Laufsport: 2930 Läufer gehen beim 32. Sylvesterlauf an den Start

Die größte Sportveranstaltung im Kreis Kleve : So schön war der 32. Sylvesterlauf

Die Laufveranstaltung im Herzen von Pfalzdorf wächst Jahr für Jahr. SV Sonsbecks Armin Gero Beus verteidigt mit sensationeller Zeit seinen Titel über die fünf Kilometer. Christoph Verhalen triumphiert über zehn Kilometer. Auch ein Ausnahmetalent war mit von der Partie.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur wohl größten Sportveranstaltung, die der Kreis Kleve zu bieten hat: dem Sylvesterlauf in Pfalzdorf.

Der Sylvesterlauf – was ist das? Er ist einer der beliebtesten Volksläufe am Niederrhein. Organisiert wird der Lauf von der Leichtathletikabteilung des VfB Alemannia Pfalzdorf mit knapp 150 Freiwilligen. Traditionell findet dieser am letzten Tag des Jahres statt – und das seit mittlerweile 32 Jahren. Die Sportler starten am Schulzentrum neben der St. Martinus Kirche, gerannt wird ausschließlich über Asphalt, das Ziel ist erneut der Ortskern an der Hevelingstraße. Für die Moderation zeichnet Ferdi van Heukelom verantwortlich. „Dieser Lauf geht Jahr für Jahr in die Geschichte unserer Region ein. Der Sylvesterlauf führt ganz viele Menschen zueinander“, sagt er.

Er bestritt seinen letzten Lauf in der Altersklasse der Junioren: Till Kaste (r.) vom VfL Merkur Kleve im Interview mit Moderator Ferdi van Heukelom. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Was macht den Sylvesterlauf zu einem besonderen? Da gibt`s drei Faktoren: die Dimension, der Termin und das Miteinander. Beginnen wir bei Ersterem. In diesem Jahr gingen, ähnlich wie im Jahr zuvor, 2930 (!) Läufer an den Start. Im Vergleich mit Konkurrenzveranstaltungen eine schier absurde Zahl. Dazu kommen Tausende am Seitenrand. Man könnte behaupten: Ganz Pfalzdorf ist auf den Beinen – und das feiernd. Das dürfte auch am Termin liegen. Der Sylvesterlauf ist die letzte Chance des auslaufenden Jahres, Festtagsspeck abzubauen. Zudem bietet er die passende Bühne, den Olympischen Gedanken zu leben: „Dabei sein ist alles“. Bei dem Gros der Athleten zählt nicht die gelaufene Zeit, sondern der Stolz, die Strecke bezwungen zu haben. Unterwegs können Sportler immer wieder das Gefühl gewinnen, es sei bereits Karneval. Nicht wenige Zuschauer präsentieren sich aufwendig verkleidet oder wild grölend.

Die Bambinis schlugen sich über die 300-Meter-Rundstrecke wacker: Und das völlig ohne Mamas oder Papas führende Hand. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Wie hoch war das sportliche Level? In der Breite mäßig, in der Spitze bemerkenswert hoch. Über die Fünf-Kilometer-Distanz war die Bestzeit 15:35 Minuten (Zum Vergleich: Der Männer-Weltrekord liegt bei 12:40 Minuten), über zehn Kilometer 32:16 Minuten. Beide Werte übertreffen jene aus dem Jahr 2018. „Die Strecke ist nicht allzu schnell. Dennoch laufen Sportler hier immer wieder neue Bestzeiten. Das liegt sicher auch daran, dass man bei uns vom Publikum getragen wird“, sagt Chef-Organisator Tim Verhoeven.

