich wesentlich mehr Krafttraining machen“, weiß er, wo noch Potential ist. Gründe, auch noch im Alter Leichtathletik zu betreiben und sich in Technik und Schnelligkeit weiter zu verbessern, gibt es für Marcus Büning einige. Es macht Spaß, man bleibt gesund, hat schöne Erlebnisse und bekommt noch Urkunden dafür. Aber wie lange will er das noch machen? „Bei den Titelkämpfen in Halle waren drei Diskuswerfer in der Klasse M 90 am Start“, sagt er. 40 Jahre weiter denkt der Klever noch nicht. Sein nächstes Ziel sind in vier Monaten die Deutschen Senioren-Freiluft-Titelkämpfe.

Dort will auch Silke Flören vom SV Viktoria Goch hin. Die Athletin war jetzt ebenfalls in Halle am Start. In der Altersklasse W 40 lief sie die 400 und 800 Meter. Ihr Resümee nach den zwei Tagen: „Ich bin zufrieden.“ Und dies mit den Leistungen wie auch Platzierungen. So holte sich die Gocherin über die 400 Meter die Vizemeisterschaft. „Ich war zwar schon schneller, aber mit den 62,21 Sekunden habe ich mich gegenüber einer Zeit im Januar verbessert“, sagt sie. Einen Fehler hatte sie dennoch gemacht. „Ich bin zu schnell angegangen“, erklärt die Gocherin. So hatte sie die 200 Meter Marke nach 28 Sekunden passiert. Ein Höllentempo, das man nicht bis ins Ziel halten kann. „Bei 300 Meter kam dann der Hammer.“ Trotz Hammer holte sie Platz zwei.

Einen Tag zuvor stand sie über 800 Meter auf der Bahn. Ziel war hier, sich einfach nur ins Feld zu hängen und dann auf den letzten Metern zu schauen, was noch geht. Tempo machen war nicht ihr Anliegen. In einem langsamen war Silke Flören nach 2:31 Minuten im Ziel. Dafür gab es eine Medaille. Und bei einer Deutschen Meisterschaft hat auch Bronze seinen Wert.