Kunststoffbahn für das Klever Gustav-Hoffmann-Stadion.

Kommentar : Kunststoffbahn: Total verrannt

Die Klever CDU will das Gustav-Hoffmann-Stadion mit einer Kunststoffbahn ausstatten.

Mittel für den Sport stehen in Kleve zur Verfügung. Doch anstatt marode Turnhallen zu sanieren oder neue zu bauen, soll ins Gustav-Hoffmann-Stadion eine Kunststoffbahn verlegt werden. Das fordern auch zwei führende Christdemokraten. Wolfgang Gebing, der Bürgermeister werden will, und Jörg Cosar, Ehrenvorsitzender der Stadtschulpflegschaft, Schulpolitischer Sprecher der CDU und demnach mit Fachwissen ausgestattet.

Gebing hatte in seiner Haushaltsrede die Ausstattung des Stadions mit einer Tartanbahn gefordert, was Cosar ebenso befürwortet. Denn dies „stehe einer Kreisstadt gut zu Gesicht“. Das Vorhaben ist jedoch unsinnig. Die Ausgaben für den Bau sind Verschwendung öffentlicher Gelder. Wer jetzt Tartan in Stadien mit 400-Meter-Rundlaufbahn legen lässt, kommt 30 Jahre zu spät. Die Kosten dafür betragen 1,127 Millionen Euro. Cosar führt als Grund für den Bau auch Bundesjugendspiele an. Die hat jede Schule einmal jährlich einen halben Vormittag. Gymnasiasten nutzen das Stadion sporadisch im Sommer. Bei einer Investition von mehr als einer Millionen Euro sind das extrem teure Schulstunden. Der Umbau ist ohne Nutzen, weil ausreichend Athleten fehlen. Wann hier zuletzt über Hürden gesprintet wurde oder der letzte Diskus halbwegs vernünftig durch die Arena flog, weiß niemand. Der Absturz der Sportart Leichtathletik wird nicht in Kleve gestoppt. Da hilft auch keine neue Bahn.

Gerd Mölders ist das Aushängeschild der Klever Leichtathletik. Zunächst reagierte er euphorisch, als er auf das Thema angesprochen wurde. Mit etwas Abstand räumt er ein: „Klar, eine Tartanbahn ist schön. Aber sie kommt viel zu spät. Wenn die Aschenbahn im Stadion gut gepflegt ist, wie damals bei Merkur von Heinz van der Heusen, dann reicht das.“ Das Geld muss in den Sport investiert werden. Doch nicht an der Stelle. Merkur steht hier ganz oben auf der Liste. Nach weiteren Möglichkeiten muss die Politik nicht lange suchen.

Eine eindeutige Aussage zu der Thematik gibt es von dem Experten Dr. Holger Fuhrmann. Der betonte schon 2012 bei der Vorstellung des Gutachtens, dass es für 80 Leichtathleten keinen Sinn mache, eine Kunststoffbahn zu bauen. Die Zahl der Athleten ist seitdem sicherlich nicht gestiegen.

Jörg Cosar hofft hingegen. Vielleicht lasse sich durch die Bahn der eine oder andere Vereinssportler wieder für die darbende Leichtathletik begeistern. 1,127 Millionen für ein „vielleicht“ sind viel.

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