Er ist ein sportliches Phänomen: Sonsbecks Armin Gero Beus verteidigte seinen Titel über fünf Kilometer. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Wie verlief der Fünf-Kilometer-Lauf? Dieser avancierte zu einer Machtdemonstration eines der „Roten Teufel“ vom SV Sonsbeck. Vom Start weg führte Armin Gero Beus das Feld an. Spannend war es dennoch: David Mahnke aus Karlsruhe folgte Beus auf Schritt und Tritt. Schlussendlich entschieden zwei Sekunden über Sieg und Niederlage. Beus lief nach 15:35, Mahnke nach 15:37 Minuten ins Ziel ein. Als Dritter folgte Luca Fröhling (15:55) vom LV Marathon Kleve. Kurz nach dem Zieleinlauf sagte Beus: „Ich bin noch nie so schnell die Hevelingstraße hochgelaufen.“ Ihm gelang mit dem Sylvester-Erfolg ein besonderes Kunststück: Nicht nur, dass der 25-Jährige seinen Titel verteidigte, er holte ihn auch bereits zum fünften Mal – einsame Spitze.

Kreative Verkleidungen sind beim Sylvesterlauf in Pfalzdorf üblich. Jessica Schmit brachte als Schornsteinfegerin Glück fürs neue Jahr unters Volk. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Wie schlugen sich die Nachwuchsathleten? Sehr beachtlich. Beim Schülerlauf über drei Kilometer setzte Till Kaste vom VfL Merkur Kleve ein mächtiges Ausrufezeichen. Und das bei seinem letzten Start als Junior. Künftig muss der Emmericher nämlich in der Konkurrenz der „männlichen Jugend“ starten. Kaste ließ der Konkurrenz keinerlei Chance und stand nach 10:48 Minuten als Sieger fest. „Da ist natürlich heute viel Wehmut bei. Künftig wird es schwieriger für mich. Das war heute aber der perfekte Abschluss. Ich wollte gewinnen und bin richtig froh, dass es geklappt hat“, sagte Kaste nach seinem Lauf. Schnellste Schülerin war die Niederländerin Eva Kok (11:24).

Wer offenbarte besonderes Talent? Ohne jede Zweifel Rahel Brömmel vom SV Sonsbeck. Die 16-jährige Leichtathletin ist Mitglied im Bundeskader. In Pfalzdorf zeigte sie, warum: Mit einer Zeit von 17:22 Minuten über die fünf Kilometer stand sie ihren männlichen Kollegen in Nichts nach. „Von ihr werden wir noch eine Menge hören. Wenn man mich fragt, vielleicht sogar auf internationaler Ebene“, sagt Veranstalter Tim Verhoeven im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eroberten die Bambinis die Herzen wieder im Sturm? Aber selbstverständlich. Die Jüngsten nahmen sich der Rundstrecke über 300 Meter an. An Unterstützung mangelte es nicht: Ganze Familien postierten sich am Seitenrand, um lautstark anzufeuern. Moderator Ferdi van Heukelom hatte ausdrücklich darum gebeten, dass Eltern ihre Kinder nicht an der Hand ins Ziel führen. Den meisten gelang das. Und zwar mit beachtlichen Zeiten: Schnellstes Mädchen war Tiana Ida Pliss-Ziegenfuß (1:29) aus Sonsbeck, schnellster Junge Vincent Muskat (1:28) aus Weeze.

Wer dominierte die Zehn-Kilometer-Distanz? Christoph Verhalen. Und das nach Belieben. Der Läufer des TuS Xanten benötigte 32:16 Minuten für die Königsdisziplin. Auf ihn folgte der Niederländer Erik van Rijsewijk (32:32) und der Klever Sascha Hubbert (34:00). Ein Blick auf die Konkurrenz der Frauen: Dort behielt Katharina Wehr vom TV Wanheimerort mit einer Zeit von 36:38 Minuten die Oberhand.

Wie fällt das Fazit des Veranstalters aus? Äußerst positiv, erklärt Tim Verhoeven: „Es hat auch in diesem Jahr alles super geklappt. Das ist bei einer Sportveranstaltung in dieser Größenordnung nicht selbstverständlich. Ohne die Unterstützung der Pfalzdorfer Bevölkerung wäre das undenkbar. Doch hier in Pfalzdorf herrscht seit Jahren ein unglaubliches „Wir-Gefühl“. Alle ziehen an einem Strang. Natürlich bin ich jetzt ein wenig froh, wenn nach den Monaten der Vorbereitung ein wenig Ruhe einkehrt. Die nächsten drei, vier Monate werde ich erst einmal keinen Bock mehr auf den Sylvesterlauf haben. Dann fängt das Kribbeln wieder an.“