Fußball: Kunstrasenplätze in der Region auf dem Prüfstand

Fußball : Kunstrasenplätze in der Region auf dem Prüfstand

Die EU will Kunststoffgranulat verbieten. Die Städte und Gemeinden sind vorbereitet.

Viele Fußballvereine im Kreis Kleve, die auf Kunstrasenplätzen spielen, sind am Wochenende aufgeschreckt worden, weil die Europäische Chemikalien-Agentur (ECHA) bei der EU einen Vorschlag hinterlegt hat, ab 2022 Kunststoffgranulat auf solchen Plätzen zu verbieten. Unsere Redaktion fragte bei Städten, Gemeinden und Vereinen im Altkreis Kleve nach, wo es künftig Fußball-Probleme geben könnte.

Jörg Bolterdorf, Pressesprecher der Stadt Kleve, teilt mit, „die Mitteilung des Städte- und Gemeindebundes hinsichtlich der Gefährlichkeit von SBR-Granulat auf Kunstrasenplätzen haben wir zur Kenntnis genommen. Wie die Entscheidung der EU-Kommission am Ende aussehen wird, weiß derzeit niemand und daher ist unsererseits eine Wertung derzeit auch nicht möglich. Im Stadtgebiet Kleve sind vor kurzem die Kunstrasenplätze auf den Sportanlagen Rindern und Materborn im Betrieb genommen worden. Diese Plätze haben bereits ein zukunftsweisendes Korkgranulat erhalten. Lediglich die Plätze des 1.FC Kleve sowie teilweise die Kunstrasenfelder in Kellen sind mit Gummigranulat ausgestattet. Ob ein Austausch des Gummigranulates kurzfristig erfolgen muss, ist von der der EU-Entscheidung abhängig.“

Auch der Kunstrasenplatz des 1. FC Kleve wird sich einer Prüfung unterziehen müssen. Foto: Markus van Offern (mvo)

Der Kunstrasenplatz in Hasselt, der vom Fusionsklub SGE Bedburg-Hau bespielt wird, ist schon vor 15 Jahren eingeweiht worden. „Der ist mittlerweile in einem sanierungsbedürftigen Zustand“, sagt SGE-Vorsitzender Björn Mende. Deshalb hat die Gemeindeverwaltung Bedburg-Hau schon für dieses Jahr im Haushalt 370.000 Euro eingestellt, bestätigt Kämmerer Georg Fischer. Dieter Henseler vom Fachbereich Planen und Bauen betont, dass die Verwaltung im engen Kontakt mit dem Verein steht. „Das Granulat haben wird schon im vergangenen Sommer rausgeholt, da es bei der großen Hitze geschmolzen ist. Wir haben den Platz besandet“, sagt Henseler. Die Ausschreibung läuft Ende des Jahres, die neue Oberfläche soll im kommenden Sommer während der Spielpause gelegt werden. Im Zusammenspiel mit einem Ingenieur wird geprüft, ob Kork, Besandung oder ähnliches Material verwendet werden soll.

Auch in der Stadt Goch befinden sich zwei Kunstrasenplätze. „Die Debatte ist uns präsent“, sagt Torsten Matenaers, Sprecher der Verwaltung. Die Bauarbeiten des neuen Kunstrasenplatzes für Alemannia Pfalzdorf sind beinahe abgeschlossen. In wenigen Wochen schon soll dieser feierlich eingeweiht werden. „Dort aber wurde Kork als Infillmaterial verwendet, es gibt also keine Probleme“, sagt Matenaers. In Planung befindet sich aktuell zudem ein weiterer Kunstrasenplatz für die Klubs SpVgg Kessel, die DJK SG Hommersum-Hassum und der SV Asperden. Dort wird aktuell noch auf Lärm- und Verkehrsgutachten gewartet. „Uns ist klar, dass damit ein erheblicher Aufwand verbunden ist. Aber wir kriegen seit Monaten eigentlich keine Information, wie es aussieht“, sagt Patrick Pitzner, Vorsitzender des SV Asperden, auf dessen Anlage der Kunstrasen gelegt werden soll. Auf Anfrage sagt Matenaers dazu: „Es ist alles im Fluss und das auch so mit dem Verein kommuniziert.“

Für den Kunstrasenplatz von Viktoria Goch sei zwar, so erklärt es der Stadtsprecher, kein Kork verwendet worden. Gesundheitsschädlich aber sei der Plastikplatz wahrscheinlich nicht. Das Granulat, gegen das die Europäische Union nun vorgehen will, sei dort jedenfalls nicht zu finden. Bisher noch über kein Kunstrasenfeld verfügt die Gemeinde Uedem. Allerdings wird dort aktuell eines für die Vereine Fortuna Keppeln und Uedemer SV geplant. „Die Vorteile eines Kunstrasenplatzes sind riesig. Auf diesen kann man auch im Winter trainieren, trainieren, trainieren“, sagt Bürgermeister Rainer Weber. In der Planung wolle man allerdings unbedingt darauf achten, ein unbedenkliches Granulat einzusetzen. „Das muss auch nicht Kork sein, immerhin ist auch das kein nachwachsender Rohstoff. Wir werden jedenfalls später das Granulat auswählen, das der aktuellsten und modernsten Technik entspricht“, sagt Weber.

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